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ILA News

Flight Director - Ein Job mit guten Aussichten

13. Juni 2010

Von Manuela Braun

 Flight Director Wolfram Cornelius
zum Bild Flight Director Wolfram Cornelius

Wolfram "Conny" Cornelius ist der Mann mit der besten Aussicht auf das Gelände der ILA in Berlin: Cornelius ist der "Flight Director" und koordiniert den gesamten Ablauf des Flugprogramms. Aus seinem Tower geht der Blick vom vierten Stock direkt auf das Flugfeld des Schönefelder Flughafens. Täglich bis zu 250 Flieger starten und landen unter seiner Aufsicht.

Der Finger des ILA-Flight Director fährt die langen Zahlenreihen auf dem Papier entlang. Jede Zeile steht für einen Start oder eine Landung eines Passagierflugzeugs auf dem Schönefelder Flughafen. Nur in den kurzen Zwischenräumen kann Cornelius einen "seiner" Flieger zum Flugprogramm in die Luft schicken, denn ILA und Flughafen nutzen dieselbe Start- und Landebahn. "Es ist eine Sisyphus-Arbeit", sagt der Flight Director. "Der normale Flugverkehr hat natürlich Vorrang. Unsere Flugvorführungen müssen also genau hineingeplant werden. Und da geht es bei uns um Minuten." 400 Flugbewegungen am Tag hat der Schönefelder Flughafen. Die Hälfte davon sind Flieger, die wie das DLR-Forschungsflugzeug Antares für die ILA durch die Luft kreisen. "Wir fliegen also im gemischten Betrieb - und das ist nicht so einfach." 

Verantwortung auf dem ILA-Gelände

 Arbeiten im Tower der ILA
zum Bild Arbeiten im Tower der ILA

Ein Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes klopft an. "Gewitterwarnung von 11.45 Uhr bis 12.15 Uhr", sagt er. Cornelius nickt. Die Meldung wird an alle Piloten herausgehen. "Ich muss mich auch gerichtlich dafür verantworten, wenn etwas passiert." Erst wenn ein Flugzeug den Bereich der ILA über das Rollfeld verlässt, geht die Verantwortung auf den Tower des Schönefelder Flughafens über. Während der ILA selbst sind Cornelius und sein Team fast rund um die Uhr im Einsatz. Flieger, die an einer Flugshow teilnehmen, müssen ihre Manöver zuerst schriftlich bei Cornelius einreichen. Bevor allerdings vor Publikum geflogen werden darf, muss der Flight Director die Flugmanöver sehen. Geschehen kann das nur morgens vor den Öffnungszeiten oder abends zwischen 18 Uhr und Sonnenuntergang.

Der ehemalige Pilot bei den Marinefliegern ist bereits selbst Starfighter und Tornados geflogen, arbeitete als Testpilot bei Dornier und ist auch weiterhin als freiberuflicher Pilot tätig. "Ich kenne die Manöver und weiß, was möglich ist", sagt er. Jeden Morgen hält er ein Meeting mit den mehr als 100 Piloten ab. Wer dann am vorhergehenden Tag bei vereinbarten Flughöhen oder Routen gepatzt hat, bekommt von Cornelius seine Standpauke. Per Computer werden die Daten aller Flugzeuge aufgezeichnet und für drei Jahre gespeichert. Wie eine rote Spur zieht sich die Flugbahn des Fliegers, der gerade in der Luft ist, über den Bildschirm. Die Start- und Landebahn des Flughafens und ein seitlicher Bereich von jeweils 470 Metern sind für die Piloten des Showprogramms tabu.

Reservierte Bereiche für jeden Flieger

 Koordination im Team
zum Bild Koordination im Team

Vor den großen Glasscheiben des ILA-Towers bleibt gerade ein Helikopter mit seiner Nase in Richtung Erde in der Luft stehen. Gleichzeitig setzt ein Passagierflugzeug auf der Landebahn auf. Am Zaun vor der Landebahn drängeln sich die Luftfahrtfans. So etwas bekommt man nur selten auf einem Foto vereint. Je nach Flugzeuggröße teilt Cornelius den Piloten verschiedene Bereiche zu. Fliegt die "Patrouille Suisse", die Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe, mit sechs Jets im Formationsflug, reserviert der Flight Director einen möglichst großen Luftraum. Bisher gab es keine Unfälle. Allerdings hatten zwei Flieger beim Anflug die im Bau befindliche Landebahn des Flughafens angepeilt, bis sie über ihren Irrtum aufgeklärt wurden.


Kontakt
Manuela Braun
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Redaktion Weltraum

Tel.: +49 2203 601-3882

Fax: +49 2203 601-3249


Zuletzt geändert am: 12.06.2010 12:20:34 Uhr