Oberpfaffenhofen

Der Standort Oberpfaffenhofen des DLR

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Als der mitarbeiterstärkste Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), zählt das Gelände in Oberpfaffenhofen zu den größten Forschungszentren in Deutschland. Insgesamt 13 wissenschaftliche Einrichtungen und Institute sind auf dem Areal außerhalb von München beheimatet. Derzeit beschäftigt das DLR am Standort rund 1800 Mitarbeiter. Ausbildung und Förderung junger Wissenschaftler ist ein großes Anliegen des DLR. Deshalb zählen zu den Mitarbeitern auch zahlreiche Praktikanten und Studenten, die in Zusammenarbeit mit unseren Wissenschaftlern ihre Abschluss- und Doktorarbeiten umsetzen. Schwerpunkte des DLR Oberpfaffenhofen sind unter anderem die Beteiligung an Weltraummissionen, die Klimaforschung, die Erdbeobachtung, der Ausbau von Navigationssystemen und die Weiterentwicklung der Robotertechnik. 

Robotertechnik für die Welt von Morgen

Das in Oberpfaffenhofen beheimatete Zentrum für Robotik und Mechatronik ist weltweit eines der größten und bedeutendsten Forschungszentren für angewandte Automation und Robotik. Erst 2016 wurde hier ein neues und modernes Forschungsgebäude für die Roboter-Forschung eröffnet. Der Forschungscluster vereint drei Institute, wobei das Institut für Robotik und Mechatronik und das Institut für Systemdynamik und Regelungstechnik hier am Standort zu Hause ist. Alle drei Institute arbeiten eng zusammen, um intelligente Robotersysteme zu entwickeln und zu erforschen. So werden neue Technologien konstruiert, die nicht nur für Forschung und Industrie genutzt werden können, sondern langfristig auch den Alltag von uns allen erleichtern sollen. Was sich für den Laien wie Stoff aus einem Science Fiction-Roman anhört, beginnt im DLR bereits Wirklichkeit zu werden. Von autonomen Elektrofahrzeugen, über den Next Generation Train, Marsrovern für die Erkundung des roten Planeten, bis hin zum humanoiden Roboter.

Mit scharfen Blick auf unseren Planeten

Weltraumtechnologien sind ein wichtiger Bestandteil unserer modernen Gesellschaft geworden. Gerade in der Meteorologie, Kartographie, Umweltbeobachtung, Landplanung oder auch in der Sicherheit leistet satellitengestützte Erdbeobachtung einen wichtigen Beitrag. Das Earth Observation Center (EOC) in Oberpfaffenhofen, das das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum und das Institut für Methodik der Fernerkundung umfasst, deckt ein breites Spektrum an Anwendungen im Bereich der flugzeug- und satellitengestützten Erdbeobachtung ab. Die Anwendungsbereiche umfassen die Fernerkundung der Landoberfläche, die Gewässerfernerkundung und die Fernerkundung der Atmosphäre. Die Ziele der wissenschaftlichen Arbeiten sind unter anderem die Entwicklung von Algorithmen und Auswerteverfahren für unterschiedliche Fernerkundungssensoren, die Ableitung von physikalischen Parametern und die Erstellung von Informationsprodukten aus den Fernerkundungsdaten sowie die langfristige Archivierung und Bereitstellung der Daten im "Deutschen Satellitendatenarchiv (D-SDA)".

Ein ganz besonderer Service des EOC ist das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI). Seine Aufgabe ist die Bereitstellung eines 24/7 Service für die schnelle Beschaffung, Aufbereitung und Analyse von Satellitendaten bei Natur- und Umweltkatastrophen, für humanitäre Hilfsaktivitäten und für die zivile Sicherheit weltweit. Die Produkte werden nach den spezifischen Bedürfnissen für nationale und internationale politische Entscheidungsträger, Lagezentren sowie Hilfsorganisationen erstellt und auch der Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht.

Das EOC arbeitet unter anderem eng mit dem Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme zusammen. Die boden-, flugzeug- und satellitengestützten Sensoren, die in der Fernerkundung zum Einsatz kommen, werden in diesem Institut entworfen und kontinuierlich weiterentwickelt. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Konzeption und Realisierung von hochauflösenden abbildenden Radarsystemen, basierend auf dem Prinzip des Synthetik-Apertur-Radars (SAR). Beispiel dafür sind die Entwicklung und Durchführung der 2007 gestarteten Satellitenmissionen TerraSAR-X und TanDEM-X. Die von den beiden Satelliten aufgenommenen Daten haben bereits zu vielen spannenden Entdeckungen geführt.

  Video: Einblick in die Forschungsthemen des DLR in Oberpfaffenhofen

Technologien für Kommunikation und Navigation

Am Institut für Kommunikation und Navigation werden neue Systeme und Verfahren für die Funkübertragung und Funkortung entwickelt und untersucht. Angewandt werden sie zum Beispiel bei der flächendeckenden Versorgung mit Multimediainhalten, ebenso wie bei der Internetanbindung von Satelliten, Flugzeugen oder entlegenen Gebieten. In der Satellitennavigation liegt ein großes Gewicht auf sicherheitskritischen Anwendungen, die eine sehr zuverlässige Positions- und Zeitbestimmung erfordern sowie auf der Ortungsfähigkeit in Häuserschluchten und Gebäuden. Die vom Institut entwickelten Technologien sind auch grundlegend für die Dienste von "Galileo". Das europäische Satellitennavigationssystem befindet sich derzeit im Aufbau und wird künftig für jedermann Navigationssignale von bisher nicht vorhandener Genauigkeit und Verlässlichkeit bereitstellen. Zurzeit arbeiten die meisten Systeme mit dem amerikanischen GPS, das jedoch ein militärisches Projekt ist. Das zivile Programm Galileo soll nicht nur die Unabhängigkeit Europas gewährleisten, sondern auch dessen Souveränität unterstreichen. Mit 30 Satelliten, ergänzt durch ein weltweites Netzwerk von Empfangsstationen am Boden, wird die Navigation mit Galileo noch genauer und zuverlässiger. Das Herz dieses Dienstes steht dabei in Oberpfaffenhofen: das Galileo Kontrollzentrum. Hier werden die Satelliten überwacht und kontrolliert. Das Kontrollzentrum wird von der DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR) mbH betrieben.

Kontrolleur für Satelliten und europäischen Columbus Modul an der ISS

Das größere Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen ist das German Space Operation Center (GSOC). Hier werden nicht nur deutsche Satellitenprojekte betreut, sondern auch der europäische Beitrag zur ISS: das Forschungsmodul Columbus. Bereits beim Start von Columbus im Februar 2008 konnte das Kontrollzentrum auf eine langjährige Betriebserfahrung und Kompetenz bei der Durchführung bemannter und unbemannter Raumflugmissionen in Oberpfaffenhofen zurückgreifen. Mehr als 50 Satelliten – wissenschaftliche und kommerzielle – wurden von hier bereits in die für sie vorgesehenen Umlaufbahnen gesteuert und von dort kontrolliert. Hinzu kommen bemannte Weltraumflüge, an denen sich das DLR beteiligt hat. Unter anderem wurden die Missionen der beiden deutschen Astronauten Ulrich Walter und Hans Schlegel auf die MIR betreut. 

Mit dem Betrieb des Columbus Labors hat der Standort Oberpfaffenhofen erneut eine große Aufgabe. Von den zahlreichen in dem Weltraumlabor geplanten Experimenten verspricht sich die Wissenschaft neue Erkenntnisse über Materialien oder Verhaltensweisen von organischen und anorganischen Stoffen in der Schwerelosigkeit. Mehr als 40 DLR-Mitarbeiter und weitere 60 Mitarbeiter von Kontraktorfirmen waren mit der Vorbereitung des Flugbetriebs beschäftigt und haben jetzt die ständige Überwachung und Kontrolle des Moduls – in enger Zusammenarbeit mit der ESA und der NASA sowie mit Partnern aus Russland, Japan und Kanada. 2014 startete der deutsche Astronaut Alexander Gerst im Rahmen der Mission „Blue Dot“ zur ISS und verbrachte dort sechs Monate. Die Mitarbeiter des GSOC unterstützten ihn bei seiner Arbeit an Bord und den Experimenten im Columbus-Modul.

Klimaforschung vom Boden und in der Luft

Aufgrund der vielerorts bereits spürbar werdenden Umweltveränderungen rückt die Arbeit der Wissenschaftler im Institut für Physik der Atmosphäre immer stärker in das öffentliche Interesse. Erforscht werden in Oberpfaffenhofen die Physik und die Chemie der Atmosphäre, der Troposphäre und der Stratosphäre. Die globalen und regionalen, dynamischen, wolkenphysikalischen und chemischen Prozesse gehören zur Grundlage der Luft- und Raumfahrt. Kenntnisse über die Atmosphäre sind auch die Basisvoraussetzung zur Beurteilung der Klimawirkungen der regionalen und der globalen Emissionen, die weltweit vom Luft- und Straßenverkehr abgegeben werden. Unter anderem beobachten die Wissenschaftler die Veränderungen von Ozon und Wasserdampf in der Stratosphäre. Für ihre Rechenmodelle nutzen die Forscher Daten von Umweltsatelliten und Messergebnisse der DLR-eigenen Forschungsflugzeuge.

Das DLR besitzt die größte zivile Flotte von Forschungsflugzeugen und Hubschraubern. Vier der Maschinen stehen hier in Oberpfaffenhofen und werden von der Abteilung Flugexperimente betreut. Die beiden größten Flugzeuge am Standort sind die Falcon und der Forschungs-Jet HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft). Die Falcon ist bereits seit 1976 im Einsatz für die Wissenschaft und hat zum Erfolg zahlreicher Forschungsmissionen beigetragen. Seit 2012 unterstützt die HALO die Wissenschaftler am Standort. Beide Maschinen, sind in der Lage die Stratosphäre zu erreichen. Viele einzigartige Modifikationen und Ausstattungen machen alle Flugzeuge zu echten Mehrzweckplattform für Forschungsanwendungen, die den individuellen Bedürfnissen entsprechend konfiguriert werden können.

Klein aber oho

Zum Standort Oberpfaffenhofen gehört auch die Forschungsgruppe Komplexe Plasmen. Die Handvoll Mitarbeiter der Gruppe forschen im mikroskopisch kleinen Bereich, aber mit sehr großen Zielen. So betreibt die Forschungsgruppe seit 2014 die PK-4 Anlage, denn  nur unter Schwerelosigkeit können große, homogene 3D-Strukturen ungestört kreiert und erforscht werden. Bereits bei der Entwicklung der Anlage gab es schon spannende Ergebnisse, die zu 15 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften geführt haben.

Wissen teilen

Eine Zielsetzung des DLR ist es, sein Wissens- und Technologiepotenzial auch unternehmenspolitisch umzusetzen. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium wurde daher bereits 1995 in Oberpfaffenhofen eine Einrichtung für Technologiemarketing geschaffen. Unter dem Motto „Innovation2gether“ bildet diese Abteilung die Schnittstelle zu anderen Forschungseinrichtungen, Industrie und Ministerien und gibt so das umfangreiche Wissen des DLR weiter. So können auch Industriekunden von den zukunftsträchtigen und marktorientierten Technologien, die hier entwickelt werden, profitieren. Auch Existenzgründer werden von der Abteilung von der Ideenphase bis zur Markteintrittsphase professionell betreut. Rund 15 Ausgründungen gibt es bereits, die ihre zunächst im DLR entwickelten Produkte nun der Industrie anbieten können. Der Einrichtung für Technologiemarketing ist es mit zu verdanken, dass auch der DLR-Standort in Oberpfaffenhofen seinen Etat zu rund einem Drittel selbst erwirtschaftet.

Zuletzt geändert am:
08.09.2016 11:52:44 Uhr

Kontakte

 

Dr. Reinhold Busen
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Leitung der Standorte Oberpfaffenhofen, Weilheim und Augsburg

Tel.: +49 8153 28-2420

Fax: +49 8153 28-1243
Miriam Poetter
Deutsches Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation Oberpfaffenhofen

Tel.: +49 8153 28-2297

Fax: +49 8153 28-1243