Die Wiege der modernen Luftfahrtforschung öffnet ihre Tore: Am Sonntag, 18. September 2011, veranstaltet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen von 10 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür.
Weltweit einzigartige Testanlagen, zum Beispiel ein Katapult für Hochgeschwindigkeits-Zugmodelle, Windkanäle für die Luft- und Raumfahrtforschung sowie die Forschungsflugzeuge Antares DLR-H2 und Do 728 werden aus nächster Nähe zu sehen sein. Mutige können in einem Windkanal bei Orkanstärke ihre Sturmfestigkeit erproben. Für Kinder und Jugendliche gibt es ein Programm mit Flugzeugbau, Spaceshuttle-Rutsche und vielem mehr. In Vortragsreihen, Kinovorstellungen und Live-Demonstrationen erleben Besucher das DLR und seine Forschung auf den Gebieten Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr hautnah. Hier wird an den Flugzeugen, Raumschiffen und Zügen von morgen geforscht. Eine Ausstellung zeigt Höhepunkte und Skurriles aus 100 Jahren Luftfahrtforschung.
Erstes Brennstoffzellen-Flugzeug der Welt
Ein Highlight wird der ausgestellte Brennstoffzellen-Motorsegler Antares DLR-H2 sein. Das Forschungsflugzeug ist das weltweit erste bemannte und ausschließlich mit Brennstoffzellen angetriebene Flugzeug. Durch den Brennstoffzellenantrieb sind Start, Flug und Landung völlig CO2-frei. Als Kraftstoff kommt Wasserstoff zum Einsatz, der in elektrische Energie umgewandelt wird. Dabei entsteht als Reaktionsprodukt ausschließlich Wasser.
Die Do 728 ist das einzige Forschungsflugzeug der Welt, das mitten in einer Großstadt ohne Flugplatz zum Einsatz kommt. In dem ursprünglich für bis zu 85 Passagiere gedachten Jet wird heute geforscht, wie sich das Klima an Bord von Flugzeugen verbessern lässt. Mit Hilfe von schwarzen Dummies, Rauch und Laserlicht wird die Luftbewegung auf eindrucksvolle Art und Weise sichtbar gemacht. Dies wird am Tag der offenen Tür vorgeführt.
Per Katapult auf 400 Stundenkilometer
Die Tunnelsimulations-Anlage Göttingen ist ebenfalls weltweit einzigartig: Hier werden Zugmodelle im Maßstab 1 zu 20 per 60 Meter langem Katapult auf bis zu 400 Stundenkilometer beschleunigt. Dann wird mit modernster Messtechnik untersucht, wie sich die Aerodynamik von Hochgeschwindigkeitszügen in einem Tunnel verhält. Besucher können die Tunnelsimulations-Anlage im Einsatz sehen.
So heiß wie die Sonne
Der Hochenthalpiekanal Göttingen ist eine der wichtigsten europäischen Großanlagen zur Erforschung des Hyperschalls und Wiedereintritts von Raumfahrzeugen. In dem 62 Meter langen Windkanal verdichtet zunächst ein Kolben ein Treibgas wie in einer riesigen Luftpumpe. Nach dem Platzen einer Stahlmembran komprimiert und heizt eine starke Stoßwelle ein Testgas, bevor es in einer Windkanaldüse auf bis zu 20.000 Stundenkilometer beschleunigt wird. Dabei entstehen in der Testanlage Temperaturen von fast 5000 Grad Celsius - so heiß wie die Oberfläche der Sonne.
11 Meter hohe Space-Shuttle-Rutsche
Für Kinder und Jugendliche gibt es ein umfangreiches Programm. So stehen eine elf Meter hohe Space-Shuttle-Rutsche, eine Hubschrauber-Hüpfburg und ein Aero-Trim zur Verfügung. Im DLR_School_Lab können Modellflugzeuge gebaut und anschließend getestet werden.
Auf dem Gelände des DLR kann NICHT geparkt werden! Die Bunsen- und die Böttingerstraße werden für Kraftfahrzeuge gesperrt. Alle Besucher werden gebeten, den kostenlosen Bus-Shuttle vom Schützenplatz am Schützenanger zum DLR zu nutzen. Abstellplätze für Fahrräder werden am Felix-Klein-Gymnasium eingerichtet.
Über das DLR Göttingen:
Göttingen gilt weltweit als die Wiege der modernen Aerodynamik. Hier wurde 1907 die erste staatliche Luftfahrtforschungseinrichtung gegründet. Heute arbeiten im DLR Göttingen über 430 Fachleute an den Flugzeugen, Raumschiffen und Hochgeschwindigkeitszügen der Zukunft.
In Göttingen wurden wichtige Grundlagen der modernen Luftfahrt erforscht. Hier entwickelte Ludwig Prandtl Theorien über die Grenzschicht und über Tragflügel, die das Verständnis vom Fliegen revolutionierten. Hier testete Hans Joachim Pabst von Ohain den Vorläufer des ersten Strahltriebwerks, und hier erfanden Forscher den Pfeilflügel als Voraussetzung für den schnellen Reiseflug. Weltweit wird in Windkanälen Göttinger Bauart geforscht.