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News-Archiv 2009

Weltbilder unter dem Mond - Ein Rundgang durch die Ausstellung "Sternstunden"

9. Dezember 2009

von Henning Krause

zum Bild Sternstunden - Wunder des Sonnensystems

Die Ausmaße sind beeindruckend. Im Luftraum des Gasometers Oberhausen steht der Besucher unter dem größten Mond auf Erden. Die riesige Skulptur nimmt fast das ganze Gesichtsfeld ein. Der Ballon mit dem 25-Meter-Durchmesser scheint im Halbdunkel zu schweben. Er zeigt ein quasi-realistisches Abbild des Erdtrabanten. Die Lichtinszenierung zeigt die Phasen des Mondes von Neumond bis Vollmond. Viele Besucher verharren minutenlang nahezu bewegungslos. Sphärenklänge und Musik unterstützen das sinnliche Erlebnis dieser einzigartigen Mondskulptur.

Dann geht es nach oben: Die Fahrt mit dem gläsernen Aufzug unter das Dach des Gasometers scheint nicht enden zu wollen. Weiter und weiter entfernt der Besucher sich vom Mond und entschwindet empor in den dunklen Stahlkoloss. Auf 100 Metern Höhe angekommen erscheint der Mondballon, der zuvor noch so riesig daherkam, eher wie ein kleiner Ball. Dies sind die Dimensionen der höchsten Ausstellungshalle Europas. Das Raumerlebnis ist einzigartig.

Vom Wandel der Weltbilder

Eine Etage unterhalb der spektakulären Mond-Inszenierung ist ein Stück des realen Erdtrabanten zu sehen: Zu den Exponaten der Ausstellung "Sternstunden - Wunder des Sonnensystems" gehören einige Gramm echten Mondstaubs. Die sowjetische Luna 24-Sonde brachte sie 1976 zur Erde. Daneben kann der Besucher auf der weitläufigen ehemaligen Gasdruckscheibe des Gasometers zahlreiche Abbildungen und Exponate aus der Astronomiegeschichte sehen: die Himmelscheibe von Nebra, historische Fernrohre, Sonnenuhren, Astrolabien und eine Armillarsphäre zum Beispiel, ein astronomisches Gerät zur Darstellung der Bewegung von Himmelskörpern. Sie symbolisieren Epochen der Wissenschaftsgeschichte und Weltbilder, die sich erheblich wandelten. Das antike geozentrische Weltbild des Ptolemaios sah Erde und Mensch im Mittelpunkt der Schöpfung. Es galt bis ins Mittelalter.

 Sternstunden im Gasometer Oberhausen
zum Bild Sternstunden im Gasometer Oberhausen

Die Kopernikanische Wende, einer der größten Umwälzungen der Geistesgeschichte, begann Mitte des 16. Jahrhunderts. Astronomische Messverfahren und -instrumente wurden verbessert. Tycho Brahe, Johannes Kepler und andere verfeinerten das heliozentrische Weltbild (mit der Sonne im Zentrum) und seine wissenschaftliche Beschreibung. Galileo Galilei ist insbesondere auch für den Streit um die korrekte Weltbild-Lehre bekannt: Bewegt sich die Erde um die Sonne oder steht sie unbewegt im Mittelpunkt?

 Sternstunden - Wunder des Sonnenystems

Mit dem Fortschreiten des astronomischen Erkenntnisprozesses veränderten sich die Weltbilder und damit auch die Selbstverortung des Menschen, weg vom Mittelpunkt der Welt. Dies ist der Spannungsbogen des mittleren Teils der "Sternstunden". Als Symbol der Neugier und des Forscherdrangs sieht der Besucher Camille Flammarions Holzschnitt von 1888: Der Mensch durchbricht den Horizont und erkundet neue Welten.

Bilder naher und ferner Welten

Neue kosmische Erkenntnisse waren oft mit neuen entstandenen Beobachtungstechniken verknüpft. So ermöglichte die Raumfahrt ganz neue Perspektiven für die Erforschung des Weltalls: Als Exponate hierzu sind zwischen den zahlreichen Stahlträgern der Gasometer-Gasdruckscheibe zum Beispiel die Mulitspektralkamera MKF-6, die Mars-Stereokamera HRSC und die Raumstation ISS zu sehen. Andere Klassiker der Raumfahrthistorie können die Besucher per Kopfhörer erleben: etwa das Piepsen des ersten Satelliten Sputnik, den Countdown unterschiedlicher Raketenstarts und die "Golden Record"-Grußworte der Voyager-Raumsonden, die seit 1977 als kosmische Flaschenpost unterwegs sind. Eine Replik dieser goldenen Schallplatte ist ebenfalls ausgestellt.

Informationen  

Ort: Gasometer Oberhausen
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen: 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen
Eintrittspreise: Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 5 Euro
Dauer: bis 30. Dezember 2010
                                                           
Die Treppe führt die Besucher hinab in den ebenerdigen Ausstellungsraum. Sein Zentrum dominiert ein warm leuchtender Sonnenball. Über den knapp 70 Meter weiten Raum verteilt sind die Planeten unseres Sonnensystems als Skulpturen zu sehen. Dazwischen zeigen großformatige Bilder unser Sonnensystem, seine Entwicklung und seine Vielfalt: zum Beispiel Mars, Saturn, die Jupitermonde Io und Europa sowie die Erde. Daneben sind auch Aufnahmen fremder Welten zu sehen: kosmische Nebel, ferne Galaxien, Bilder der Geburt und des Vergehens von Sternen, Gasnebel, die wie Katzenaugen leuchten. Die Schönheit dieser Aufnahmen beeindruckt alle Besucher. Sprachlosigkeit und Staunen sind ihre häufigsten Reaktionen.

Der Zuspruch des Publikums lässt sich auch an Zahlen festmachen. Mehr als 425.000 Menschen kamen in den ersten acht Monaten in die Sternstunden: ein Rekord für den Gasometer. Daher wurde die Ausstellung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Gasometer Oberhausen GmbH über das Internationale Jahre der Astronomie 2009 hinaus verlängert. Sie wird bis zum Ende des Kulturhauptstadtjahrs 2010 zu sehen sein. Viele weitere Sternstunden sind also noch zu erleben ...


Kontakt
Henning Krause
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation

Tel.: +49 2203 601-2502

Fax: +49 2203 601-3249


Thomas Machoczek
Gasometer Oberhausen GmbH

Tel.: +49 208 850-3735

Fax: +49 208 850-3733


Zuletzt geändert am: 20.05.2010 14:18:30 Uhr