News Archiv 2003

Grenzüberschreitender Güterverkehr soll flexibler werden Internet-Plattform soll Schienentransport beschleunigen

30. Oktober 2003

Bahnsysteme
DLR-Institut koordiniert EU-Projekt PARTNER
Mehr internationaler Güterverkehr von der Straße auf die Schiene

Köln / Berlin - Der grenzüberschreitende Schienengüterverkehr innerhalb Europas soll flexibler werden. Mit diesem Ziel startete in diesem Monat unter der Führung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) das EU-Projekt PARTNER (Path Allocation Reengineering of Timetable Network for European Railways). Dabei geht es insbesondere um eine Flexibilisierung des Schienengüterverkehrs, um mehr internationalen Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Sieben Partner aus vier Ländern wollen dafür gemeinsam eine Internet-Plattform schaffen, die die Abstimmung des Trassenbedarfs für den internationalen Schienengüterverkehr zwischen den nationalen Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen in unterschiedlichen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) und der Schweiz vereinfacht.

DLR-Institut für Verkehrsforschung in Berlin koordiniert internationales Projekt

Das PARTNER-Projekt vereint Großunternehmen wie Siemens, mittelständische Unternehmen wie die italienische Futura Systemi, den italienischen Schienennetzbetreiber Rete Ferroviaria Italiana (RFI), die Brenner Basis Tunnel EWIV sowie die Universitäten von Bologna und Tilburg unter der Projektleitung des DLR-Instituts für Verkehrsforschung in Berlin-Adlershof. PARTNER steht für Path Allocation Reengineering of Timetable Network for European Railways und lässt sich sinngemäß mit "Restrukturierung der Trassenzuweisung bei den Fahrplänen der europäischen Bahnen" übersetzten. Das Projekt hat eine Laufzeit von 2 Jahren und ein Volumen von insgesamt 1,9 Millionen Euro. Es wird von der Europäischen Kommission im fünften Rahmenprogramm gefördert.

Im Zuge der Öffnung des Schienenverkehrsmarktes für neue Eisenbahnverkehrs-Unternehmen (EVU) ist die EU seit Jahren bestrebt, den Trassenzugang einfacher und flexibler zu gestalten. Der Fahrplan für den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr innerhalb Europas muss derzeit mehr als ein Jahr im Vorhinein geplant werden. Gründe hierfür sind die Komplexität des europäischen Schienennetzes, die große Dimension des Schienenverkehrs und die unterschiedlichen Planungssysteme in den Ländern. Diese langen Vorlaufzeiten bei der Trassenplanung sind insbesondere für den Güterverkehr problematisch, da bei den Kunden oft kurzfristig Transportbedarf entsteht und entsprechend bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen nachgefragt wird. Diese benötigen zeitnahe Angebote der Eisenbahn-Infrastrukturmanager, um ihrerseits die Wünsche der Kunden erfüllen zu können. Kunden sind hier die verladende Wirtschaft sowie Speditions- und Logistikunternehmen.

Eine Lösung für dieses Problem soll nun im Rahmen des PARTNER-Projekts erarbeitet werden. Ziel des Projekts ist ein Internet-Tool, das als Schnittstelle zwischen den verschiedenen nationalen Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen der europäischen Länder fungiert. Den Eisenbahnverkehrs-Unternehmen sollen ab einem Planungsvorlauf von einer Woche Trassenkapazitäten auf internationalen Schienenkorridoren einschließlich der dazu gehörigen Trassenpreise angeboten werden können. Nur so kann mittelfristig erfolgreich mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden.

Bei der Umsetzung des Projekts wollen sich die Projektbeteiligten exemplarisch auf große internationale Bahnkorridore konzentrieren. Außerdem bauen sie auf den Ergebnissen vorangegangener EU-Projekte auf und stimmen sich mit anderen zur Fahrplanerstellung ab. Konkret sollen die Eisenbahninfrastrukturunternehmen über
die von ihnen geschaffenen "One-Stop-Shops" besser vernetzt werden. Die "One-Stop-Shops" waren zur Umsetzung von EU-Richtlinen zum freien Zugang auf das europäische Schienennetz während der vergangenen Jahre in insgesamt 17 europäischen Ländern eingerichtet worden. Sie erlauben derzeit den Zugang
zu Schienennetzen entlang des "North-South Freight Freeways", der von Nord-Norwegen bis nach Sizilien reicht.


URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-831/1330_read-2476/