Meteorit "Cloppenburg" ist viereinhalb Milliarden Jahre alt

Der Cloppenburg-Meteorit

Mittwoch, 18. Oktober 2017

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    Der Cloppenburg-Meteorit

    Im März 2017 wurde in der Nähe der niedersächsischen Stadt Cloppenburg ein 142 Gramm schwerer Meteorit gefunden. Er ist jetzt offiziell im Meteoritical Bulletin, dem weltweiten Katalog aller Meteoriten, als "Cloppenburg" aufgenommen worden. Auf seiner "Oberseite" ist seine Schmelzkruste zu sehen, die während des Flugs als Meteor durch die Hochatmosphäre durch die enorm hohe Reibungshitze entstanden ist.

  • Spuren vom Hochgeschwindigkeitsflug durch die Atmosphäre
    Spuren vom Hochgeschwindigkeitsflug durch die Atmosphäre

    Obwohl der Cloppenburg-Meteorit vermutlich schon einige Jahrzehnte auf der Erde weilt und deutliche Spuren der Verwitterung zeigt, ist er als Meteorit an seiner Schmelzkruste oder, wie hier auf der "Unterseite" zu sehen, seiner Fragmentierung zu erkennen. Täglich sammelt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne zwischen 100 und 200 Tonnen Staub und kleine Gesteinsbrocken auf. Nur ein winziger Bruchteil davon erreicht als Meteorit die Erde. Ein Fund wie "Cloppenburg" ist für die Wissenschaft ein ausgesprochener Glücksfall.

  • Hartmut Osterburg an der Fundstelle
    Hartmut Osterburg an der Fundstelle

    Im März 2017 fiel Hartmut Osterburg auf einem Steinwall an einem Feldrain im niedersächsischen Cloppenburg ein ungewöhnlich aussehender Stein auf: ein Stück Urmaterie des Sonnensystems - ein Besucher aus dem Weltraum, wie sich später herausstellen sollte.

  • Bisher acht Meteoritenfunde in Niedersachsen
    Bisher acht Meteoritenfunde in Niedersachsen

    Im Land Niedersachsen sind bislang acht Fälle von Meteoriten dokumentiert. In dieser Karte rot eingezeichnet sind Fälle, die von Augenzeugen beobachtet und anschließend gezielt gesucht wurden. In Blau dargestellt sind Zufallsfunde, zu denen auch "Cloppenburg" gehört. Der Meteorit sorgte für einiges Aufsehen in der Fachwelt, denn, wie aus der Karte ersichtlich, wurden in der Umgebung Cloppenburgs auch schon andere Meteorite gefunden: im Jahr 1930 die zwei Bruchstücke des damals beobachteten "Oldenburg"-Meteoriten bei Beverbruch und Bissel und etwa im Jahr 1945 der Chondrit von Benthullen. Da es sich allerdings um jeweils unterschiedliche Meteoritentypen handelt, ist ein Zusammenhang eher unwahrscheinlich und die Häufung vermutlich ein Zufall.

  • Im März 2017 wurde ein 142 Gramm schwerer Gesteinsmeteorit im niedersächsischen Cloppenburg gefunden.
  • Der Meteorit "Cloppenburg" ist der 49. in Deutschland gefundene Meteorit und wird bei der "Munich Show", den Münchner Mineralientagen, vom 27. bis 29. Oktober 2017 zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.
  • Schwerpunkt(e): Raumfahrt

Rund 200 Meldungen zu vermeintlichen Meteoritenfunden gehen pro Jahr beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein. Doch nur etwa alle zehn Jahre ist ein echter Meteorit unter den eingesandten Proben. Der Cloppenburger Hartmut Osterburg hatte Glück, er entdeckte im März dieses Jahres einen seltsam aussehenden Stein an einem Feldrain und übergab ihn an das DLR. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigte sich die außerirdische Herkunft des Steins. "Ein extrem seltener Fund - ein weiterer wichtiger Zeuge aus der Frühzeit des Sonnensystems", sagt Professor Jürgen Oberst, Leiter der Abteilung Planetengeodäsie des DLR-Instituts für Planetenforschung.

Wissenschaftliche Analyse des Fundes

Einen Meteoriten zu erkennen, ist nicht einfach. Je länger er auf der Erde liegt, desto größer sind die Verwitterungserscheinungen. Nach einiger Zeit sieht er rostbraun und unscheinbar aus. Der vermeintliche "Stein", den Hartmut Osterburg gefunden hatte, war mit einem Durchmesser von 8,5 Zentimetern erstaunlich schwer für seine geringe Größe, außerdem reagierte er magnetisch. Dies sind erste Indikatoren für einen Meteoriten. Nachdem Osterberg seinen Fund beim DLR gemeldet hatte, leitete der Meteoritenexperte Dieter Heinlein, der das DLR-Feuerkugelnetz betreut, das Fundstück an Professor Addi Bischoff am Institut für Planetologie an der Uni Münster weiter. Dort wurde der Fund eingehend im Labor studiert. Die Wissenschaftler untersuchten Feinschliffe unter dem Mikroskop, um die Struktur zu erkennen und zu prüfen. Darüber hinaus führten sie eine Analyse der chemischen Komponenten durch. Dr. Silke Merchel vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf bestimmte mit Hilfe radioisotopischer Messungen das Alter des Steins. Das Ergebnis: viereinhalb Milliarden Jahre. So konnte schließlich von offizieller Stelle bestätigt werden, dass es sich um echte Urmaterie aus der frühesten Zeit des Sonnensystems handelt.

Besucher aus dem Weltall

Der untersuchte Meteorit ist ein sogenannter gewöhnlicher Chondrit vom Typ H4-5. Chondriten sind die größte Meteoritenklasse. Namensgeber sind kleine, aus Silikatmineralen bestehende Kügelchen, die Chondren, die in einer feinkörnigen Matrix des Gesteins eingebettet sind. Das "H" steht für den hohen Eisenanteil, der sich auch in der Dichte des Meteoriten von 3,33 Gramm pro Kubikzentimeter widerspiegelt. Was genau ihn aus seiner Bahn geworfen und wann es ihn nach Cloppenburg verschlagen hat, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Die stark verwitterte Schmelzkruste zeigt, dass sein Fall auf die Erde schon etliche Jahrzehnte zurück liegen muss.

Wie die meisten Meteorite stammt er höchstwahrscheinlich aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, in dem hunderttausende Gesteins- und Metallbrocken kreisen. Durch Zusammenstöße oder Schwerkrafteinflüsse gelangen immer wieder Körper aus dem Gürtel auf Kollisionskurs mit den inneren Planeten. Dringen sie als Meteoroide in die Erdatmosphäre ein, ist die Leuchtspur ihres glühend heißen Luftkanals als Meteor am Himmel zu sehen. Dabei verliert der kosmische Eindringling einen Großteil seiner Masse. Nur wenn der Körper tatsächlich den Boden erreicht, bezeichnen die Fachleute ihn als Meteoriten.

Kostprobe von einem Asteroiden

"Meteorite sind für die Planetenforschung von großer Bedeutung", erklärt Oberst. "Es sind quasi kostenlos gelieferte Proben von Asteroiden. Aus der Untersuchung von Meteoriten können wir immer noch etwas lernen über die Vorgänge im Sonnensystem zur Zeit der Planetenentstehung vor 4,5 Milliarden Jahren. Auf der Erde sind diese Spuren längst durch geologische Prozesse verwischt", ergänzt der Wissenschaftler. Jährlich dringen etwa vierzig- bis achtzigtausend Tonnen Meteorite und Staubfragmente in die Erdatmosphäre ein, aber der überwiegende Teil verglüht in der Hochatmosphäre.

Kleine Berühmtheit

Der Fund von Osterburg wurde mit dem Namen "Cloppenburg" als 49. in Deutschland gefundener Meteorit offiziell anerkannt und ins Meteoritical Bulletin, der weltweiten Datenbank für registrierte Meteorite, eingetragen. Im Bundesland Niedersachsen gibt es nun acht anerkannte und wissenschaftlich untersuchte Meteorite - vier beobachtete Meteoritenfälle und vier Zufallsfunde. Auch in der Umgebung Cloppenburgs wurden schon andere Meteorite gefunden: im Jahr 1930 die zwei Bruchstücke des sogenannten Oldenburg-Meteoriten (bei Beverbruch und Bissel) und etwa im Jahr 1945 der Chondrit von Benthullen. Bei den Untersuchungen von "Cloppenburg" wurde unter anderem geprüft, ob es Zusammenhänge zwischen diesen drei Meteoriten gibt. Da es sich allerdings um jeweils unterschiedliche Meteoritentypen handelt, ist ein Zusammenhang eher unwahrscheinlich und die Häufung vermutlich ein Zufall. Der 142 Gramm schwere Steinfund macht die Stadt Cloppenburg in der Meteoriten-Fachwelt international bekannt. Der Cloppenburg-Meteorit wird auf der Münchner Mineralienmesse, der "Munich Show", vom 27. bis 29. Oktober 2017 erstmals öffentlich ausgestellt, zusammen mit den anderen, zwischen Oldenburg und Cloppenburg gefundenen Steinmeteoriten.

Das DLR-Feuerkugelnetz

Die Chance eines zufälligen Fundes in Deutschland ist, Heinlein zufolge, extrem gering: "... fast wie ein Sechser im Lotto". Um nicht auf solche Zufälle angewiesen zu sein und um die seltenen Meteoritenfälle identifizieren und rekonstruieren zu können, betreibt das DLR gemeinsam mit dem bei Prag gelegenen Observatorium Ondrejov bereits seit mehr als 20 Jahren ein Netzwerk von 25 Kamerastationen in Deutschland, der Tschechischen Republik, Belgien, Luxemburg und Österreich: das Europäische Feuerkugelnetzwerk.

Die Kameras sind im Abstand von etwa 100 Kilometer aufgestellt und decken eine Fläche von ungefähr einer Million Quadratkilometer ab. Jede Nacht wird - bei klarem oder leicht bewölktem Himmel - eine Aufnahme mit langer Belichtungszeit gemacht. Die hellen Meteore erkennt man dann als Lichtspur auf den Aufnahmen. Wenn Beobachtungen eines Meteors von mehreren Stationen zur Verfügung stehen, können die Flugbahn und mögliche Landepunkte eines potentiellen Meteoriten bestimmt werden. So konnten in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland zwei Meteoritenfälle beobachtet und die zugehörigen Meteoritenfragmente aufgespürt werden - "Neuschwanstein" und "Stubenberg".

Die Europäische Weltraumagentur ESA unterstützt die Arbeit des Feuerkugelnetzes im Rahmen des sogenannten "Space Situation Awareness Program". Im Auftrag der ESA arbeitet das DLR an der Digitalisierung von über 1500 Aufnahmen von archivierten Meteor-Ereignissen der vergangenen Jahre sowie an der Erstellung eines Katalogs. Ein weiterer Schwerpunkt der Aufgaben besteht in Versuchsreihen zu Meteorbeobachtungen mit modernen digitalen Kameras. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Geodäsie und Geoinformation der Technischen Universität Berlin durchgeführt. Zwei Kamera- Prototypen sind derzeit im Einsatz, die den Himmel über Berlin überwachen und automatisch Meteor-Ereignisse melden.

Zuletzt geändert am:
18.10.2017 14:35:16 Uhr

Kontakte

 

Julia Heil
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Berlin und Neustrelitz

Tel.: +49 30 67055-9639
Prof. Jürgen Oberst
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Planetenforschung, Planetengeodäsie

Tel.: +49 30 67055-336

Fax: +49 30 67055-402
Dieter Heinlein
Europäisches Feuerkugelnetzwerk

Tel.: +49 821 443-313