Heuschrecken im Weltraum: Untersuchung der Embryonalentwicklung

Das Experiment - Grillen im Weltraum

Auch bei diesem Experiment von Prof. Horn (Universität Ulm) ging es um den Einfluss der Schwerkraft auf die Embryonalentwicklung von Tieren, hier von Grillen. Insekten sind deswegen besonders interessante Studienobjekte, weil sich bei ihnen die Mechanismen der Wahrnehmung der Schwerkraft prinzipiell nicht von denen der Menschen und anderer an Land lebender Wirbeltiere unterscheiden. Die Schwerkraft wird hier durch das Zusammenspiel zweier Prinzipien erfasst, nämlich von echten Schweresinnesorganen sowie der Nutzung von Lageveränderungen des Körpers, die von Gelenkrezeptoren in den Beinen gemessen werden. Bei den Grillen wird diese von so genannten Kolbenhaaren geleistet, die sich an Körperanhängseln des Hinterleibs befinden.

Das Grillen-Experiment wurde während der italienischen Taximission Eneide im April 2005 durchgeführt und baut auf Ergebnissen der Spacelab-Mission Neurolab aus dem Jahre 1998 auf. Während bei Neurolab die Befruchtung der Eier vor der Mission noch auf der Erde stattgefunden hatte, erfolgte sie bei Eneide während des Aufenthalts in Schwerelosigkeit. Dadurch konnten sehr frühe Stadien bei der Entwicklung des Schweresinnes erfasst werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Entwicklung des Schwere-Sinnessystems in den Fühlern der Grillen sich weitgehend als unabhängig von den Schwerkraftbedingungen erweist, wogegen sich bestimmte Neurone im Gehirn veränderten. Da das Verhalten der Tiere jedoch weitgehend normal war, sprechen diese Befunde für eine schnelle Anpassung an modifizierte Schwerkraftbedingungen. Sehr wahrscheinlich wird das normale Verhalten ermöglicht durch ein neu gelerntes, modifiziertes Zusammenspiel aller bei der Schwereperzeption beteiligten Schwere-Sinnessysteme, das heißt dem Kolbenhaarsystem und dem Schweresinnesorgan im Kopf der Tiere. Damit konnten die Forscher bei Insekten eine ausgeprägte neuronale Plastizität nachweisen.

Crickets in Space:

Frühe Entwicklung von Grillen-Embryonen
Forschungsgebiet:Neurophysiologie
Zeitraum:April 2005
Einsatzbereich:Russischer Teil
Partner:ESA
Status: abgeschlossen 
Ansprechpartner: Prof. Dr. Eberhard Horn, Universität Ulm

Zuletzt geändert am: 16.06.2011 14:23:07 Uhr

URL dieses Artikels

  • http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10338/533_read-617/

Links

  • DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
    (http://www.dlr.de/me)
  • Universität Ulm, Institut für Angewandte Physiologie
    (http://physiologie.uni-ulm.de/)
  • ESA Special - Eneide Mission
    (http://www.esa.int/SPECIALS/Eneide/index.html)