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"Columbus" erobert den Weltraum - DLR und ESA nehmen Kontrollzentrum für europäisches ISS-Modul in Betrieb

14. Oktober 2004

Luftaufnahme des Raumfahrt-Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen
zum Bild Luftaufnahme des Raumfahrt-Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen

DLR und ESA nehmen das Kontrollzentrum für das europäische Modul der Internationalen Raumstation (ISS) in Betrieb

Oberpfaffenhofen – Am 19. Oktober 2004 nehmen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Europäische Weltraumorganisation (ESA) das Columbus-Kontrollzentrum für die Internationale Raumstation (ISS) in Betrieb. Columbus heißt das europäische Weltraum-Labor der ISS, das nach Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge an die ISS angedockt werden soll, voraussichtlich im Jahr 2006. Das Kontrollzentrum wurde im Auftrag der ESA eingerichtet. Es ist im Deutschen Raumfahrt-Kontrollzentrum des DLR untergebracht und wird die europäische Leitstelle für den Betrieb des Columbus-Labors sein. Dieses ISS-Modul, an dessen Kosten Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), mit 41 Prozent beteiligt ist, gilt als der bedeutendste europäische Beitrag im Rahmen des Raumstationsprogramms.

Der Auftrag zum Aufbau des Columbus-Kontrollzentrums ist gewissermaßen ein "verdienter Lohn" für die langjährige Betriebserfahrung und Kompetenz bei der Durchführung bemannter und unbemannter Raumflugmissionen, die das Deutsche Raumfahrt-Kontrollzentrum des DLR vorweisen kann. Bei neun bemannten sowie 40 unbemannten wissenschaftlichen und kommerziellen Satellitenmissionen hat sich der DLR-Standort Oberpfaffenhofen, der rund 25 Kilometer südwestlich von München gelegen ist, in den vergangenen 36 Jahren einen Namen gemacht. Zu den herausragenden Missionen zählen die D-1 und D-2-Shuttle-Missionen ebenso wie Flüge zur russischen Raumstation Mir. Mit seiner Kompetenz bei der Positionierung und des Betriebs von Satelliten sieht sich das Kontrollzentrum auch für neue Herausforderungen bestens gerüstet.

Das Columbus-Kontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen
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Das Columbus-Kontrollzentrum ist nun fertig und kann die Arbeit für die europäischen Elemente der ISS aufnehmen. Wissenschaftler und Ingenieure werden ihre Arbeitsplätze im Kontrollzentrum einnehmen, die Systeme überprüfen, legen den Flugablauf fest und trainieren das Team für den Ablauf sowie den Betrieb und führen Simulationen durch. Insgesamt werden durch die Columbus Betriebsaufgaben etwa 75 Arbeitsplätze langfristig gesichert. Das ESA Vertragsvolumen für den Aufbau des Kontrollzentrums belief sich auf 40 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie beteiligten sich je mit 20 Millionen Euro am Aufbau des Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen.

Mit der Eröffnung des Columbus-Kontrollzentrums wird eine auf zehn bis 15 Jahre angelegte Betriebsphase für bemannte Raumfahrtforschung in Oberpfaffenhofen eingeleitet. Dies ist ein für den DLR-Standort und die Region enorm wichtiger Schritt, knüpft man doch an große Erfolge der Vergangenheit an. In den kommenden Monaten werden das DLR, die ESA sowie Industriepartner den operationellen Ablauf testen und die Kommunikationsverbindungen zu allen anderen Zentren des Operationsnetzwerks der Internationalen Raumstation ISS herstellen.

Seiner ersten Aufgabe im Rahmen einer Raumflugmission sieht das Columbus-Kontrollzentrum bereits für April 2005 entgegen. Dann soll eine Mission eines ESA-Astronauten zur ISS erfolgen, die von einem Missionsteam im Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen unterstützt wird. Voraussichtlich ab Oktober 2005 wird das Kontrollzentrum auch an den Missionen des unbemannten Raumtransporters ATV beteiligt sein. Dieser wird die Raumstation künftig unter anderem mit Lebensmitteln, Wasser, Treibstoff und Sauerstoff versorgen sowie neue wissenschaftliche Experimente an Bord der ISS bringen. Das Raumfahrt-Kontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen stellt dabei den ATV-Hauptzentren in Toulouse, Houston und Moskau seine Boden-Kommunikationsinfrastruktur für den Start und die so genannten in-orbit operations zur Verfügung.

Im Jahr 2006 soll das Zentrum schließlich die Arbeiten im Columbus-Labor kontrollieren. Sobald das Modul an die ISS angekoppelt ist, übernimmt das Columbus-Kontrollzentrum die Verantwortung für das europäische Weltraumlabor sowie die Koordination des wissenschaftlichen Programms.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, ist das Zentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt und beschäftigt sich in dieser Funktion mit umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten in nationaler und internationaler Kooperation. Über die eigene Forschung hinaus ist das DLR als Raumfahrtagentur im Auftrag der Bundesregierung für die Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten zuständig.


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