Windkanäle, Luftverkehr und Forschungsflieger - Faszination Luftfahrt am Tag der Luft- und Raumfahrt beim DLR

Donnerstag, 1. September 2011

Wer schon immer mal wissen wollte, wie eigentlich ein Brennkammer-Prüfstand von innen aussieht, wie ein Windkanal funktioniert oder wie groß der Airbus A380 wirklich ist, sollte am 18. September 2011 zum Tag der Luft- und Raumfahrt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nach Köln-Porz kommen. Erlebbare Forschung gibt es auch auf den Austellungsflächen am Flughafen zu bestaunen: Neben DLR-Forschungsfliegern wie dem A320 ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) und dem Fliegenden Hubschrauber Simulator FHS ist auch die Flugzeug-Sternwarte SOFIA, eine Boeing 747 mit einem im Flugzeugheck installierten Infrarot-Teleskop, zu Gast in Köln. Unter der Schirmherrschaft von Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler präsentieren das DLR und die Europäische Weltraumorganisation ESA mit dem Europäischen Astronautenzentrum (EAC) am elften Tag der Luft- und Raumfahrt spannende Forschungsprojekte aus Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr.

Forschung an Hochdruck-Brennkammer-Prüfständen und Miniatur-Windkanälen

Das DLR-Institut für Antriebstechnik präsentiert zwei Kleintriebwerke und zeigt den Besuchern die Entwicklung der Flugzeugtriebwerke in den letzten Jahren mit einem Ausblick in die Zukunft. Zusätzlich können Interessierte den Hochdruck-Brennkammer-Prüfstand HBK-1 besichtigen. Wissenschaftler erforschen hier schadstoffarme Brennkammern für Luftfahrtantriebe. Auch die kleinen Forscher kommen nicht zu kurz: In Miniatur-Windkanälen können Kinder die Kraft der Luftströmung praktisch erfahren und so spielerisch etwas über Auftrieb und Widerstand von Flügel- und Schaufelprofilen lernen. Mit Hilfe einer iPad-App können sie zusätzlich die Effekte auf die Strömung direkt am Bildschirm beeinflussen und sichtbar machen.

Flugverkehr am Flughafen

Mit dem DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr können die Besucher den Luftverkehr über Deutschland und im Umfeld des Kölner Flughafens live erleben. Gemeinsam mit der Deutschen Flugsicherung DFS und dem Flughafen Köln/Bonn präsentiert das DLR den Luftverkehr auf mehreren Großbildschirmen: Webcams am Flughafen Köln/Bonn zeigen live das Geschehen am Terminal und auf der Landebahn. Gleichzeitig werden die Flugbewegungen deutschlandweit mit Hilfe der Radar-Daten der DFS abgebildet.
Zusätzlich können sich die Besucher eine App für ihr Handy herunterladen, die sie zu einzelnen Punkten auf dem Gelände navigiert. Diese Anwendung wurde für den Einsatz im Flughafen-Terminal entwickelt , um Reisenden den Weg zu ihren Check-In-Schaltern oder anderen wichtigen Punkten im Flughafen zu weisen.

Staustrahltriebwerke für hohe Geschwindigkeiten

In vier bis fünf Stunden nach Australien fliegen? Möglich ist das mit einem visionären Hochgeschwindigkeits-Transportvehikel. Dessen Hauptkomponente, das Triebwerk, wird auch von den DLR-Wissenschaftlern des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik in den Über- und Hyperschallwindkanälen erforscht. Da bei diesen hohen Geschwindigkeiten konventionelle Flugzeugtriebwerke versagen, sind so genannte Staustrahltriebwerke heiße Kandidaten. Diese Triebwerke bremsen die aufgefangene Luft verlustarm ab und verdichten diese - ganz ohne rotierende Teile. In der Abteilung Über- und Hyperschalltechnologie werden kritische Komponenten dieses Triebwerktyps ausgelegt und charakterisiert. Am Tag der Luft- und Raumfahrt wird den Besuchern in den Windkanälen die Forschung anhand von Exponaten zu Staustrahltriebwerksuntersuchungen, Windkanalmodellen und Postern näher gebracht.

Untersuchungen im Kryo-Kanal

Im KKK (Kryo-Kanal-Köln) wurden schon Modelle des A380 untersucht - am Tag der Luft- und Raumfahrt bekommen die Besucher ein Alpha Jet Modell zu sehen. Mit bis zu Mach 0,42 (über 500 Kilometer pro Stunde) werden hier ganze Modelle, Halbmodelle oder Flügelprofile unter Wind gesetzt. DLR-Forscher messen mit Hilfe des Kryo-Kanals Drücke und Kräfte, die aus Strömungen entstehen, und erhalten so Informationen über Auftrieb und Widerstand. Das Besondere an diesem Windkanal: Bei Messungen herrschen hier frostige Temperaturen von minus 183 Grad Celsius. Diese niedrigen Temperaturen werden mit Hilfe von Stickstoff erreicht. Sie sind notwendig, da im Kryo-Kanal Flugzeuge nicht in Originalgröße getestet werden, sondern verkleinerte Modelle. Deshalb müssen die Wissenschaftler auch die Bedingungen der Umgebungsluft an die Größe des jeweiligen Untersuchungsobjekts anpassen. So senkt man durch Kühlung die Viskosität der Luft und erhöht dadurch gleichzeitig die Luftdichte.

Hubschrauber und Flugzeuge

Der Fliegende Hubschrauber Simulator FHS

Der "Fliegende Hubschrauber Simulator" ACT/FHS des DLR basiert auf einem Serienhubschrauber des Typs Eurocopter EC 135. Für die Verwendung als Forschungs- und Versuchsgerät wurde der Hubschrauber erheblich modifiziert. Neben der experimentellen Messausrüstung zeichnet sich der Hubschrauber vor allem durch seine einzigartige Fly-by-Wire/Light (FBW) Steuerung aus. FBW bedeutet, dass anstelle der Steuerstangen elektrische Kabel und Glasfaser-Lichtleitkabel die Steuerkommandos übertragen. Im Cockpit ersetzen seit 2009 zwei aktive Sidesticks die Steuerelemente: Diese Joystick-ähnlichen Sticks geben dem Piloten Rückmeldung über das Flugverhalten. Das Einsatzspektrum des FHS ist vielfältig: Das DLR unterstützt mit ihm die Ausbildung von Testpiloten, und DLR-Wissenschaftler erproben neue Steuerungs- und Reglungssysteme oder simulieren das Flugverhalten anderer Hubschrauber unter realen Umgebungsbedingungen.

35 Jahre Spitzenforschung: „Vulcano Ash Hunter“ Dassault Falcon 20E „D-CMET“

Die Dassault Falcon 20E „D-CMET“ ist für den Forschungseinsatz beim DLR stark modifiziert worden und wird hauptsächlich zur Atmosphärenforschung eingesetzt. Internationale Forscherteams messen Spurengase und Aerosole direkt an Bord und sammeln Luftproben, die anschließend im Labor analysiert werden. Ob Spitzbergen, Grönland, Tropen oder Südspitze Amerikas – der Einsatz für die Wissenschaft hat das Forschungsflugzeug Dassault Falcon 20E schon an die unterschiedlichsten Plätzen der Welt geführt. Seit 35 Jahren fliegt die Falcon für das DLR. In dieser Zeit hat sie zur Klärung vieler Fragen der Atmosphärenforschung beigetragen und sich weltweit etabliert. Die wohl bekanntesten Flüge führte das DLR im April 2010 durch, als der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjalla große Teile des Luftverkehr über Europa zum Erliegen brachte. In Rekordzeit wurde die Falcon umgerüstet und für den Einsatz über Island, England und  Deutschland zugelassen. Als einziges Flugzeug am Himmel machte sich die Falcon zu mehreren Messflügen auf. Der zweistrahlige Jet basiert auf einem Geschäftsreiseflugzeug der französischen Firma Dassault und fliegt in Höhen bis zu 12.800 Meter.

Der fliegende Verwandlungskünstler VFW 614 ATTAS

Seit 25 Jahren ist ATTAS (Advanced Technologies Testing Aircraft System) als "Verwandlungskünstler" unterwegs und somit ein Stück Luftfahrtgeschichte. Gleichzeitig ebnet das Versuchsflugzeug mit seinen besonderen Fähigkeiten auch den Flugzeugen von Morgen den Weg. ATTAS wurde hauptsächlich als "fliegender Simulator" konzipiert, um das Flugverhalten anderer - real existierender oder virtueller - Flugzeuge zu simulieren. Die VFW 614 hat dazu neben der mechanisch-hydraulischen Steuerung eine elektrohydraulische, digitale Fly-by-Wire-Steuerung. Eine bordseitige Messanlage ermöglicht die Aufzeichnung und Darstellung der Daten von Strömungs- und Beschleunigungssensoren sowie Avionik- und Luftdaten aus dem FbW-Steuerungssystem und zusätzlicher Daten aus dem Bordrechner. ATTAS ist beispielsweise in der Lage, einen Einflug in eine Wirbelschleppe oder eine so genannte Nurflüglerkonfiguration, also ein Flugzeug, dessen Rumpf auch gleichzeitig der Flügel ist, risikolos zu simulieren. ATTAS ist heute das weltweit letzte fliegende Exemplar der VFW 614.

Das größte Mitglied der DLR-Forschungsflotte: Airbus A320-232 ATRA

ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) ist das größte Mitglied der DLR-Forschungsflotte und stellt eine einzigartige Forschungsplattform dar. Dieser Airbus A320 bietet im Format eines Airliners ein breites Nutzungsspektrum von der reinen Grundlagenforschung bis hin zu Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der europäischen Luftfahrtindustrie. Die maximale Variabilität als primäres Ziel des ATRA ermöglicht die anwendungsnahe Erforschung unterschiedlichster Disziplinen. Diese Forschungsthemen reichen von komfort- und sicherheitsfokussierten Kabinen und Systemen über Aerodynamik, Avionik und Kommunikation bis hin zu innovativen Flugzeug-Strukturen und -Materialien. Das DLR und seine Partner erschließen mit dem ATRA neue Möglichkeiten der kommerziell verfügbaren Luftfahrtforschung. Mittelfristig sind daraus wegweisende Innovationen zu erwarten, welche in der praktischen Anwendung langfristig zur Festigung der weltweiten Marktposition der europäischen Luftfahrtindustrie beitragen.

Der fliegende Hörsaal: Die Cessna 208B Grand Caravan

Die Cessna 208B Grand Caravan ist die kleinste Maschine des DLR-Flugbetriebs in Oberpfaffenhofen. Das einmotorige Turboprop-Flugzeug wird vom DLR hauptsächlich zur Fernerkundung eingesetzt und eignet sich besonders für Kameraflüge, wie zum Beispiel mit der vom DLR betriebenen hochauflösenden Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera), die auch für Weltraummissionen genutzt wird. Durch ihre leichte, aber robuste Bauart eignet sie sich für vielfältige Forschungseinsätze mit kleineren Instrumentenpaketen. Die Cessna 208B wurde 2006 zum fliegenden Hörsaal umgebaut und mit einem turbulenzfähigen meteorologischen Messsystem, das sich unterhalb der Tragflächen befindet, ausgestattet. Die Cessna bietet seitdem sieben individuelle Messplätze für Studenten der Luft- und Raumfahrt.

Airbus A380 und A300 Zero-G und Flugzeuge der Bundeswehr

Neben den DLR-Forschungsflugzeugen können die Besucher auf dem Gelände des Kölner Flughafens viele weitere Flugzeuge besichtigen: Neben dem Parabelflugzeug Airbus A300 ZERO-G können ebenfalls der Airbus A380 und die Boeing 747 SOFIA besichtigt werden. Auch die Luftwaffe als Partner des Tags der Luft- und Raumfahrt beteiligt sich mit Flugzeugen, so dem ECR Tornado, der F4 Phantom und dem Eurofighter sowie einer Transall C160 und dem Airbus A310 MedEvac, der bereits für internationale Hilfsmissionen im Einsatz war. Zum ersten Mal in der Öffentlichkeit werden die beiden Airbus A340 der Flugbereitschaft der Bundeswehr gezeigt.

Mitveranstalter des Tags der Luft- und Raumfahrt sind der Flughafen Köln-Bonn, die Luftwaffe sowie die ESA mit dem EAC. Medienpartner sind der WDR, der Kölner Stadt-Anzeiger und der Kölner Express sowie die Flugrevue und der Aerokurier.

Der Tag der Luft- und Raumfahrt findet am 18. September von 10 bis 18 Uhr beim DLR in Köln-Porz statt. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Sonderseite.

Medienvertreter können sich zum "Tag der Luft- und Raumfahrt" über das Akkreditierungsformular anmelden. Der Eintritt zu allen Angeboten der Zentralveranstaltung ist frei.

Zuletzt geändert am: 14.09.2011 10:50:09 Uhr

URL dieses Artikels

  • http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10204/296_read-1418/year-all/296_page-3/

Kontakte

Andreas Schütz
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Pressesprecher

Tel.: +49 171 3126-466
Lena Fuhrmann
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Redaktion Luftfahrt

Tel.: +49 2203 601-3881

Fax: +49 2203 601-3249
Hans-Leo Richter
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation

Tel.: +49 2203 601-2425

Fax: +49 2203 601-3249

Flugzeug am Flughafen Köln/Bonn

Mit dem DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr können die Besucher den Luftverkehr über Deutschland und im Umfeld des Kölner Flughafens live erleben. Gemeinsam mit der Deutschen Flugsicherung DFS und dem Flughafen Köln/Bonn präsentiert das DLR den Luftverkehr auf mehreren Großbildschirmen: Webcams am Flughafen Köln/Bonn zeigen live das Geschehen am Terminal und auf der Landebahn. Gleichzeitig werden die Flugbewegungen deutschlandweit mit Hilfe der Radar-Daten der DFS abgebildet.

Windkanalmodell

Windkanalmodell des Einlaufs für ein luftatmendes Staustrahltriebwerk.

Optisch zugängliche Brennkammer

Die Besucher des Tags der Luft- und Raumfahrt des DLR können den Hochdruck-Brennkammer-Prüfstand HBK-1 besichtigen. Wissenschaftler erforschen hier schadstoffarme Brennkammern für Luftfahrtantriebe.

Blick in den Kryo-Kanal des DLR in Köln

Im KKK (Kryo-Kanal-Köln) wurden schon Modelle des A380 untersucht - am Tag der Luft- und Raumfahrt bekommen die Besucher ein Alpha Jet Modell zu sehen.

Der A380 beim Tag der Luft- und Raumfahrt 2009

Am 18. September 2011 veranstaltet das DLR den "Tag der Luft- und Raumfahrt" in Köln-Porz. An diesem Tag präsentieren das DLR und die ESA gemeinsam mit ihren Partnern ihre Forschungsprojekte aus Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr.

Das DLR-Forschungsflugzeug Falcon 20E

Das DLR%2dForschungsflugzeug Falcon 20E

Das DLR-Forschungsflugzeug Falcon 20E wurde als geeignetes Messflugzeug ausgewählt. Die Falcon verfügt über eine komplette Messinstrumentierung zur Erfassung der Flugdynamik und einen Nasenmast, an dem vor dem Flugzeug in ungestörter Strömung lokale Anströmwinkel erfasst werden.

DLR-Forschungsflugzeug ATRA

ATRA_5_1.jpg

Das größte Flottenmitglied, der Airbus A320-232 "D-ATRA", ist seit Ende 2008 für das DLR im Einsatz.

ATTAS im Flug

ATTAS im Flug

Der "Fliegende Verwandlungskünstler" ATTAS feierte im Oktober 2010 seinen 25. Geburtstag.

Fliegender Hubschrauber Simulator (ACT/FHS)

Fliegender Hubschrauber Simulator (ACT/FHS)

Durch sein optisches und elektronisches Steuerrungssystem kann der FHS mit einer Fly-by-Light- und Fly-by-Wire-Steuerung das Flugverhalten anderer Hubschrauber simulieren.

Cessna 208B Grand Caravan im Flug

Cessna 208B Grand Caravan im Flug

Die kleinste Maschine des DLR-Flugbetriebs in Oberpfaffenhofen ist eine Cessna 208B Grand Caravan, Kennung D-FDLR. Das einmotorige Turboprop-Flugzeug wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hauptsächlich zur Fernerkundung eingesetzt und eignet sich besonders für Kameraflüge, wie zum Beispiel mit der vom DLR betriebenen hochauflösenden Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera), die auch für Weltraummissionen genutzt wird.

Artikel zum Thema

  • Tag der Luft- und Raumfahrt beim DLR in Köln - Hightech-Forschung und Astronauten live erleben
    (http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10204/296_read-1254/)
  • Raumfahrt zum Anfassen beim Tag der Luft- und Raumfahrt
    (http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10212/332_read-1349/)

Links

  • Sonderseite: Tag der Luft- und Raumfahrt
    (http://www.tagderluftundraumfahrt.de/index.php)
  • DLR-Institut für Antriebstechnik
    (http://www.dlr.de/at/)
  • DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik
    (http://www.dlr.de/as)
  • DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr
    (http://www.dlr.de/fw)