Totale Sonnenfinsternis in der Arktis, partiell sichtbar in Deutschland

Donnerstag, 19. März 2015

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  • Am Freitagvormittag wird sich der Mond vor die Sonne schieben
    Am Freitagvormittag wird sich der Mond vor die Sonne schieben

    Beobachtern in Deutschland wird sich am Freitagvormittag ein seltenes Himmelsschauspiel bieten: eine partielle Sonnenfinsternis, bei der sich der Mond scheinbar vor die Sonne schieben und unser Zentralgestirn – je nach Standort – mit bis zu 80 Prozent seiner Fläche bedecken wird. Vollständig abgedunkelt wird die Sonne allerdings nur im Nordpolarmeer. Aber auch in Deutschland kann im Idealfall gegen 10.45 Uhr MEZ eine Auswirkung auf die allgemeine Stimmung der Umgebung ausgemacht werden, etwa eine fahle Beleuchtung.
    So wie in diesem Bild des Solar Dynamic Observatory der NASA von der Chromosphäre, der Sonnenoberfläche, mit einigen Protuberanzen und Sonnenflecken, aufgenommen im extrem ultravioletten Licht, wird das Phänomen jedoch nur mit Spezialfiltern zu beobachten sein.
    Bitte beachten Sie, dass sie niemals ohne spezielle Sonnenfinsternis-Schutzbrille ihren Blick auf die Sonne richten dürfen, um Ihr Augenlicht nicht zu schädigen.

  • Der Weg der Sonnenfinsternis über den Nordatlantik
    Der Weg der Sonnenfinsternis über den Nordatlantik

    Die totale Sonnenfinsternis am 20. März 2015 wird nur über dem Nordatlantik und Polarmeer sichtbar sein. Tausende von Amateurastronomen und Neugierigen werden hoffen, dass ihnen das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht. Der Pfad der Totalität bzw. des Kernschattens des Mondes (graues Band) auf der Nordhalbkugel zeigt, dass die "SoFi" nur an ganz wenigen Stellen vom Festland aus beobachtet werden kann – auf den Färöer-Inseln beispielsweise, oder auf Spitzbergen. Die Mittellinie zeigt die "Spur" maximaler Länge an, entlang der die Bedeckung am längsten ist. Die Sonne wird dort nur knapp über dem Horizont stehen, denn der 20. März ist der Tag des astronomischen Frühlingsanfangs und gleichzeitig das Ende der Polarnacht.
    Die Sonnenfinsternis beginnt um 10:11 Uhr bei 45 Grad westlicher Länge, etwas südlich von Grönland. Der Schattenkegel des Mondes rast dann regelrecht in Richtung Nordosten. Für einen Betrachter am längsten sichtbar wird die Finsternis um 10:44 Uhr MEZ etwa 300 Kilometer südsüdöstlich von Island sein, ehe sie gegen 11:09 Uhr MEZ Spitzbergen erreichen und dann wenig später am Nordpol enden wird.

  • Der magische Moment bei Totalität – die Korona der Sonne wird sichtbar
    Der magische Moment bei Totalität – die Korona der Sonne wird sichtbar

    Kein anderes astronomisches Ereignis macht das "kosmische Räderwerk" unseres Sonnensystems für die Menschen so anschaulich, wie eine Sonnenfinsternis. Wenn sich der Neumond scheinbar vor die Sonne schiebt und der spitze Kegelschatten über die Erdoberfläche rast, wird es an Orten, über die sich der Kernschatten bewegt, für wenige Minuten dunkel. Sterne sind mitten am Tag sichtbar und die Umwelt verändert sich – die Tierwelt ist verunsichert. Nur dann ist die Korona, der die Sonne umgebende Strahlenkranz aus heißem Gasplasma zu sehen, so wie in dieser Aufnahme der Europäischen Südsternwarte von der letzten in Deutschland sichtbaren totalen Sonnenfinsternis am 11. August 1999.
    Eine sehr poetische Beschreibung dieses Himmelsphänomens verfasste der österreichische Schriftsteller Adalbert Stifter anlässlich der Sonnenfinsternis am 8. Juni 1842, die er in Wien beobachtete: "Der Mond stand mitten in der Sonne, aber nicht mehr als schwarze Scheibe, sondern gleichsam halb transparent wie mit einem leichten Stahlschimmer überlaufen, rings um ihn kein Sonnenrand, sondern ein wundervoller, schöner Kreis von Schimmer, bläulich, rötlich, in Strahlen auseinanderbrechend, nicht anders, als gösse die obenstehende Sonne ihre Lichtflut auf die Mondeskugel nieder, daß es rings auseinanderspritzte – das Holdeste, was ich je an Lichtwirkung sah!"

  • Partielle Sonnenfinsternis am 20. März in Deutschland
    Partielle Sonnenfinsternis am 20. März in Deutschland

    An diesem Freitag, dem 20. März, wird es zum seltenen Ereignis einer Sonnenfinsternis kommen. Allerdings wird die Sonne in Deutschland und Mitteleuropa nicht vollständig verdunkelt werden.

An diesem Freitag, dem 20. März, wird es zum seltenen Ereignis einer Sonnenfinsternis kommen. Allerdings wird die Sonne in Deutschland und Mitteleuropa nicht vollständig verdunkelt werden. Die "totale" Sonnenfinsternis wird nur im Nordpolarmeer zu beobachten sein. Hierzulande wird es aber immerhin – je nach Beobachtungsort – am späten Vormittag zu einer Abdeckung von knapp 60 bis fast 80 Prozent der Sonnenscheibe kommen, also zu einer "partiellen" Sonnenfinsternis.

Wichtig! Beobachten Sie die Sonne nie ohne die für Sonnenfinsternisse speziell angefertigten Schutzbrillen. Sie sind bei manchen Optikern und im Internet erhältlich. Auch Sternwarten in Ihrer Nähe – bei denen Sie bei gutem Wetter sehr wahrscheinlich unter kompetenter Betreuung die "Sofi" werden beobachten können – halten solche Spezialbrillen vor. Richten Sie Ihren Blick auch mit Ferngläsern oder Teleskopen nie direkt in die Sonne: Es besteht die Gefahr einer Erblindung! Auch mit einer starken Sonnenbrille riskieren Sie eine Schädigung der Augen.

Mit über zwei Stunden Dauer ist der Mond-"Kontakt" mit der Sonne sehr lang

Diese Sonnenfinsternis über der Nordhalbkugel wird wegen des im März noch nicht sehr hohen Sonnenstands einen ungewöhnlich langen Verlauf haben. Ab etwa 9:30 Uhr MEZ (München; Berlin 9:39 Uhr) wird sich die Mondscheibe beim "ersten Kontakt" scheinbar von Westen her über die Sonne schieben. Um 10:39 Uhr (10:47 Uhr) wird in Deutschland die maximale Bedeckung erreicht sein. In München werden das 67,7 Prozent sein, in Berlin 74,2 Prozent und in Hamburg sogar 79,2 Prozent. Einen wolkenfreien Himmel vorausgesetzt lässt sich also gut beobachten, wie sich der Mond als halbrunder "Schatten" zwischen die Erde und die Sonnenscheibe schiebt, die dann als "Sonnensichel" erscheint.

Damit ähnelt diese Sonnenfinsternis der letzten in Deutschland sichtbaren Eklipse vom 4. Januar 2011, aber die Sonne steht dieses Mal, am 20. März, zufällig zur Tag- und Nachtgleiche, dem astronomischen Frühlingsbeginn, deutlich höher. Und auch wenn es in Mitteleuropa nur zu einer teilweisen Verdunklung kommen wird, weil sich unsere Breiten nur im Halbschatten des Mondes befinden, werden die Auswirkungen spürbar sein, indem es zu einer leichten Verdunklung kommt. Im Idealfall kann gegen 10:45 Uhr eine Auswirkung auf die allgemeine Stimmung der Umgebung ausgemacht werden – eine fahle Beleuchtung etwa, und ganz kleine Öffnungen werfen lauter kleine Sicheln auf den Boden statt runde Sonnenbildchen.

Finsternis zu Frühlingsbeginn im Nordpolarmeer vermutlich sehr spektakulär

Viel beeindruckender ist freilich die Beobachtung der totalen Finsternis, wenn sich die Mondscheibe exakt vor die Sonnenscheibe schiebt und man sich als Beobachter in der Zone des Kernschattens des Mondes befindet. Nur dann ist von der Erde aus die Korona der Sonne zu sehen, der Strahlenkranz (lat. Corona = Krone) über der Sonnenatmosphäre mit seinen turbulenten Gaseruptionen aus vollständig ionisiertem, bis zu einigen Millionen Grad Celsius heißem Gasplasma. Wegen der Streuung der Erdatmosphäre kann dieses Phänomen von der Erdoberfläche nicht beobachtet werden, indem einfach die Sonnenscheibe durch eine kreisrunde Scheibe abgedunkelt wird. Insbesondere für unsere Vorfahren waren solche Beobachtungen von großer mythischer Bedeutung.
Interessant ist die totale Sonnenfinsternis auch unter dem Aspekt, dass sie genau am Tag des astronomischen Frühlingsbeginns und dabei gleichzeitig etwa dem Polarkreis folgend stattfindet. Das bedeutet, dass die Tausenden von „SoFi-Touristen“, die das Ereignis auf Schiffen vor Island und auf den Färöerinseln oder Spitzbergen verfolgen, die Sonne nur ganz knapp über dem Horizont werden beobachten können.

Die Bilder einer Sonnenkorona unmittelbar über dem Erdhorizont in den vielfach verfügbaren Livestreams und auf den Fotos, die von diesen Beobachtungsorten gemacht werden, dürften ausgesprochen spektakulär und vor allem einmalig sein, weil sie früher technisch so noch nicht möglich waren. Allerdings müssen die Fotografen schnell sein: Denn die Totalität dauert nur etwa zwei Minuten. Der Kernschatten des Mondes rast mit mehreren hundert Kilometer pro Stunde über die Nordhalbkugel. Die längste Verfinsterung wird bei 64,28º nördlicher Breite und 6,9º westlicher Länge, also etwa 300 km südsüdöstlich der Ostküste von Island stattfinden.

Die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland wird sich erst 2081 ereignen

Sonnenfinsternisse sind sehr rare Ereignisse. Die letzte totale Sonnenfinsternis in Mitteleuropa zog am 11. August 1999 über Süddeutschland. Die nächste Finsternis mit einer ähnlich starken Bedeckung der Sonne findet erst im Jahr 2026 statt, die nächste totale Finsternis in Mitteleuropa sogar erst wieder 3. September 2081!
Damit eine totale Sonnenfinsternis stattfinden kann, müssen zwei, eigentlich sogar drei astronomische Parameter gegeben sein. Zunächst muss Neumond sein. Die zweite Bedingung, die erfüllt sein muss, ist, dass sich der Neumond in einem der beiden "Knoten" seiner leicht gegenüber der Erde geneigten Bahn um unseren Planeten befindet. Knoten bedeutet hier, dass die Bahn des Mondes um die Erde, die einen Winkel von etwa fünf Grad gegenüber der Bahn der Erde um die Sonne bildet, an zwei Punkten – an den Knoten – durch eine gedachte Ebene "sticht", die durch die Erdumlaufbahn beschrieben wird: die so genannte Ekliptik. Dann stehen die Mittelpunkte von Sonne, Mond und Erde exakt oder nahezu exakt auf einer Linie. Das erklärt, dass sich nicht bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis ereignet. Nur, wenn Neumond gerade an einem der beiden Knoten stattfindet, kann der spitzkegelige Schatten des Mondes auch auf die Erdoberfläche treffen.
Und schließlich muss der kleine Mond mit seinen 3.476 Kilometern Durchmesser scheinbar größer sein als die Sonne mit ihren 1,4 Millionen Kilometern Durchmesser: Befindet sich der Mond an seinem erdfernsten Punkt von 406.000 Kilometern Distanz, kommt es nur zu einer ringförmigen Finsternis; bei der durchschnittlichen Mondentfernungen von 383.000 bis zur Minimalentfernung von 363.000 Kilometern von der Erde ist die Finsternis jedoch perfekt.

Astronomischer Zufall: Sonne und Mond mit scheinbar gleichem Durchmesser

Dass der kleine Mond die große Sonne bedecken kann, ist übrigens ein astronomischer Zufall: Sein Durchmesser ist zwar 400 mal kleiner als der der Sonne – gleichzeitig ist die Sonne aber 400 mal weiter von der Erde entfernt, als der Mond, nämlich etwa 150 Millionen Kilometer vom Erde-Mond-System. In ferner Zukunft werden unsere Nachfahren das Spektakel einer Korona nicht mehr beobachten können. Denn der Mond entfernt sich mit etwa 3,8 Zentimetern pro Jahr von der Erde. Es ist also ein außergewöhnlich glücklicher astronomischer Umstand, dass der Mond für mehrere tausend Generationen der Menschheitsgeschichte die Erde genau in der Entfernung umkreist, die eine "passgenaue" Bedeckung der Sonnenscheibe erlaubt.

Verlauf der Finsternis
 
Ort

Beginn
(MEZ)

Mitte
(MEZ)

Ende
(MEZ)
maximale Verfinsternis
(%)
Berlin 09:39 10:47 11:57 74,2
Hamburg 09.37 10:45 11:55 79,3
Köln 09:30 10:38 11:48 77,3
Stuttgart 09:29 10:37 11:48 71,4
München 09:31 10:39 11:50 67,7
Innsbruck 09:29 10:38 11:49 66,2
Nordatlantik 09:43 ~10:44-10:47 11:50 100,0

 

Zuletzt geändert am:
19.03.2015 16:26:06 Uhr

Kontakte

 

Falk Dambowsky
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Redaktion Luftfahrt

Tel.: +49 2203 601-3959

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Ulrich Köhler
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

DLR-Institut für Planetenforschung

Tel.: +49 30 67055-215

Fax: +49 30 67055-402
Dr.-Ing. Christian Gritzner
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Extraterrestrik

Tel.: +49 228 447-530

Fax: +49 228 447-745