Forschung und Entwicklung bieten Lösungen für ein nachhaltiges Energiesystem - Offener Brief an die Ethikkommission

Montag, 16. Mai 2011

Energieforscher möchten, können und müssen wichtige Beiträge zum ehrgeizigen Umbau des Energiesystems leisten. In einem offenen Brief regen Prof. Ulrich Wagner vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Harald Bolt vom Forschungszentrum Jülich und Dr. Peter Fritz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bei der Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" an,  Ergebnisse und Konzepte der Energieforscher stärker zu nutzen:

Sehr geehrter Herr Prof. Töpfer, sehr geehrter Herr Prof. Kleiner,

die Bundesregierung sucht aktuell nach einem konsensfähigen Weg, das Energiesystem Deutschlands sicher, umweltfreundlich und sozialverträglich zu gestalten. Dieser Weg soll gesellschaftlich breit mitgetragen werden und ökonomisch akzeptabel sein, damit er allen Akteuren eine verlässliche Basis und Richtschnur bietet. Die Ethikkommission hat in diesem Kontext die wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe, die Risiken der Kernenergienutzung in Deutschland neu abzuwägen.

Der Umbau des deutschen Energiesystems hin zur Nachhaltigkeit ist eine Aufgabe von großem Umfang und jahrzehntelanger Dauer. Er beinhaltet Risiken und bietet große Chancen. Er bedarf der Organisation durch die Politik unter intensiver Mitwirkung von Gesellschaft und Wirtschaft. Neben den ökonomischen Rahmenbedingungen und der gesellschaftlichen Akzeptanz bestimmen die technischen Möglichkeiten und der wissenschaftliche Fortschritt die Geschwindigkeit dieses Umbaus.

Werden nun aufgrund einer Neubewertung der Risiken von Energietechniken die deutschen Kernkraftwerke schneller stillgelegt als geplant, so hat dies natürlich Konsequenzen für die Anstrengungen zum Umbau des Systems. Durch "Business as usual" auf der Basis heutiger Rahmenbedingungen und heute verfügbarer Techniken sind die ambitionierten Ziele nicht zu erreichen.

Wir benötigen dafür

  • zusätzliche Maßnahmen zum schnellen und breiten Einsatz von heute verfügbaren nachhaltigen Energietechnologien und
  • eine höhere Innovationsgeschwindigkeit in der Energietechnik durch die Intensivierung öffentlicher wie privater Forschung.

Die notwendigen operativen Maßnahmen kann die Politik nur umsetzen, wenn sie auf einer breiten Basis von der Gesellschaft unterstützt werden. Die Bevölkerung muss frühzeitig einbezogen werden, Ziele und einzelne Maßnahmen müssen gut vermittelt und begründet werden. Zudem sollten stabile energiepolitische Rahmenbedingungen Planungssicherheit bieten und Investitionen anregen, die den Zielen dienen.

Auch die Intensivierung der Forschung als strategische Aktivität muss den energiepolitischen Zielen entsprechen. Sie muss also helfen, Techniken für eine nachhaltige Energieversorgung zu entwickeln und hinsichtlich Effizienz und Kosten zu optimieren. Die Intensivierung sollte die gesamte Innovationskette mit ihren unterschiedlichen Zeithorizonten abdecken. Damit Innovationen schnell in der Praxis umgesetzt werden können, sollte die Zusammenarbeit öffentlicher Forschung mit der Industrie verstärkt werden. Zugleich muss die zielgerichtete Grundlagenforschung erweitert werden, aus der sich neue Impulse und Optionen ergeben werden.

Die Helmholtz-Energieforschung steht mit ihren vielfältigen Kompe¬ten¬zen bereit, engagiert und umfassend zu dem sich über Jahrzehnte erstreckenden, sehr ehrgeizigen Arbeitsprogramm des Umbaus des Energiesystems beizutragen. Wir bieten Fortschritte in der Technikentwicklung an, um den Innovationsprozess zu beschleunigen und der Politik wie der Gesellschaft zu helfen, die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Zugleich stehen die Forscher der Helmholtz-Gemeinschaft bereit, als systemisch denkende Berater die strategische Planung beim Umbau des Energiesystems, einschließlich seiner sozialen Dimension, tatkräftig zu unterstützen.

Die Energievorstände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Forschungszentrums Jülich und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)

Prof. Ulrich Wagner                                  Prof. Harald Bolt                              Dr. Peter Fritz

Köln, Jülich, Karlsruhe  im Mai 2011

Zuletzt geändert am: 05.07.2011 13:48:49 Uhr

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Kontakte

Dorothee Bürkle
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Redaktion Energie, Verkehr

Tel.: +49 2203 601-3492

Fax: +49 2203 601-3249

Parabolspiegel einer Versuchsanlage

Parabolspiegel einer Versuchsanlage in Almeria

Parabolspiegel einer Versuchsanlage auf der Plataforma Solar in Almeria/Spanien. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testet und optimiert auf dem über 100 Hektar großen Gelände verschiedene Hochtemperatur-Solartechnologien unter praxisnahen Bedingungen.

Links

  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
    (http://www.kit.edu/)
  • Forschungszentrum Jülich
    (http://www.fz-juelich.de/)