Göttingen

DLR baut das erste Serien-Flugzeug der Welt nach

Donnerstag, 11. Februar 2016

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  • Lilienthal im Flug 1894
    Lilienthal im Flug 1894

    Das Bild zeigt Otto Lilienthal beim Flug vom Fliegeberg in Berlin, den er eigens aufschütten ließ und der somit einer der ersten künstlichen Flugplätze ist. Die Aufnahme hat der Pionier der Fototechnik Ottomar Anschütz gemacht.

  • US%2dPatent von 1895
    US-Patent von 1895

    Abbildung aus dem US-Patent Lilienthals für eine "Flying-Machine" vom 20. August 1895.

  • Werkstattskizze des ersten Serienflugzeugs der Welt
    Werkstattskizze des ersten Serienflugzeugs der Welt

    Diese Skizze zeigt den "Normalsegelapparat", das erste in Serie gebaute Flugzeug der Welt, welches jetzt vom DLR gemeinsam mit dem Otto-Lilienthal-Museum Anklam nachgebaut wird. Die Skizze wurde für einen Gleiter für Charles de Lambert angefertigt. Lambert ist einer der neun bekannten Käufer des Lilienthalschen Serienfluzeugs "Normalsegelapparat".

  • Start Lilienthals von der Maihöhe
    Start Lilienthals von der Maihöhe

    1893 hatte Lilienthal auf der Maihöhe in Steglitz eine Fliegestation errichtet, die als Absprungstation und Gleiterschuppen diente. Die Aufnahme stammt von Ottomar Anschütz, einem Pionier der Fototechnik.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) plant, das erste Serienflugzeug der Welt erstmals originalgetreu nachzubauen und wissenschaftlich zu untersuchen. Damit soll das Wirken des Luftfahrtpioniers Otto Lilienthal, der vor 125 Jahren als erster Mensch in einem Flugzeug geflogen ist, gewürdigt werden. Zudem erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse über den tödlichen Absturz Lilienthals.

Erster Flieger der Menschheit

Lilienthal gilt als "erster Flieger der Menschheit". Ihm gelangen im Jahr 1891 als erstem Menschen Gleitflüge mit einem selbstgebauten Flugzeug. Ballone, mit denen sich Menschen bereits zuvor in die Luft erhoben, gelten nicht als Flugzeuge, da sie leichter als Luft sind.

Die Arbeiten Lilienthals waren Grundlage für den ersten Motorflug der Gebrüder Wright in den USA, für das spätere Wirken von anderen Luftfahrtpionieren wie Hugo Junkers und anderen. Möglich machte dies das wissenschaftliche Publizieren Lilienthals und teils sensationelle Fotografien, die im In- und Ausland für Aufsehen sorgten.

Untersuchung im Windkanal

"Mit dem Projekt, das erste Serienflugzeug der Welt von Lilienthal erstmals historisch korrekt nachzubauen und im Windkanal zu analysieren, wollen wir nicht nur die Wurzeln der Luftfahrt wissenschaftlich analysieren, sondern auch einen der größten Luftfahrtpioniere der Welt würdigen", sagt Prof. Rolf Henke, Luftfahrtvorstand des DLR. "Als DIE deutsche Luftfahrtforschungsorganisation kehren wir damit quasi an unseren Ursprung zurück: unsere Arbeiten bauen auf das wissenschaftliche Erbe Lilienthals auf."

Vorbild für heutige Luftfahrtforscher

Die wissenschaftlichen Untersuchungen werden vom DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik in Göttingen durchgeführt. Institutsleiter Prof. Andreas Dillmann sieht in Lilienthal das Vorbild aller heutigen Luftfahrforscher: "Lilienthal war der erste wissenschaftlich arbeitende Aerodynamiker. Vorher gab es eigentlich nur Bastler."

Suche nach Absturzursache

Mit den Untersuchungen soll der Nachweis erfolgen, dass Lilienthal ein Flugzeug gebaut hat, das um alle drei Achsen stabil ist. Ferner soll das Flügelprofil genau untersucht werden: wie vergleichbar ist es mit den heutigen? Nicht zuletzt sollen die Ursachen für den tödlichen Absturz Lilienthals geklärt werden. Er stürzte am 9. August 1896 bei Stölln am Gollenberg tödlich ab.

Nachgebaut wird von den vielen Entwürfen Lilienthals der sogenannte Normalsegelapparat. Dieser war das erste in Serie gebaute Flugzeug der Welt und wurde mindestens neunmal weltweit verkauft. In einem solchen Fluggerät ist Lilienthal tödlich verunglückt.

Den Nachbau führt das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam aus. Dazu kann auf die Original-Konstruktionszeichnungen Lilienthals zurückgegriffen werden. Lilienthal-Gleiter sind schon häufiger nachgebaut worden. Zum ersten Mal allerdings wird dies jetzt historisch korrekt durchgeführt. Dafür erfolgen eine Reihe an Voruntersuchungen und Recherchen. So werden Stoffproben von erhalten gebliebenen Original-Lilienthal-Gleitern genauestens untersucht, um die Qualität der Bespannung zu ermitteln. Sobald der Nachbau fertiggestellt ist, wird dieser in einem der größten Windkanäle Europas in Marknesse in den Niederlanden untersucht werden. "Dann wollen wir die gesamte Flugmechanik und aerodynamische Leistungsfähigkeit erfassen", sagt Dillmann. "Wie weit konnte er je nach Absprunghöhe fliegen? In welchen Bereichen konnte er stabil und sicher fliegen?"

Zuletzt geändert am:
11.02.2016 21:58:07 Uhr

Kontakte

 

Jens Wucherpfennig
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Göttingen

Tel.: +49 551 709-2108

Fax: +49 551 709-12108
Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. habil Andreas Dillmann
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Tel.: +49 551 709-2177

Fax: +49 551 709-2889