Fliegender Hubschrauber Simulator (ACT/FHS) mit Fly-by-Light- und Fly-by-Wire-Steuerung
Durch sein optisches und elektronisches Steuerrungssystem kann der FHS das Flugverhalten anderer Hubschrauber simulieren.
Quelle: DLR (CC-BY 3.0).
FHS bei einem Flug in Braunschweig
Der "Fliegende Hubschrauber-Simulator" ACT/FHS des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bei einem Flug im Oktober 2009.
Quelle: DLR/Marek Kruszewski.
Kurz vor dem Start
Der Forschungshubschrauber FHS des DLR.
Im Cockpit
Ian Phillis von der Empire Test Pilot School (links) und Uwe Göhmann vom DLR sind bereit für den Flug.
Modulares Experimentalsystem im Innern des DLR-Forschungshubschraubers FHS
FHS (Fliegender Hubschrauber Simulator) ist mit einem modularen Experimentalsystem ausgestattet. Das System besteht neben dem Bordrechner aus einer umfangreichen Sensorausrüstung.
Cockpit des Fliegenden Hubschrauber Simulator EC 135 ACT/FHS
Das Cockpit wurde für die Arbeitsplätze eines Sicherheitspiloten (links) und eines Versuchspiloten (rechts) modifiziert. Das mechanische Steuerungssystem wurde durch ein elektrisches und optisches (Fly-by-Wire/Fly-by-Light) Primärsteuersystem ersetzt, das höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt. Zusätzlich ist noch ein mechanisches Notsteuersystem vorhanden.
Der "Fliegende Hubschrauber-Simulator" ACT/FHS des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) basiert auf einem Serienhubschrauber des Typs Eurocopter EC 135, der für die Verwendung als Forschungs- und Versuchsgerät erheblich modifiziert wurde. Die mechanische Steuerung wurde zum Beispiel durch eine Fly-by-Wire-/Fly-by-Light-Steuerung (FBW/FBL) ersetzt. Statt Steuerstangen übertragen nun elektrische Kabel und Glasfaser-Lichtleitkabel die Steuerkommandos.
Das Einsatzspektrum des FHS umfasst die Ausbildung von Piloten, die Erprobung neuer Steuerungs- und Reglungssysteme bis hin zur Simulation des Flugverhaltens anderer Hubschrauber unter realen Umgebungsbedingungen. Serienmäßig ist der FHS mit zwei Triebwerken, einem lagerlosen Hauptrotor und einem Fenestron-Heckrotor ausgestattet; er zeichnet sich durch einen besonders leisen Betrieb, hohe Beweglichkeit und Sicherheit aus.
Die Fly-by-Light-Steuerung ist ein bahnbrechend neues System, bei dem im Gegensatz zu Fly-by-Wire die Steuersignale zwischen den Bedienelementen, dem Flugführungsrechner und den Stellantrieben für die Rotorblattsteuerung nicht elektrisch, sondern optisch über Lichtwellenleiter übertragen werden.
Die Vorteile gegenüber der elektrischen Datenübertragung liegen in der hohen Übertragungsbandbreite, der großen Betriebszuverlässigkeit sowie in einem geringen Gewicht. Das Fly-by-Light-Steuerungssystem besteht aus einem vierfach redundanten Rechner und ist so ausgelegt, dass die hohen Sicherheitskriterien der europäischen Luftfahrtbehörden voll erfüllt werden.
FHS ist weltweit der erste Hubschrauber mit diesem Steuerungssystem. Die Cockpitgestaltung sieht Plätze für einen Sicherheitspiloten, den Versuchspiloten und den Flugversuchsingenieur vor. Eine umfangreiche Ausrüstung mit Sensoren und Anlagen zur Datenaufzeichnung und -verarbeitung an Bord dient der Aufzeichnung der Daten aus den Flugversuchen. Diese stehen den Nutzern und Ingenieuren für die Analyse sowohl an Bord als auch - über Telemetrie - am Boden zur Verfügung.
Modifikationen
Der FHS unterscheidet sich vom Standard Eurocopter EC 135 Hubschrauber durch folgende Modifikationen:
Der Umbau zum ACT/FHS wurde in enger Kooperation von Eurocopter Deutschland (ECD), Liebherr Aerospace Lindenberg (LLI), dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) sowie dem DLR geplant und realisiert.
Missionen - Forschungsschwerpunkte
Der leistungsfähige Hubschrauber ACT/FHS wird für folgende Forschungsversuche und Anwendungen genutzt:
Entwicklung einer Flugsteuerungssoftware, die die Arbeitsbelastung des Piloten in schwierigen Flugsituationen deutlich verringert und gleichzeitig eine intuitive Steuerung des Hubschraubers beibehält. Insbesondere liegt der Fokus auf Flug, Start und Landung unter erschwerten Bedingungen, wie Start- und Landeplätze mit Hindernissen und eingeschränkten Sichtverhältnissen. Dabei steuert der Versuchspilot den Hubschrauber über das vom DLR entwickelte Experimental-System, während der Sicherheitspilot die Manöver überwacht.
Das Experimentalsystem ist ein modular aufgebautes Mehrzwecksystem, dessen Sicherheitskonzept so aufgebaut ist, dass neue, auch nicht voll ausgetestete Technologien überprüft und ausgewertet werden können, bevor ihre Entwicklung abgeschlossen ist.
Weitere Einsatzgebiete sind:
Technische Daten
Eurocopter EC 135 ACT/FHS
Zuletzt geändert am:27.09.2012 15:05:21 Uhr