Raumfahrt

Ein weiterer "Wächter" des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus ist im All

Die Erde fest im Blick: Satellit Sentinel-2B erfolgreich gestartet

Dienstag, 7. März 2017

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  • Sentinel2BStart_sn.jpg
    Start von Vega mit Sentinel-2B

    Am 7. März 2017 um 2.49 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (6. März, 22.49 Uhr Ortszeit) der europäische Erdbeobachtungssatellit Sentinel-2B an Bord einer Vega-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou gestartet.

  • KourouFrenchGuiana_sn.jpg
    Der ESA-Weltraumbahnhof in Kourou

    Aufnahme des Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2A von Kourou (Französisch Guyana) vom 6. März 2017. Rund 15 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt ist oben links im Bild auch das Gelände des Europäischen Weltraumbahnhofs zu erkennen. Von hier aus startete in der Nacht vom 6. auf den 7. März 2017 der Satellit Sentinel-2B ins All. Zusammen mit seinem „Zwillingssatelliten“ Sentinel-2A verdoppelt der neue Umweltwächter die Aufnahmefrequenz: Jeder Punkt der Erde wird alle fünf Tage erfasst und Veränderungen der Oberfläche so kontinuierlich und langfristig dokumentiert.

  • OetztalAlps_sn.jpg
    Die Ötztaler Alpen, aufgenommen mit Sentinel-2A

    Der Copernicus-Satellit Sentinel-2A hat die Ötztaler Alpen in Tirol am 16. Oktober 2016 aufgenommen. Fast scheint es wie eine optische Täuschung, doch die grün eingefärbten Bereiche sind die Täler, die hellblauen Flächen die Berge. Schnee erscheint in dunkelblau, Vegetation in verschiedenen Grüntönen.

  • Zusammen mit seinem "Zwillingssatelliten" Sentinel-2A verdoppelt der neue Umweltwächter Sentinel-2B die Aufnahmefrequenz
  • Jeder Punkt der Erde wird alle fünf Tage erfasst und Veränderungen der Oberfläche kontinuierlich und langfristig dokumentiert.
  • Eine hochauflösende optische Kamera ermöglicht es dem Satelliten, wichtige Informationen für die weltweite Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, aber auch für die Raumplanung und die Katastrophenhilfe zu liefern.
  • Mission zeigt konkreten Beitrag der Raumfahrt zur Lösung globaler Herausforderungen.

Knapp zwei Jahre nach seinem "Zwillingssatelliten" ist am 7. März 2017 um 2.49 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (6. März, 22.49 Uhr Ortszeit) der europäische Erdbeobachtungssatellit Sentinel-2B an Bord einer Vega-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof der ESA in Kourou (Französisch-Guyana/Südamerika) zu seiner Mission gestartet. Der zirka 1,1 Tonnen schwere Satellit soll aus 786 Kilometern Höhe von einem sonnensynchronen Orbit unsere Erde beobachten und vor allem Veränderungen der Landoberfläche und der Vegetation zwischen 84 Grad nördlicher und 56 Grad südlicher Breite dokumentieren: Reicht die Ernte für die Bevölkerung aus? Wie intensiv sollten Bauern düngen? Wie gesund sind unsere Wälder? Sentinel-2B beobachtet alle Landflächen der Erde außer der Antarktis, einschließlich aller Inseln, die zur EU gehören und allen weiteren Inseln, die größer als 100 Quadratkilometer sind; aber auch Küstenzonen, sämtliche Binnengewässer, das Mittelmeer und weitere abgeschlossene Meere.
 
"Mit seiner hochauflösenden optischen Kamera ist Sentinel-2B in der Lage, Tag für Tag wichtige Informationen für die weltweite Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, aber auch für die Raumplanung und die Katastrophenhilfe zu liefern. Hier zeigt sich einmal mehr, welchen wichtigen Beitrag die Raumfahrt zur Lösung globaler Herausforderungen leistet", verdeutlicht Dr. Gerd Gruppe, Vorstand des DLR Raumfahrtmanagements. "Die Kombination aus insgesamt 13 hochauflösenden Spektralkanälen, einem mit 290 Kilometern sehr großen Sichtfeld und einer regelmäßigen weltweiten Abdeckung alle fünf Tage macht die Zwillingssatelliten Sentinel-2A und -B so interessant für neue Anwendungen. Damit setzt das Programm neue Standards für moderne Umweltmissionen im optischen und nahen Infrarotbereich."

Die Sentinel-Satelliten sind Teil des Copernicus-Programms der Europäischen Kommission. Es dient der Sammlung und Auswertung von Fernerkundungsdaten der Erde. Die Daten werden Behörden, Unternehmen, der Wissenschaft und allen interessierten Bürgern seit Beginn des Programms 2014 kostenlos zur Verfügung gestellt. Die ESA hat im Auftrag der Europäischen Kommission für die Entwicklung der beiden Sentinel-2-Satelliten 339 Millionen Euro investiert. Deutschland ist mit gut 32 Prozent an diesen Entwicklungen beteiligt - das DLR Raumfahrtmanagement betreut im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die entsprechenden ESA-Programme. Insgesamt gehören vier optische Setinel-2-Satelliten zur am Ende 20-köpfigen Copernicus-Satellitenfamilie. Sentinel-2A ist seit dem 23. Juni 2015 im All, Sentinel-2C und -D sollen ab 2022 folgen.

Sentinel-2B verdoppelt zusammen mit Sentinel-2A sowohl Aufnahmefrequenz - jeder Punkt der Erde wird nun alle fünf Tage erfasst - als auch die Ausfallsicherheit, beides zentrale Anforderungen der Nutzer von Copernicus.

Das "Auge" der Sentinel-2-Satelliten - der so genannte multispektrale Imager (MSI) - kann hochauflösende optische Bilder im sichtbaren, nahen und kurzwelligen Infrarotbereich generieren. Der MSI liefert Aufnahmen in einem 290 Kilometer breiten Abtaststreifen - das ist deutlich mehr als andere Erdbeobachtungssatelliten schaffen. "Die Sentinel-2-Satelliten nehmen dabei nicht nur die für das Auge sichtbaren Farben auf, sondern auch den Nah-Infrarotbereich, der uns Aufschlüsse über den Gesundheitszustand und das Wachstum der Pflanzen liefert. Dies ermöglicht zum Beispiel einen gezielteren Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft sowie eine Verbesserung der Ernteprognosen und letztlich auch der weltweiten Ernährungssicherheit. Sentinel-2 wird zudem Informationen zum Zustand der Wälder und Binnengewässer liefern - wichtige Grundlagen, um zum Beispiel auch dem weltweiten Druck auf die natürlichen Ressourcen entgegenzuwirken", veranschaulicht Dr. Jörn Hoffmann, der Copernicus-Programmleiter im DLR Raumfahrtmanagement. Das Konzept der Sentinel-Missionen sieht vor, jeweils zwei operative Satelliten einer Serie zu betreiben. Mit Sentinel-2B ist jetzt der zweite Satellit gestartet. Dies sichert die Datenkontinuität und soll eine langfristige Versorgung mit Erdbeobachtungsdaten bis in die 2030er Jahre gewährleisten.

  • Copernicus

    Wie gesund wird unsere Luft in den nächsten fünf Jahren sein? Wie sauber unsere Gewässer? Und wie stark wird der Regenwald noch schrumpfen? Um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, hat die Europäische Kommission das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus ins Leben gerufen.

    Copernicus besteht aus sechs Satellitenfamilien, den sogenannten Sentinels (Wächter), die die Erde und Atmosphäre erfassen und somit wichtige Daten zu Klimaschutz, nachhaltiger Entwicklung, humanitärer Hilfe, Ernährungssicherheit und zum Gesundheitszustand der Ozeane liefern. Ergänzt werden die Satelliten-Daten durch Messgeräte am Boden, in der Luft und in Gewässern. Den Betrieb der insgesamt 20 Umweltsatelliten übernehmen die Europäische Weltraumorganisation ESA und die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten, EUMETSAT. In Deutschland ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) federführend für Copernicus verantwortlich. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) begleitet das Programm in Deutschland.

Deutsche Partner in Industrie und Forschung

Hauptauftragnehmer für den Bau von Sentinel-2B ist, wie schon für Sentinel-2A, Airbus in Friedrichshafen, wo auch die Satellitenplattform gefertigt wurde. Der Satellit wurde am European Space Research and Technology Centre (ESTEC) der ESA in Noordwijk, Niederlanden, getestet. Wichtige Bauteile des Instruments und der Plattform wurden bei verschiedenen Unternehmen in Deutschland hergestellt - zum Beispiel bei der Jena-Optronik GmbH und der ZARM Technik AG. Die Technologie für die optische Datenübertragung im Weltraum, die sogenannten Laserkommunikation-Terminals, wurde von der Firma Tesat Spacecom in Backnang entwickelt und gebaut. An den Sentinel-Missionen und damit am Copernicus-Programm beteiligt ist auch das Deutsche Erdbeobachtungszentrum beim DLR in Oberpfaffenhofen.

Zuletzt geändert am:
07.03.2017 13:32:07 Uhr

Kontakte

 

Elisabeth Mittelbach
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Kommunikation

Tel.: +49 228 447-385

Fax: +49 228 447-386
Dr. Jörn Hoffmann
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Erdbeobachtung

Tel.: +49 228 447-269

Fax: +49 228 447-747