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Landbeobachtung 4.0: Sentinel-2A gestartet

Dienstag, 23. Juni 2015

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    Sentinel-2A-Start

    Am 23. Juni 2015 um 3:52 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (22. Juni 2015; 22:52 Ortszeit) ist der zweite Wächtersatellit im Copernicus-Programm vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou (Französisch-Guyana) gestartet. Eine Vega-Rakete brachte Sentinel-2A auf seine sonnensynchrone Umlaufbahn in 786 Kilometer Höhe.

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    13 Spektralkanäle

    Sentinel-2A und sein baugleicher Bruder Sentinel-2B werden ab Ende 2016 die Erde mit ihrem multispektralen Radiometer in 13 Kanälen kontinuierlich abbilden und auf Veränderungen achten. Der Aufnahmestreifen ist mit 290 Kilometern besonders breit, was eine häufige und großflächige Beobachtung möglich macht. Wenn beide Sentinel-2-Satelliten im Orbit sind, wird jeder Punkt der Landoberfläche alle fünf Tage abgebildet. Dank der vielen Kanäle zwischen 443 (violett) und 2190 Nanometern (kurzwelliges Infrarot) können verschiedene Pflanzen-, Böden- und Gewässereigenschaften unterschieden werden. Das multispektrale Radiometer ist das leistungsfähigste System seiner Art.

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    Sentinel-2A in der Vakuumtestkammer

    Bevor der Wächtersatellit ins All aufgebrochen ist, wurde er zuvor auf Herz und Nieren gecheckt. Bei der Firma IABG in München fanden die Thermal- und Vakuumtests für Sentinel-2A statt. Außerdem gehörten Vibrations- und Schocktests, Akustiktests sowie die Bestimmung der Masseeigenschaften zum umfangreichen Qualifikationsprogramm, dass der Satellit in den Münchner Testanlagen durchlaufen musste.

Wie stark schrumpft der Regenwald? Wie sauber sind Binnengewässer? Wie nährstoffhaltig sind Äcker und wie sollten die Bauern düngen? Wie viele Menschen leben in Städten? Wie viele in ländlichen Regionen? Der Erdbeobachtungssatellit Sentinel-2A, der am 23. Juni 2015 um 3:52 Mitteleuropäischer Sommerzeit (22. Juni 2015, 22:52 Uhr Ortszeit) mit einer Vega-Trägerrakete vom europäischen Raumfahrtzentrum in Kourou (Französisch-Guyana) gestartet ist, hilft Antworten auf diese Fragen zu finden. Er ist der zweite von insgesamt acht Satelliten im Copernicus-Programm der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Der ESA-Teil wird mit einem Drittel von Deutschland finanziert und vom Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreut.

Wächtersatellit macht Jagd auf Kohlenstoffdioxidemissionen

Unsere Erde ist im Umbruch. In der Dekade 2000 bis 2010 wurden jährlich etwa 7,6 Millionen Hektar tropischer Regenwald gefällt. Für die Kohlenstoffdioxid-Emissionen ist allerdings auch die Degradation wichtig, also die Entnahme einzelner Baumriesen oder das Ersetzen von Regenwald durch Sekundärwald. Sentinel-2A und sein baugleicher Bruder Sentinel-2B werden ab Ende 2016 die Waldflächen mit ihrem multispektralen Radiometer in 13 Kanälen kontinuierlich abbilden und auf Veränderungen achten. "Mit Sentinel-2 setzt Europa neue Standards in der optischen Erdbeobachtung. Das multispektrale Radiometer ist das leistungsfähigste System seiner Art", betont der DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Johann-Dietrich Wörner. Der Aufnahmestreifen ist mit 290 Kilometern besonders breit, was eine häufige und großflächige Beobachtung möglich macht. Wenn beide Sentinel-2-Satelliten im Orbit sind, wird jeder Punkt der Landoberfläche alle fünf Tage abgebildet. Dank der vielen Kanäle zwischen 443 (violett) und 2190 Nanometern (kurzwelliges Infrarot) können verschiedene Pflanzen-, Böden- und Gewässereigenschaften unterschieden werden.

Vielfältige Hilfe aus dem All

Doch nicht nur Wälder hat der neue Wächtersatellit im Auge. Seine Instrumente können auch die Qualität von Binnengewässern erkennen. Das erlaubt einen schnellen Überblick über den Erfolg der europäischen Umweltgesetzgebung. Auch Bauern profitieren von den Sentinel-2-Satelliten: Ihre Daten lassen Rückschlüsse auf den Nährstoffgehalt von Äckern zu. Weitergeleitet an einen Computer können diese Daten dann die optimale Dosierung des Düngemittels direkt am Traktor steuern und den Acker vor einer Überdosierung schützen. Auch die Stadtentwicklung lässt sich aus dem polumspannenden Orbit in 786 Kilometern Höhe gut beobachten. Die Sentinel-2-Satelliten sollen so Stadtplanern ihre Arbeit erleichtern.

Datenübertragung mit Lasern

Vor allem für die Unterstützung in Katastrophen und Krisen müssen die Daten sehr bald nach der Aufnahme zur Verfügung stehen. Deshalb ist Sentinel-2A mit einem optischen Datenlink ausgerüstet. Das optische Laser Communication Terminal (LCT) überträgt sehr viel höhere Datenmengen als bislang ohne Zeitverzug über einen geostationären Daten-Relais-Satelliten (EDRS) aus dem Weltraum zur Erde. Das LCT wurde vom DLR Raumfahrtmanagement mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und federführend von der Tesat-Spacecom GmbH entwickelt. "Sentinel-2 steht für zwei Dinge: Den Aufbruch in eine neue Raumfahrt-Technologie und Qualität ‚made in Germany‘. Der Satellit demonstriert eindrucksvoll, wie Hochtechnologie im Weltraum einen Beitrag zu alltäglichen Problemen auf der Erde liefert. Damit ist der optische Datenlink von Sentinel-2 ein Erfolg unserer Raumfahrtpolitik", sagt Dr. Gerd Gruppe, als DLR-Vorstand zuständig für das Raumfahrtmanagement.

Deutsche Beiträge

Die ESA hat für die Entwicklung der beiden Sentinel-2-Satelliten 339 Millionen Euro investiert. Deutschland ist mit gut 32 Prozent an diesen Entwicklungen beteiligt. Hauptauftragnehmer für den Bau von Sentinel-2A ist Airbus Defence & Space in Friedrichshafen, wo auch die Satellitenplattform gefertigt wurde. Der Satellit wurde bei IABG AG in München zusammengesetzt und getestet. Wichtige Bauteile des Instruments und der Plattform wurden bei verschiedenen Unternehmen in Deutschland hergestellt - zum Beispiel bei der Jena-Optronik GmbH und der ZARM Technik AG. Die Technologie für die optische Datenübertragung im Weltraum wurde im Auftrag des DLR von der Firma Tesat Spacecom in Backnang entwickelt und gebaut. Das DLR Raumfahrtmanagement betreut im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die entsprechenden ESA-Programme.

  • Das Copernicus-Programm von EU und ESA

    EU und ESA schaffen mit Copernicus - ehemals Global Monitoring for Environment and Security (GMES) - eine leistungsfähige und nachhaltige Erdbeobachtungsinfrastruktur für Europa. Die EU betreibt mit dem Programm satellitengestützte Informationsdienste für Erdoberflächen, Ozeane, Atmosphäre, Katastrophenmanagement, Klimawandel und Sicherheit. Grundlage dieser Dienste sind sechs Satellitenfamilien, die so genannten Sentinels - zu Deutsch "Wächter". Sie werden von der ESA im Programm "GMES Space Component" (GSC) entwickelt und im Auftrag der EU betrieben. In den nächsten Jahren folgen mit Sentinel-2 und Sentinel-3 weitere wichtige Meilensteine im Aufbau der Copernicus Weltraumkomponente. Gegen Ende dieses Jahrzehnts sollen die Missionen Sentinel-4, -5 und -6 starten. In Copernicus werden auch Satellitendaten von Dritten einbezogen, so Daten der deutschen Satelliten TerraSAR-X, TanDEM-X und RapidEye. Die Sentinels ergänzen die aktuellen Satellitenmissionen zum weltweit umfassendsten und leistungsfähigsten zivilen Erdbeobachtungssystem aus dem All.

Zuletzt geändert am:
24.06.2015 11:46:43 Uhr

Kontakte

 

Martin Fleischmann
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Kommunikation

Tel.: +49 228 447-120

Fax: +49 228 447-386
Dr. Jörn Hoffmann
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Erdbeobachtung

Tel.: +49 228 447-269

Fax: +49 228 447-747