News Archiv 2002

Gelungener Start der Umweltmission GRACE Großer Erfolg für Raumfahrtnation Deutschland

17. März 2002

USA vergab erstmals Auftrag für den Satellitenbau ins Ausland
Wissenschaftler nutzten konvertierte russische SS 19-Rakete

Oberpfaffenhofen - Am Sonntag, 17. März 2002, sind um 10.21 Uhr MEZ die Zwillingssatelliten der Mission GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment) pünktlich und erfolgreich vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk aus gestartet. An dieser Erdbeobachtungs-Mission hat insbesondere Deutschland einen großen Anteil: "Dieser grandiose Auftakt der GRACE-Mission ist ein großer Erfolg für Deutschland, das sich damit im internationalen Konzert als leistungsfähige Raumfahrtnation positioniert", erklärte Prof. Sigmar Wittig, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen nach dem Start. "Und da Raumfahrt bekanntlich eine High-Tech-Branche "par Excellence" ist, ist dies auch ein großer Erfolg für die deutsche Industrie und Forschung", fügte er hinzu. Der Start der Mission wurde vom Deutschen Raumfahrt-Kontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen aus überwacht, das auch für den Betrieb während der fünfjährigen Mission verantwortlich ist. Der Start sollte ursprünglich am 16. März 2002berfolgen, er wurde aber wegen starker Höhenwinde am Startplatz in Plesetsk als Vorsichtsmaßnahme um 24 Stunden verschoben.


GRACE - ein gutes Beispiel für amerikanisch-deutsche Zusammenarbeit in der Wissenschaft

Wittig wies darauf hin, dass GRACE auch ein gutes Beispiel für die veränderte politische Weltlage und die Zusammenarbeit der Wissenschaftler über alle Grenzen hinweg sei: "Der Zwillingssatellit GRACE ist reibungslos auf einer konvertierten russischen SS 19 in den Weltraum gestartet. Dieses Konversionsprojekt ist sicherlich ein Meilenstein weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus."


Aufgaben der GRACE-Zwillingssatelliten

Die GRACE-Zwillingssatelliten, von denen jeder 500 Kilogramm wiegt, umkreisen in rund 500 Kilometer Höhe innerhalb von etwa 95 Minuten die Erde. Mit Hilfe der amerikanisch-deutschen Kleinsatelliten-Mission soll ein neues Modell des Erdgravitationsfeldes mit bisher unerreichter Genauigkeit erstellt werden. Bei den wissenschaftlichen Untersuchungen stehen insbesondere folgende Fragen im Mittelpunkt: Schmelzen die Eiskappen an den Polen? Steigen die Meeresspiegel an? Drohen Überflutungen? Weshalb reichen arme Meeresströmungen wie der Golfstrom so weit in nördliche Gebiete der Erdkugel? Welchen Einfluss hat die Gravitation darauf? Der wissenschaftliche Leiter der GRACE-Mission auf deutscher Seite, Prof. Christoph Reigber, zeigte sich äußerst zufrieden über den erfolgreichen Start der Mission: "Mit CHAMP haben wir im Juli 2000 erstmals gezeigt, dass die Geowissenschaften in Deutschland erfolgreich in den Weltraum abgehoben haben, um das System Erde mit seinen Wechselbeziehungen zum Klima besser zu erforschen. Und mit den GRACE-Zwillingssatelliten werden wir unsere führende Rolle weiter festigen können."


GRACE als internationales Gemeinschaftsprojekt

GRACE ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das DLR-Raumfahrt-Kontrollzentrum ist verantwortlich für das Missionsmanagement und den Betrieb. Die GRACE-Zwillingssatelliten wurden von Astrium in Friedrichshafen gebaut. Start und Transport in die Erdumlaufbahn erfolgten mit einer russischen Trägerrakete und wurden von dem deutsch-russischen Unternehmen Eurockot durchgeführt. Die wissenschaftliche Datenauswertung erfolgt durch die University of Texas (UTCSR) und durch das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ).


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