Der Marathon-Mann: Rolf Densing, Direktor ESA-Programme im DLR

Freitag, 1. Februar 2013

Von Elisabeth Mittelbach

"Herausforderungen wollen gemeistert werden", sagt Rolf Densing und lächelt verschmitzt. Dieser Satz könnte sein Lebensmotto sein - beruflich und privat. Der promovierte Physiker verantwortet seit 2009 als Programmdirektor im DLR Raumfahrtmanagement das deutsche Engagement in den Forschungs-, Technologie- und Infrastrukturprogrammen der ESA. Über seinen Schreibtisch geht ein Budget von gut 770 Millionen Euro pro Jahr. Viel Geld, das verantwortungsvoll und weitsichtig investiert werden will. Densing ist deshalb nicht nur ein Fachmann für das ESA-Geschäft. Er selbst sieht sich vor allem als Netzwerker: "Das DLR und damit auch ich spielen bei Deutschlands Engagement in der ESA eine Moderatorenrolle. Industrie, Wissenschaft und Politik müssen hinter uns stehen, damit wir mit einer Stimme sprechen können und keine Partikularinteressen vertreten". Um diesem Ansatz gerecht zu werden, brauche es vor allem Überzeugungskraft, Insiderwissen, eine gesunde Portion Ehrgeiz und einen langen Atem. Und noch etwas: "Ein funktionierendes Team", meint der 53-Jährige.

Seit mehr als 25 Jahren arbeitet Rolf Densing in der Raumfahrt-Branche; in der Wissenschaft hat er nach seinem Studium  am Max-Planck-Institut für Radioastronomie und an der Universität in Bonn seine Laufbahn an der "University of Virginia" in Charlottesville an der US-Ostküste begonnen. Von 1992 bis 1995 war er als Projektmanager in der Abteilung Extraterrestrik der ehemaligen DARA (Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten, heute DLR-Raumfahrtmanagement) tätig, unter anderem für den Mitflug einer Serie von wissenschaftlichen Missionen der deutschen Astro-SPAS Plattform bei den Space Shuttle-Missionen STS 51 (1993),STS 66 (1994), STS 66 (1994) und STS 85 (1997). 1999 wechselte der Rheinländer dann ins Management: Zunächst für drei Jahre ins DLR-Außenbüro in Washington, dann als Leiter des Vorstandsbüros zur DLR-Zentrale nach Köln-Porz. Von 2003 bis 2009 war der begeisterte Freizeitsportler Kopf der Abteilung ESA-Angelegenheiten im DLR Raumfahrtmanagement, bevor er 2009 vom Senat des DLR zum Programmdirektor berufen wurde.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

"Im Nachhinein betrachtet, war ich oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort", resümiert er heute. Das sei zu einem großen Teil glückliche Fügung gewesen. Passt aber auch zu seinem Wesen: Offen zu sein für Neues, den Blick über den Tellerrand zu richten und dabei wesentliche Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. So lautete bei der Vorbereitung der jüngsten ESA-Ministerratskonferenz in Neapel im November 2012 die Densing’sche Devise: "Werbung für uns und unseren Plan machen bei all unseren Partnern und dabei eine homogene, transparente Strategie umsetzen, die sich an der deutschen Raumfahrtstrategie orientiert."Spontaneität gehört dabei für den scharfsinnigen Analytiker genauso zum Geschäft wie Verlässlichkeit in der Sache. Will heißen: Mit aufgeräumtem Kopf ständig auf einem gepackten Koffer sitzen. "Im Vorfeld der MK war ich ab September nahezu wöchentlich in Paris, sei es beim ESA-Headquarter, bei der französischen Raumfahrtagentur CNES oder im Aufsichtsrat von Arianespace. Und am Freitag vor der Konferenz habe ich morgens erfahren, dass ich abends mit den führenden Ministern der europäischen Raumfahrtszene auf Einladung der Schweizer in Genf sein würde", erzählt der passionierte Langstreckenläufer. Es ging einmal mehr um die Zukunft der Ariane-Trägerrakete.

Herausforderungen sportlich nehmen

Den Kopf frei bekommt Rolf Densing beim Sport: Schwimmen, Rennradfahren und Joggen, soweit die Füße tragen. Am liebsten täglich. Und mehr als in den vielbeschworenen "homöopathischen Dosen". Die Marathon- und Triathlon-Distanzen sind sein Spielfeld. Mehrmals im Jahr ist er bei nationalen und internationalen Wettkämpfen dabei. Auch den ESA-Gipfel in Neapel hat er auf seine Weise "sportlich" genommen. Nach 19 Stunden Verhandlungsmarathon am ersten Tag der Konferenz wirkt der 53-Jährige vergleichsweise aufgeräumt und - zumindest äußerlich - entspannt. Positiv angespannt könnte man auch sagen. Ein Adrenalinschub ist für den Direktor der ESA-Programme im DLR offensichtlich kein Grund zur Sorge. "Deutschland ist die führende Kraft in der ESA - wir müssen dieser Rolle aber auch gerecht werden", sagt er zum Abschluss unseres Gesprächs. "Wir stehen an der Spitze der Rückfluss-Statistik, das heißt, wir haben ein sehr gutes Verhältnis zwischen unserem Input, also dem Geld, das wir in die ESA einzahlen, und dem Output, also den Geldern, die über unsere Beteiligung an den ESA-Programmen wieder zurück nach Deutschland fließen."

Zuletzt geändert am: 12.02.2013 14:33:55 Uhr

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Dr. Rolf Densing

Dr. Rolf Densing

Dr. Rolf Densing arbeitet als Programmdirektor im DLR Raumfahrtmanagement in Bonn.

Rolf Densing mag Herausforderungen

Rolf Densing mag Herausforderungen

Das Spielfeld des begeisterten Freizeitsportlers sind die Marathon- und Triathlon-Distanzen. Mehrmals im Jahr ist er bei nationalen und internationalen Wettkämpfen dabei.

Deutsche Delegation bei der ESA-Ministerratskonferenz

Deutsche Delegation bei der ESA%2dMinisterratskonferenz

Die Spitzen der deutschen Delegation (vorne von links): Prof. Johann-Dietrich Wörner, DLR-Vorstandsvorsitzender und Delegationsleiter auf Ratsebene, Peter Hintze, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Delegationsleiter auf Ministerebene, Dr. Rolf Densing, ESA-Programmdirektor beim DLR, sowie (hinten von links) Dr. Gerd Gruppe, DLR-Vorstand Raumfahrtmanagement, und vom Bundeswirtschaftsministerium Unterabteilungsleiter Helge Engelhard und Referatsleiter Dr. Karl-Friedrich Nagel.

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