News-Archiv 2010

Energie aus der Wüste: "Es muss eine Form von Austausch geben, keinen bloßen Stromexport."

18. November 2010

Für das Wüstenstromprojekt DESERTEC ist die Errichtung umfangreicher Wind- und Solarkraftwerke in nordafrikanischen Ländern geplant. Was sind dabei die Intentionen der nordafrikanischen Länder? Wie sehen sie DESERTEC? Im Interview spricht Prof. Chiheb Bouden, Leiter der Ecole Nationale d'Ingénieurs in Tunis, über Erneuerbare Energien in Tunesien und das DLR-Projekt enerMENA (Energy in Middle East and North Africa).

Unter der Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) soll im Projekt enerMENA die Zusammenarbeit von Ingenieuren und Technikern aus Europa, Nordafrika und dem Mittleren Osten intensiviert werden. Im November und Dezember 2010 werden in Almería erstmals Ingeneure und Techniker für Aufbau und Betrieb von Solarkraftwerken weitergebildet.

Weitere Informationen zum enerMENA-Kurs finden Sie in der rechten Spalte unter "Downloads".

 Prof. Chiheb Bouden
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Interview von Dorothee Bürkle

Was denken die Menschen in Tunesien über Desertec?

Prof. Chiheb Bouden: Desertec ist ein wichtiges Projekt für Tunesien. Tunesien fördert kein Öl und muss daher Energie importieren. Die Energiepreise steigen, so dass wir für die Zukunft nach alternativen Formen der Energieerzeugung suchen müssen. Die Einführung von Desertec wäre da eine echte Chance für uns, erstens weil wir Energie produzieren könnten und zweitens weil wir dazu ans europäische Stromnetz angeschlossen werden müssten. Außerdem bedeutet das Projekt eine Form der Energiesicherheit für unser Land. Drittens erschließt uns das Projekt die Chance, diese Technologie einzuführen, so dass es zu einem Technologietransfer kommt und wir später eigene Kraftwerke bauen können.

Auch die Herstellung einiger Komponenten für die Anlagen könnte interessant werden. Natürlich können wir in Tunesien keine kompletten Anlagen bauen, aber es wäre der Mühe wert, mit der Produktion einiger Teile in Tunesien zu beginnen, denn das könnte den Gesamtpreis der Anlagen senken.

Welchen Aspekt halten Sie für wichtiger: Stromproduktion für den eigenen lokalen Markt oder Stromexport?

Bouden: Ich denke, da müssen wir einen sinnvollen Kompromiss finden. Wir müssen mit der Stromproduktion beginnen und dann Anteile festlegen: einen bestimmten Anteil für den Verbrauch vor Ort und einen bestimmten Anteil für den Export. Dazu brauchen wir wahrscheinlich ein Netzwerk, um einen Ausgleich realisieren zu können. Es muss eine Form von Austausch geben, keinen bloßen Stromexport.

Wie kann Ihr Land Fachleute für den Bau der Kraftwerke bereitstellen?

Bouden: Wir haben eine Reihe guter Universitäten mit vielen Absolventen, die eine hochwertige und anspruchsvolle Arbeit suchen. Diese Universitäten können bei der Umsetzung des Desertec-Konzepts helfen, indem sie neue Programme anbieten, in denen die neue Technologie gelehrt wird.

Sie waren von Anfang an am Projekt enerMENA beteiligt. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Bouden: Positiv. Ich unterrichte schon seit den 1980er Jahren auf dem Gebiet der Solarenergie, nie jedoch in der Concentrating Solar Power-Technologie, denn dafür gab es in Tunesien bisher keine Einsatzmöglichkeiten. Das hat sich jetzt geändert. Jetzt brauchen wir Leute mit Erfahrung und müssen mit unterschiedlichen Gesprächspartnern aus dem Norden und dem Süden in Kontakt treten. Wir müssen zusammenarbeiten, denn es gibt auf beiden Seiten Probleme und wir können voneinander lernen.

Gibt es keine Befürchtungen, dass die ausländischen Unternehmen ihre eigenen Fachleute mitbringen und lediglich das Land nutzen?

Bouden: Ich glaube nicht. Tunesien ist ein offenes Land und wir haben hier bereits viele europäische Unternehmen und Investoren. Nach unseren Erfahrungen beschäftigen diese viele tunesische Fachleute. Nur am Anfang beginnen sie mit europäischen Mitarbeitern, die die einheimischen Mitarbeiter schulen. So gesehen habe ich keine Befürchtungen, denn das Bildungsniveau in Tunesien ist recht hoch.

Informationen zum enerMENA-Kurs finden Sie in der rechten Spalte unter "Downloads"


Kontakt
Dorothee Bürkle
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Redaktion Energie

Tel: +49 2203 601-3492

Fax: +49 2203 601-3249

E-Mail: Dorothee.Buerkle@dlr.de
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Energie aus der Wüste: "Hier ist die Lage völlig anders als in Deutschland oder dem Rest Europas." (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-13/135_read-27738/10233_page-2/usetemplate-print/)
Strom aus der Wüste: "Wir bereiten die ganze Entwicklung vor" (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-13/135_read-25391/10233_page-2/usetemplate-print/)
Energie aus der Wüste: "Wir haben die Technologie, die Konzepte und die Kontakte" (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-13/135_read-25566/10233_page-2/usetemplate-print/)
Strom aus der Wüste: Auf dem Weg von der Vision zur praktischen Umsetzung - Kick-off Meeting für das enerMENA-Projekt in Almeria (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-13/135_read-22486/10233_page-2/usetemplate-print/)
DESERTEC: Solarstrom aus der Wüste (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-5885/9548_read-18787/10233_page-2/usetemplate-print/)