Wirtschaftsförderer mit grünem Daumen: Dr. Gerd Gruppe, Vorstand des DLR Raumfahrtmanagements

Freitag, 12. August 2011

Von Michael Müller

Seit dem 1. April 2011 ist Dr. Gerd Gruppe als Mitglied des DLR-Vorstandes zuständig für das Raumfahrtmanagement in Bonn. Eine erste Zwischenbilanz nach drei Monaten im Amt, Gelegenheit zur Reflexion über Schwerpunkte und Schwerelosigkeit, Bergbau und Tagebau, Grundlagenforschung und Anwendung. Die Reihe "Menschen im DLR" erläutert den Alltag des Vorstandes für Raumfahrtmanagement.

Zum ersten Mal kommt Gerd Gruppe Mitte der 1980er Jahre in München mit der Raumfahrt in Berührung: Nach seiner Promotion in Augsburg im Bereich Marketing setzt er ein frisch ins Leben gerufenes Technologie-Markteinführungsprogramm der Bayerischen Staatsregierung in die Praxis um. Schon bald hat er beste Kontakte zu den in und um München ansässigen Firmen aus der Branche geknüpft. Wenn er den Luft- und Raumfahrtstandort Bayern zur damaligen Zeit beschreibt, gerät er ins Schwärmen, der Zuhörer sieht die blühenden Unternehmen förmlich vor sich. Ende der Achtziger Jahre verebbt der "Space Boom" an der Isar; auch weil es an einem visionären Unterstützer in der Politik fehlt.

Eine prägende Erfahrung für Gerd Gruppe in dieser Zeit: "Raumfahrt ist ein staatsgetriebener Markt. Bis heute gilt: Der Staat muss dort ständig präsent sein, denn Raumfahrt leistet Grundlagenforschung und ist eine Infrastruktur unserer modernen Kommunikationsgesellschaft." Mit den Plänen für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo hält nach einem schwierigen Jahrzehnt neue Aufbruchsstimmung Einzug. Es kommt zu vielen Neugründungen von Unternehmen. Hiervon profitiert auch das DLR in Oberpfaffenhofen, nicht nur durch die dortige Ansiedelung des Galileo Control Centers, sondern auch durch den Ausbau der Bereiche Robotik und Erdfernerkundung. An all diesen Weichenstellungen ist Gerd Gruppe maßgeblich beteiligt.

Erste Berufserfahrung unter Tage

Ursprünglich schaute der Wahlmünchener jedoch nicht in Richtung Himmel, wenn es um seine berufliche Zukunft ging, sondern in Richtung des Erdinneren. Aufgewachsen inmitten des rheinischen Braunkohle-Reviers in Eschweiler bei Aachen, entscheidet er sich, anders als die meisten seiner Altersgenossen, für ein Ingenieurstudium und schreibt sich an der RWTH Aachen im Fach Bergbau ein. "Fast alle anderen Mitschüler wurden Ärzte oder Lehrer", erinnert sich Gerd Gruppe, "aber es gab auch Vorteile: Wir waren nur zu elft im Semester." Zu den Studienschwerpunkten Tiefbau, Tagebau und Bohrtechnik gesellen sich Fächer wie Geologie, Mineralogie und Bergrecht. Sich selbst bezeichnet der spätere Bergassessor als Technik-Generalist. Von den praktischen Aspekten seines Studiums, der Tätigkeit unter Tage, ist er angetan. Bei einem Studienaufenthalt in Südafrika bestaunt er die dortige Kohle-Förderung: In wenigen Minuten fuhren riesige Schaufelradbagger die Tagesförderung einer großen Steinkohlezeche in Deutschland. "Da wurde mir klar, dass der Bergbau hierzulande keine Zukunft hat. Im Grunde wollte ich nie "in die Steinkohle" gehen, aber in diesem Moment hatte ich es auch innerlich erfasst."

Konkurrenz belebt das Raumfahrt-Geschäft

Spricht man mit Menschen, die beruflich mit Raumfahrt zu tun haben, kommen oft Kindheitserlebnisse zur Sprache: Sonntag, 20. Juli 1969. Nahezu überall auf der Welt sitzen Menschen gebannt vor dem Fernseher, auch der siebzehnjährige Gymnasiast Gerd Gruppe. Es ist der Tag der ersten Landung von Menschen auf dem Mond. Als NASA-Astronaut Neil Armstrong um 21.17 Mitteleuropäischer Zeit die legendäre Meldung "The Eagle has landed" zur Bodenstation sendet, ist Gerd Gruppe ein Fan der Raumfahrt geworden. "Wir sahen die Übertragung damals bei den Nachbarn. Das Fernsehbild war wahnsinnig schlecht, weil das Originalmaterial von den Monitoren im NASA-Kontrollzentrum abgefilmt wurde." Trotzdem bewegte die erste Mondlandung damals alle Menschen, egal ob jung oder alt, erinnert sich Gruppe. "Unser Physiklehrer glaubte nicht an einen Erfolg: Er befürchtete, die Rückkehrkapsel mit den drei Astronauten an Bord würde den richtigen Eintrittswinkel verfehlen und in der Erdatmosphäre verglühen. Die Optimisten haben Recht behalten."

Nicht nur wegen der physikalischen Machbarkeit war Gerd Gruppe damals zum ersten Mal von der Raumfahrt bewegt: "Mich begeistern bis heute zwei Dinge: der Vorstoß in neue Gebiete und der Wettbewerb; zu zeigen, dass man den Anderen eine Nasenspitze voraus ist". 1969 war die Raumfahrt Teil des Wettstreits der politischen Systeme Ost und West. 2011 buchen die US-Amerikaner erste Flüge bei den Russen zur Internationalen Raumstation. China geht in punkto bemannter Raumfahrt derzeit erste Schritte. Die politischen Vorzeichen ändern sich, der Wettbewerbsgedanke hat Bestand.

Technologischer Brückenschlag vom All zur Erde

In seiner aktuellen Position findet Gerd Gruppe den Blick aus dem All auf die Erde genauso spannend wie die Erkundung fremder Himmelskörper. Irritiert ist er, wenn Raumfahrt - wie etwa bei der Astronomie bisweilen der Fall - in Existenz-Rechtfertigungszwänge verstrickt werde. Dabei habe die Raumfahrt einen Auftrag, der aus sich selbst heraus begründbar ist, mit derselben Daseinsberechtigung versehen wie beispielsweise die Biologie oder Geologie. Die systematische Erforschung der Planeten hält Gerd Gruppe für ein interessantes Ziel, "weil wir Aussagen über die Entstehung der Erde und des Weltalls finden - klassische, technologiepolitisch legitime Wissenschaft und ein Aufbruch zum Unbekannten."

Für die Zukunft sieht Herr Dr. Gruppe drei gleichbedeutende Raumfahrtthemen: Erforschung des Weltraums, Schaffung neuer Technologien für den Weltraum und - da wirkt Vergangenheit im Bayerischen Wirtschaftsministerium nach - die Nutzung und Anwendung auf der Erde. Dabei geht es ihm vor allem um die Nutzung von Weltraumtechnologien in Hightech-Existenzgründungen. Die liegen ihm besonders am Herzen: "Hier kann und muss man mehr tun!"

Ein funktionierendes Netzwerk zwischen Raumfahrt-Technologen und Unternehmern außerhalb der Raumfahrt will Gerd Gruppe herstellen, eine schwierige Aufgabe, wie er selbst sagt. An der Schnittstelle von Wissenschaft, Industrie und Politik will er als Vorstand des Raumfahrtmanagements gestalterisch tätig sein. Dabei sieht er seinen Platz nicht abgehoben, jenseits des Tagesgeschäftes. Auch in Detailfragen will er sich in seiner neuen Aufgabe "einmischen". Denn schließlich, so beschreibt Gerd Gruppe seine Arbeitsweise und lässt hier eine Prägung aus der Bergbau-Zeit durchblicken, gelte für ihn: "Ganz abstrakt, das liegt mir nicht so."
     
Gut angetroffen habe er es in Bonn, beruflich und privat. Ob er etwas vermisse? "Ja, meinen Garten. Gartenarbeit ist für mich Entspannung pur, mein großes Hobby." Persönlicher Ehrgeiz ist mit im Spiel, sein Garten soll zu allen Jahreszeiten ein Blickfang sein. Was sind die kleinen Hobbies? Klassische Musik und zeitgenössische Kunst: "Da hoffe ich auf neue Anregungen von der Kölner Kunstszene. Die möchte ich gerne erkunden. Auch wenn ich kein Sammler bin:  Ab und zu kaufe ich Bilder - meist moderne -, natürlich gemeinsam mit meiner Frau. Ein bemerkenswertes Erlebnis, das seinen ganz besonderen Charme besitzt. Für mich auch ein Vorstoß in neue Gefilde."

Zuletzt geändert am: 02.05.2012 10:17:58 Uhr

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Kontakte

Diana Gonzalez
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement, Kommunikation

Tel.: +49 228 447-388

Fax: +49 228 447-386

Seit 1. April 2011 im Amt: Dr. Gerd Gruppe

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Dr. Gerd Gruppe ist seit dem 1. April 2011 Vorstand für das Raumfahrtmanagement im DLR.

Dr. Gerd Gruppe während eines Studienaufenthalts in Südafrika

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Praktische Erfahrungen während seines Ingenieurstudiums im Fach Bergbau: Dr. Gerd Gruppe in Südafrika Ende der 1970er Jahre

Links

  • DLR Raumfahrtmanagement
    (http://www.dlr.de/rd/)