Mobilität verstehen: Die DLR-Verkehrsforscherin Prof. Barbara Lenz

Mittwoch, 22. Juni 2011

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  • Barbara Lenz

    Institutsdirektorin Barbara Lenz untersucht den Verkehr von Morgen

    Institutsdirektorin Prof. Barbara Lenz und ihre Mitarbeiter forschen in den Schwerpunkten Wirtschafts- und Personenverkehr. Wie entwickelt sich unsere Mobilität in Zukunft, welche Rolle spielen die verschiedenen Verkehrsträger in 20 Jahren? Fragen wie diesen geht Barbara Lenz auf den Grund.

  • Barbara Lenz

    Barbara Lenz in ihrem Berliner Büro

    Ihr Büro beim DLR-Institut für Verkehrsforschung in Berlin ist die "Home Base" von Barbara Lenz.

Von Elisabeth Mittelbach

Sie ist die einzige Frau an der Spitze eines der 34 Forschungsinstitute und Einrichtungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Sie ist auch die einzige Professorin für Verkehrsgeografie in Deutschland mit einer DLR-Sonderprofessur an der Berliner Humboldt-Universität. Seit dem 1. Januar 2007 leitet Prof. Dr. Barbara Lenz das DLR-Institut für Verkehrsforschung in Adlershof im Berliner Süden, ist für die Inhalte und Strukturen des auf Verkehrssystemforschung ausgerichteten Instituts mit seinen 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortlich. In der Porträt-Reihe "Menschen im DLR" erzählt sie von sich und ihrer Rolle als Institutsleiterin. "Entspannung ist für mich, abends nach der Arbeit 15 bis 20 Minuten nach Hause zu radeln, ohne in Eile zu sein, sonntags zu wandern und mit meinem Mann zusammen große Spaziergänge in und um Berlin zu machen", berichtet die habilitierte Geografin und strahlt.

Von Stuttgart nach Berlin

2002 kam die gebürtige Stuttgarterin zum DLR nach Berlin. "Damals war ich Mitte 40 und habe gedacht, das ist eine Chance, die kommt vielleicht nicht wieder", erinnert sich die heute 56-jährige Professorin. Barbara Lenz begann als Leiterin der Arbeitsgruppe "Raum und Verkehr" bei den Berliner Verkehrsforschern des DLR. Denn schon während ihres Studiums hatte sie sich umfangreich mit Verkehrs- und Mobilitätsfragen befasst. "Besonders ausgiebig habe ich mich mit dem Thema beschäftigt, wie sich Produktionsstandorte im Zeitalter der Globalisierung entwickeln und welche Rolle dabei Verkehr und Logistik spielen. Es ist einfach spannend zu sehen, wie unterschiedliche Märkte miteinander verzahnt sind und welche Funktion Innovationen im Transport- und Logistik-Sektor dabei übernehmen – sie ermöglichen nicht nur eine internationale Produktion, sondern sind zunehmend auch deren Katalysator." So lag es nahe, dass Barbara Lenz beim DLR in Berlin zunächst vor allem den Zusammenhang zwischen der räumlichen Struktur und dem daraus resultierenden Verkehrsbedarf und der Verkehrsentwicklung untersucht hat.

Vom Verlag in die Wissenschaft

Ihre ersten Berufserfahrungen hat die Verkehrsforscherin, die an der Stuttgarter Universität Geografie und Germanistik auf Lehramt studiert hat, jedoch im Journalismus gesammelt – nach dem Abitur absolvierte sie ein zweijähriges Volontariat bei einem Zeitungsverbund in der Region Stuttgart. Nach dem Studium folgten dann das Referendariat im Schuldienst und die Tätigkeit als Lehrerin an einer Privatschule, bevor Barbara Lenz die Möglichkeit hatte, an die Uni zurückzugehen, zu promovieren und zu habilitieren.

Auto, Bus, Bahn und Rad  "mit Köpfchen" nutzen

 

Prof. Barbara Lenz auf dem Weg zur Arbeit
  Prof. Barbara Lenz auf dem Weg zur Arbeit

Und was bedeutet Mobilität für sie persönlich? "Als unsere Kinder noch klein waren, wohnten wir außerhalb von Stuttgart in einem Dorf, da gab es nur einmal in der Stunde einen Bus. Dann habe ich halt das Auto genommen, obwohl mich das Autofahren in die volle Stadt schon irgendwann sehr genervt hat", erinnert sich die Verkehrswissenschaftlerin. Das sei in Berlin wesentlich besser. Hier nutzt Barbara Lenz regelmäßig Bus und Bahn, um von A nach B zu kommen. Das Auto bleibt stehen. Doch gänzlich möchte sie nicht darauf verzichten: "Jedes Verkehrsmittel hat seine Berechtigung, doch wir sollten auch Alternativen zulassen und einfach überlegen, für welche Strecke wir welches Fahrzeug benutzen. Manchmal sind ja sogar die Füße die flexibelste Art, unterwegs zu sein", sagt sie und lacht wieder. Schon diese bewusste Entscheidung ist für Barbara Lenz ein nicht zu unterschätzender Beitrag für nachhaltige Mobilität. Und das sei ein wesentliches Ziel: "Es genügt nicht allein, Verkehr zu verstehen. Wichtig ist vielmehr auch, zu erforschen, wie es gelingen kann – durch Technologien oder durch Verhalten – die negativen Umweltwirklungen des Verkehrs zu reduzieren."

Nachhaltigkeit bedeute dabei aber nicht nur, die Umwelt zu schonen, sondern auch, dass sich Gesellschaft und Wirtschaft von Heute zum Wohle der Menschen von Morgen entwickeln, ist die Wissenschaftlerin und Wissenschaftsmanagerin überzeugt.

Mobilitätsverhalten und Verkehrsnachfrage untersuchen

Technische Fragen spielen dabei zwar eine zentrale Rolle. Allerdings geht es der Institutsleiterin nicht darum, neue Technologien wie beispielsweise Elektrofahrzeuge, zu entwickeln. Wichtiger ist für sie die Frage, welche Auswirkungen solche Technologien auf die Mobilität der Menschen und damit auf Verkehrsnachfrage und -angebot haben. Was die Wissenschaftlerin dabei besonders schätzt, ist die Vernetzung der DLR-Institute untereinander: "Wir untersuchen ähnliche Forschungsgegenstände, aber aus ganz unterschiedlicher Perspektive."

Barbara Lenz ist jetzt fast zehn Jahre Verkehrsforscherin im DLR – folgen weitere zehn? Die 56-Jährige nickt zustimmend. "Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Es gibt noch viel zu tun. Zum Beispiel arbeiten wir gerade an den ,DLR-Verkehrsszenarien 2030’. Dabei möchten wir alle Verkehrsarten – vom zu Fuß gehen und Fahrradfahren bis hin zum motorisierten Verkehr mit Auto, Lkw, Bus und Bahn -  mit ihren Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft umfassend untersuchen und transparent darstellen, wo in diesem System die Stellschrauben sind. Doch ich allein kann da viel vorhaben. Wenn meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht engagiert und intelligent mitziehen, geht das nicht. Aber genau das tun sie!"

Eine "Chefin" mit Teamgeist

Barbara Lenz sieht ihre Aufgabe als "Chefin" deshalb auch teamorientiert: "Ich treffe Entscheidungen, zu denen ich auch stehe, die ich aber oft vorab auch mit Leuten diskutiere, die für den jeweiligen Kontext wichtig sind. Mitarbeitermotivation bedeutet für mich, flache Hierarchien mit einer hohen Transparenz und einer Atmosphäre zu schaffen, in der man kreativ arbeiten kann und sich auch wohlfühlt."

Einmal im Jahr entdeckt Barbara Lenz eine ganz neue Art von Mobilität: "Dann mache ich drei Wochen am Stück Urlaub, ohne Handy, Laptop und Termine – und wenn ich wiederkomme, hat sich die Welt weitergedreht, aber ansonsten ist nichts passiert", fügt sie augenzwinkernd hinzu.

Zuletzt geändert am:
02.05.2012 10:16:53 Uhr

Kontakte

 

Elisabeth Mittelbach
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Raumfahrtmanagement

Tel.: +49 228 447-385

Fax: +49 228 447-386
Prof. Dr. Barbara Lenz
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Verkehrsforschung, Institutsleiterin

Tel.: +49 30 67055-206

Fax: +49 30 67055-283