Von einem, der das Fliegen liebte: Richard Perlia

Montag, 12. März 2012

Von Hans-Leo Richter

Der frühere Testpilot Richard Perlia, ältester noch lebender Mitarbeiter der seinerzeitigen Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin (heute DLR), ist, wie jetzt bekannt wurde, unlängst in Berlin kurz vor seinem 107. Geburtstag gestorben.

Der am 6. April 1905 in Aachen geborene Perlia war von Februar 1935 bis Februar 1936 bei der DVL in Berlin-Adlershof als Testpilot angestellt. Im Mittelpunkt seiner fliegerischen Tätigkeiten stand damals das gefürchtete Flachtrudeln, sein Vorgänger war sogar kurz zuvor bei diesem Flugversuch ums Leben gekommen. Perlia hingegen überstand diese hochkomplizierten Erprobungsprogramme, darüber hinaus leistete er bei der DVL wertvolle Entwicklungsarbeit bei der Einführung von Blindflugverfahren.

Perlia flog während seiner Zeit bei der DVL sozusagen alles, was Flügel hatte. Die unterschiedlichsten Muster von Junkers, Heinkel, Focke Wulf, sogar erste Entwürfe von Tragschraubern, die erst seit kurzem wieder fröhliche Urständ feiern. Zu den ausgesprochenen Exoten seiner Pilotenlaufbahn zählte sicherlich die Focke Wulf "Ente", das wohl erste Flugzeug mit vorn liegendem Höhenruder - eine sehr frühe Vorwegnahme heutiger Muster mit "Entenflügel" wie beispielsweise der Piaggio P 180 "Avanti".

Zu Perlias Aufgaben als Testpilot zählte eine Vielzahl von Flugprofilen. Höhenmessungen und Schwingungsversuche standen dabei ebenso auf dem Programm wie Strömungs- und Antennenmessflüge, Sturzflüge ebenso wie Bordgeräteerprobung und eben das berüchtigte Flachtrudeln. In seinem autobiografischen Buch "In geheimer Mission" berichtet der Flugpionier schließlich auch von reichlich außergewöhnlichen Abenteuern wie beispielsweise einem unglaublichen Looping mit der Ju 52, einem bekanntermaßen doch eher behäbigen Transportflugzeug. 

Von seinen Eltern ursprünglich sogar für eine geistliche Karriere bestimmt, fand Perlia nach ersten offenbar prägenden Erlebnissen auf dem Flugplatz Aachen-Merzbrück seine wirkliche Bestimmung. Ab 1927 absolvierte er seine fliegerische Grundausbildung bei Klemm, eine Kunstflugausbildung bei Raab-Katzenstein schloss sich an. Spätestens jetzt war ihm der "sky" doch wohl etwas näher als der "heaven". Seine spätere Bekanntschaft mit den "Großen" aus der Szene wie Ernst Udet, Hanna Reitsch und anderen brachten wertvolle Kontakte mit sich - und ebneten ihm schließlich den Weg zur DVL. Im Anschluss daran war er unter anderem bei Arado sowie bei Junkers als Testpilot tätig.

Perlia hat sich mit den politischen Zielen des 3. Reiches nicht identifiziert. Er hielt es mit seiner ebenfalls fliegenden Weggefährtin Melitta Schiller, der späteren Gräfin von Stauffenberg, und machte sich ihre Einstellung zu eigen „Ich komme am Fliegen nicht vorbei, ich kann nicht anders, nur schade, dass es Kriegsmaschinen sind.“ Hier zeigt sich der innere Widerspruch zwischen den persönlichen Zielen als Ingenieur und den politischen Bedingungen.

Nach dem Kriege gelang es Perlia zu seinem größten Bedauern nicht mehr, erneut in der Luftfahrt Fuß zu fassen, stattdessen machte er sich einen Namen als Fotograf: So "schoss" er beispielsweise beeindruckende Momentaufnahmen vom Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 in Berlin.
 
Aber er konnte und wollte von der Fliegerei nicht lassen, so bewarb er sich - allen Ernstes - noch mit 81 Jahren als Wissenschaftsastronaut für die Spacelab-Mission D2. Die Absage erfolgte sehr bald, ebenso höflich wie allerdings auch eindeutig…

Mit Richard Perlia ist einer der letzten großen "Alten Adler" zu seinem finalen Flug aufgebrochen – die Luftfahrtszene wird ihn nicht vergessen.

Zuletzt geändert am: 08.03.2012 10:49:24 Uhr

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Kontakte

Andreas Schütz
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Pressesprecher

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Richard Perlia

Der frühere Testpilot Richard Perlia, ältester noch lebender Mitarbeiter der seinerzeitigen Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin (heute DLR), ist, wie jetzt bekannt wurde, unlängst in Berlin kurz vor seinem 107. Geburtstag gestorben.