Augenärztin mit außergewöhnlichem Klientel: Dr. Claudia Stern

Montag, 23. Februar 2009

Von Marco Trovatello

Für die Medizinerin des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin ist Abwechslung vorprogrammiert

Die Tür zum Untersuchungsraum öffnet sich und Augenärztin Dr. Claudia Stern wirbelt über den Flur der Fliegerärztlichen Untersuchungsstelle im Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Sie holt noch rasch eine Probierbrille, um die Augenuntersuchung eines angehenden Segelfliegers abzuschließen. Zu Claudia Stern kommen erfahrene Astronauten, Privat- und Berufspiloten, Ballonfahrer, Luftschifffahrer und Segelflieger immer dann, wenn sie ihre fliegerische Tauglichkeit nachweisen müssen. So untersucht Claudia Stern jährlich über 700 Piloten aus dem gesamten Bundesgebiet sowie alle europäischen Astronauten. In unserer Porträt-Reihe „Menschen im DLR“ stellen wir die Augenärztin für die ganz besonderen Fälle vor.

Tauglich oder Untauglich heißt auch Ja oder Nein zur Lizenz

Von der Untersuchung bei Claudia Stern hängt für die Piloten und Astronauten viel ab, denn die Ergebnisse fließen mit ein in die Entscheidung darüber, ob sie weiterhin fliegen dürfen. Sie untersucht dabei unter anderem den Augeninnendruck, das Gesichtsfeld und die Reaktion des Auges auf Bewegung. Mit Spannung erwarten ihre Patienten das Untersuchungsergebnis und Claudia Stern muss gelegentlich Hiobsbotschaften überbringen. "Wenn ein junger Mensch mit 14 Jahren die Leidenschaft zum Fliegen entdeckt hat und dann die Tauglichkeitsanforderungen nicht erfüllen kann, dann leide ich mit", gibt die Augenärztin zu. Doch in solchen Fällen kann Claudia Stern noch Hoffnung machen und Möglichkeiten aufzeigen, künftig die Anforderungen zu erfüllen. Gezielt berät sie die Betroffenen, welche Therapie es für ihr Augenleiden gibt. Wirkliche Hiobsbotschaften übermittelt sie eher älteren und erfahrenen Fliegern. "Häufig bekomme ich zu hören 'Ich kann doch alles sehen', aber dieser subjektive Seheindruck reicht nicht aus, um eine Fluglizenz bei einer schwerwiegenden Erkrankung zu verlängern", schildert Claudia Stern Begegnungen mit routinierten Fliegern. "Erzählen sie diesen Patienten dann mal, dass sie nicht mehr fliegen dürfen. Das ist hart!", ergänzt sie. Astronauten, Luftfahrer und Piloten kommen häufig schon seit Jahren zu Claudia Stern. Sie kennt ihr Klientel genau, ebenso wie die beruflichen Anforderungen, die an die Astronauten, Luftfahrer und Piloten gestellt werden. Die meisten davon kann sie aus eigener Erfahrung nachvollziehen - Erfahrung, die sie als Mitfliegende auf unterschiedlichen Luftfahrzeugen gesammelt hat und die von Kunstflug mit Oldtimerflugzeugen über Hubschraubernachtflug bis hin zu Flügen unter Schwerelosigkeitsbedingungen reichen.

Vielseitigkeit und spannende Herausforderungen

Claudia Stern gehört seit zwölf Jahren als Fachärztin für Augenheilkunde zum Team der Fliegerärztlichen Untersuchungsstelle des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin. Ihre Aufgaben sind vielseitig und gehen über Augenuntersuchungen weit hinaus. Wenn sie nicht untersucht, arbeitet sie an der Verbesserung einer so genannten Restlichtbildverstärkerbrille. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Brille, die in der Dunkelheit vorhandenes Restlicht verstärkt. Diese Brillen tragen z. B. Hubschrauberpiloten der Bundespolizei bei Nachteinsätzen. Doch das Sehen mit diesen Brillen will gelernt sein. Wie eine Bildverstärkerbrille eingestellt wird und welche korrigierende, persönliche Brille für wen geeignet ist, erklärt Claudia Stern den Nutzern dieser Technik.

Aus der DLR-Bibliothek zur Fliegerärztlichen Untersuchungsstelle

Ihr Weg zur Luft- und Raumfahrt begann schon während des Medizinstudiums. Für Forschungsarbeiten zum Thema Flugmedizin recherchierte Claudia Stern Literatur, unter anderem in der Bibliothek des DLR in Köln. Sofort war sie fasziniert von den abwechslungsreichen medizinischen Themen und ihr war klar, dass sie beim DLR im Bereich der Flugmedizin arbeiten wollte. Im Jahr 1996 konnte Claudia Stern ihr persönliches Interesse für die Fliegerei und den Fallschirmsprung mit ihrer akademischen Ausbildung vereinen und im Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR einsteigen. Schon während des Studiums lernte sie Segelfliegen und kommt noch heute ins Schwärmen, wenn sie an ihre Segelflugausbildung denkt. Besonderen Glanz versprühen ihre Augen jedoch, wenn Claudia Stern von ihrem ersten Fallschirmsprung berichtet. Gegen den Willen ihrer Eltern wagte sie im Alter von 18 Jahren zum ersten Mal einen Fallschirmsprung. Dieses Gefühl der ungeahnten Freiheit beeindruckte Claudia Stern nachhaltig und verbindet sie bis heute mit der Fliegerei.

Voller Einsatz für Piloten und Fluglotsen

Wagt sie einen Ausblick, dann gibt es zwei Punkte, die ihr für die Zukunft viel bedeuten. Privat sind es ihre beiden Kinder, die ihr, wie sie sagt, einen anderen Blick auf die Dinge ermöglichen. Beruflich sind es international einheitliche Tauglichkeitsanforderungen für Piloten und Fluglotsen. An diesem Thema arbeitet Claudia Stern leidenschaftlich. Für sie ist es noch immer schleierhaft, weshalb es national unterschiedliche Anforderungen an Piloten und Fluglotsen gibt, obwohl sie alle unter dem gleichen Himmel tätig sind. Dieser Widerspruch war schon früh Grund für sie, sich in internationalen Gremien zu engagieren. So setzt sie sich für einheitliche Anforderungen in einer Fachgruppe der European Society of Aerospace Medicine (ESAM) und in einem NATO Exploratory Team ein. Und als Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin arbeitet sie mit an der Verbesserung der Sicherheit in der Luft- und Raumfahrt. "Um in internationalen Arbeitsgruppen mitzuwirken muss ich viel reisen und bin froh, dass mein Engagement so gut mit meiner Tätigkeit hier vereinbart werden kann und ich bei meinen Vorgesetzten Verständnis finde", sagt Claudia Stern. Die Inspiration aus dem internationalen Austausch mit Kollegen nutzt sie für Konferenzen in Deutschland. Regelmäßig spricht sie als Referentin vor Gästen aus allen Teilen der Erde zu den speziellen Anforderungen der Luft- und Raumfahrt an das Auge, z.B. auf einem Luftfahrtsymposium der Lufthansa. Weltweite Konferenzen sind Claudia Stern ebenso vertraut wie die alltäglichen Augenuntersuchungen. Schließlich lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie mit Spaß und Leidenschaft bei ihrer Arbeit ist: "Oft denke ich mir, wenn ich morgens in die Flugmedizin komme: Schön, dass ich hier sein kann."

Zuletzt geändert am: 02.05.2012 09:58:31 Uhr

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Kontakte

Marco Trovatello
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Schaut ihren Patienten tief in die Augen: DLR-Augenärztin Claudia Stern

Schaut ihren Patienten tief in die Augen: DLR%2dAugenärztin Claudia Stern

Mit großer Sorgfalt untersucht Dr. Claudia Stern Piloten, Astronauten und Luftschifffahrer. Die Augenuntersuchung ist ein Teil der umfangreichen Tauglichkeitsuntersuchung, die am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin durchgeführt wird.

DLR-Augenärztin Dr. Claudia Stern misst die Krümmung der Hornhaut

DLR%2dAugenärztin Dr. Claudia Stern misst die Krümmung der Hornhaut

Mithilfe des so genannten Keratographen zeichnet Dr. Claudia Stern ein Profil der Hornhaut. Anhand des Profils erkennt sie neben der Krümmung auch die Beschaffenheit der Hornhautoberfläche und mögliche Erkrankungen.

Links

  • DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
    (http://www.dlr.de/me/)
  • Fliegerärztliche Untersuchungsstelle des DLR
    (http://www.dlr.de/me/desktopdefault.aspx/tabid-1955/)
  • Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin
    (http://www.dglrm.de/)
  • European Society of Aerospace Medicine (ESAM)
    (http://www.esam.aero/)

Downloads

  • Claudia Stern: "Positive Atmosphäre" (1,43 MB)
    (http://www.dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/videos/2011/dlr_claudia_stern_Zitat3_1-58s_positiveatmo_multidiszi.mp3)
  • Claudia Stern: "Eine traumhafte Aufgabe" (1,41 MB)
    (http://www.dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/videos/2011/dlr_claudia_stern_traumhafteaufgabe.mp3)