Nutzen der Fernerkundung: Bundesinnenminister Friedrich eröffnet Strategie-Forum im DLR

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Am 13. Oktober 2011 hat im Deutschen Zentrum für Luft – und Raumfahrt (DLR) zum ersten Mal das Strategie-Forum „Chancen und Möglichkeiten der Fernerkundung für die öffentliche Verwaltung“ stattgefunden. Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich eröffnete das Strategie-Forum im Erdbeobachtungszentrum des DLR Oberpfaffenhofen.

Das Strategie-Forum richtet sich an Vertreter der Bundes- und Landesbehörden und wird vom DLR in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern (BMI) sowie dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) veranstaltet. Wesentliches Ziel der zweitägigen Veranstaltung ist es, über die Nutzungsmöglichkeiten von Fernerkundungsdaten zu informieren und mit dem Bedarf der öffentlichen Verwaltung optimal abzustimmen. Themenschwerpunkte sind das Katastrophenmanagement bei Naturkatastrophen und die Notfallkartierung, zivile Sicherheit und polizeiliche Aufgaben, Umwelt, Planung und Landwirtschaft sowie Verkehr und Energie.

"Das DLR ist sich seiner Verantwortung als Großforschungseinrichtung für die Erdbeobachtung in Deutschland bewusst und möchte, dass gemeinsam mit der Politik stabile Mechanismen etabliert werden – von der Erstellung der Daten und deren zielgerichtete Auswertung bis hin zur Archivierung. Dies kommt allen Menschen in unserem Land zugute", erklärt Prof. Johann-Dietrich Wörner Vorstandsvorsitzender des DLR.

Bundesinnenminister Dr. Friedrich hebt hervor:"Die Veranstaltung wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, der Verwaltung die vielfältigen Chancen dieser Technologien vor Augen zu führen. Wir stehen hier erst am Anfang einer Technik, die ein enormes Entwicklungspotential hat. Dieses müssen wir auch in der täglichen Arbeit unserer Verwaltung nutzen. Die Fernerkundung wird zu einer tragenden Säule eines aktuellen Geoinformationswesens und damit für die mobile Wissensgesellschaft unerlässlich".

Zukunftstechnologie Fernerkundung

Fernerkundung liefert Informationen über die Erde – von Landoberflächen, Ozeanen, Eisflächen und Atmosphäre. Die Daten werden von Satelliten aufgezeichnet, die zwischen etwa 500 Kilometer und 36.000 Kilometer Höhe in verschiedenen Umlaufbahnen die Erde umkreisen. Die Daten sind heute bereits unverzichtbar, etwa in der Forschung zum Klimawandel und zu den Veränderungen des globalen Ökosystems. Für Einsatzkräfte in Katastrophengebieten sind aktuelle und zuverlässige Geoinformationen ebenfalls ein Muß. So sind nicht zuletzt auch Verwaltungen auf staatlicher und kommunaler Ebene auf Satellitendaten angewiesen, beispielsweise beim Flächenmanagment oder in der Land- und Forstwirtschaft.

Die praktische Nutzung von Fernerkundungsdaten als wichtige Geoinformationsquelle hat aus Sicht der DLR-Experten erst begonnen. So kommen in der nächsten Dekade viele europäische und internationale Satellitenmissionen zum Einsatz, die nochmals zu einer verstärkten Anwendung der Fernerkundung in nahezu allen Bereichen staatlicher und behördliche Aufgabenbereiche führen wird. "Das, was schon heute durch die Wissenschaft aufgebaut worden ist, sollte jetzt auch staatlich gesichert werden, um in Zukunft weiter darauf aufbauen zu können, insbesondere die Leistungen des DLR-Zentrums für satellitengestützte Kriseninformation ZKI", so Prof. Dr. Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums des DLR.

Das Potential liegt in der Zusammenarbeit: Wenn der Kauf von Geoinformationen zwischen den einzelnen Beschaffungsstellen stärker kommuniziert wird, stehen die Daten für die gemeinsame Nutzung erweitert zur Verfügung. Zusätzliche Anwendungen könnten auch durch systematische Auswertungen in der Datenerstellung gewonnen werden.

Kompetenzen im DLR gebündelt

Seit 2010 ist das DLR Mitglied der "International Charter Space and Major Disasters". Mit dem Erdbeobachtungszentrum (Earth Observations Center, EOC) in Oberpfaffenhofen verfügt das DLR über besondere Möglichkeiten, zivile Einrichtungen in Krisenfällen zu unterstützen – bei Naturkatastrophen, Umweltkatastrophen, humanitären Hilfsaktivitäten und für die zivile Sicherheit weltweit.

Im EOC sind die Kompetenzen des DLR in der Fernerkundung institutsübergreifend gebündelt: Das Institut für Methodik der Fernerkundung hat einen wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkt während das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum auf konkrete Anwendungen abzielt und auch betriebliche Aufgaben inne hat . Wird nach einem Katastrophenfall die internationale Charta ausgerufen, aktiviert das DLR einen besonderen Service aus dem Erdbeobachtungszentrum – das Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation.

Einsatz im Krisenfall

Das DLR-Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) ist rund um die Uhr einsatzbereit und weltweit eines der wichtigsten Zentren für die Aufbereitung von Informationen aus Satellitendaten zur Anwendung in Krisenfällen. Im Notfall laufen dort die Fäden zusammen: Das ZKI koordiniert die Datengewinnung, wertet aus und erstellt für die internationalen Hilfsorganisationen gezielt das "Analyseprodukt" – eine zuverlässige und aktuelle Karte der Krisenregion. So können die Einsatzkräfte vor Ort lebenswichtige Entscheidungen treffen: Wie gelangen wir am schnellsten zum Einsatzort? Wo sind Menschen möglicherweise verschüttet? Wo können Zeltstädte für Verletzte und Flüchtlinge errichtet werden?

Zuletzt erstellte das DLR-Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation Notfallkartierungen der Hochwassergebiete in Pakistan, der Flüchtlingsgebiete in Ostafrika und Schadenskarten von Chile nach einem Vulkanausbruch sowie von Japan nach der schweren Erdbeben- und darauf folgenden Tsunamikatastrophe. Künftig sollen staatliche Behörden die Fernerkundungsdaten des DLR vielfältiger und intensiver nutzen können als bisher.

Zuletzt geändert am: 13.10.2011 16:47:42 Uhr

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Kontakte

Bernadette Jung
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation Oberpfaffenhofen, Weilheim, Augsburg

Tel.: +49 8153 28-2251

Fax: +49 8153 28-1243
Prof. Dr. Stefan Dech
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Deutsches Fernerkundungsdatenzentrum, Direktor

Tel.: +49 8153 28-2885

Fax: +49 8153 28-3444

"Punktewolke" Berlin: Vertikale Vermessung des Hauptbahnhofs

Berlin

Mittels Fernerkundungsdaten des DLR wurde der Berliner Hauptbahnhof mit seiner Stahlkonstruktion im Laufe eines Jahres vertikal vermessen. In der warmen Jahreszeit dehnen sich die Materialien aus, im Winter kommt es wieder zu einem Rückgang. Die Höhenunterschiede sind in der Karte als farbige Punktewolke zu erkennen - gelbe und rote Markierungen zeigen Erhebungen im Millimeterbereich an.

Besichtigung des DLR-Zentrums für Satellitengestütze Kriseninformation

ZKI: Friedrich, Dech

DLR-Institutsdirektor Prof.Dr. Stefan Dech (vorne stehend) präsentiert Bundesinnenminister Dr. Friedrich (vorne sitzend) die Fernerkundungsservices des DLR im Zentrum für Satellitengestütze Kriseninformation.

Strategie-Forum: Gruppenbild im ZKI

Strategieforum Gruppenfoto

Gruppenbild (von links nach rechts): Prof. Dr. Hansjörg Dittus, Vorstand für Raumfahrtforschung und -technologie des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandvorsitzender des DLR, Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich, Prof. Dr.-Ing. habil. Hansjörg Kutterer, Präsident des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie, Prof. Dr. Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums des DLR.

Links

  • Bundesministerium des Innern (BMI): Bericht
    (http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/mitMarginalspalte/10/strategieforum_fernerkundung.html%C2%A0)
  • Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG)
    (http://www.bkg.bund.de/DE/Home/homepage__node.html__nnn=true)
  • DLR Earth Observation Center (EOC)
    (http://www.dlr.de/eoc)
  • International Charter Space & Major Disasters (engl.)
    (http://www.disasterscharter.org/home)
  • DLR wird Mitglied der "International Charter Space and Major Disasters"
    (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-6221/10233_read-27150/)

Downloads

  • Flyer Strategie-Forum (2,8 MB)
    (http://www.dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/bilder/portal/oberpfaffenhofen/DLR_Strategie-Forum_Flyer.pdf)