PMDIS/TRAC: Reaktions- und Anpassungsfähigkeiten des Menschen unter veränderten Schwerkraftbedingungen

Die Rückkehr des Langzeitastronauten Thomas Reiter nach seiner erfolgreichen Astrolab-Mission mit dem amerikanischen Space Shuttle STS-116 kurz vor Weihnachten 2006 markierte den Beginn des in deutsch-kanadischer Kooperation stattfindenden Experiments PMDIS/TRAC (Perceptual Motor Deficits in Space/Test of Reaction and Adaptation Capabilities).

Bei diesem Experiment soll die Koordination von Bewegungen, insbesondere während den Anpassungsprozessen in der Schwerelosigkeit und nach der Rückkehr zur Erde untersucht werden. Im Detail untersuchen Sportmediziner der Universität Köln dabei, wie sich die manuelle Geschicklichkeit von Astronauten im Laufe einer Weltraummission verändert. Weitere Tests dienen zur Messung von Aufmerksamkeit, des räumlichen Wahrnehmungsvermögens und anderer kognitiver Funktionen.

PMDIS/TRAC ist ein gemeinsames Projekt der York-University Toronto (Prof. Barry Fowler) und der Deutschen Sporthochschule Köln (Prof. Otmar Bock) unter Beteiligung der NASA (Dr. Jacob J. Bloomberg). Die kanadische Raumfahrtagentur CSA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in seiner Rolle als Deutsche Raumfahrtagentur haben die Realisierung dieses Projekts ermöglicht: Das DLR hat im Wesentlichen die Entwicklung der Experimentanlage durch die Firma Kayser-Threde in München sowie die Forschung an der Sporthochschule unterstützt, Kanada als ISS-Partner stellt die notwendigen ISS-Ressourcen bereit.

Das ISS-Experiment baut auf früheren Forschungsergebnissen dieser Arbeitsgruppen auf. Während der Spacelab-Mission Neurolab im Jahr 1998 und auf späteren Parabelflügen hatten die Wissenschaftler herausgefunden, dass sich Versuchspersonen in Schwerelosigkeit mehr anstrengen, das heißt für die Lösung einer Aufgabe mehr Rechenkapazität im Gehirn zur Verfügung stellen müssen, wollen sie vergleichbar gute Ergebnisse erzielen wie unter normalen Schwerkraftbedingungen. Dies gilt so offenbar nicht für die Langzeitastronauten auf der ISS: Bei ihnen war die Feinmotorik über einen längeren Zeitraum beeinträchtigt und normalisierte sich nur langsam in der Schwerelosigkeit.

Die Ergebnisse aus diesen Experimenten sind nicht nur von Bedeutung für die Planung künftiger bemannter Weltraummissionen, sondern tragen auch zum besseren Verständnis der Bewegungskontrolle des Menschen bei. Das Thema "Motorisches Lernen" ist derzeit – nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft – ein intensiv bearbeiteter Zweig der neurowissenschaftlichen Forschung.


PMDIS/TRAC:

Test of Reaction and Adaption Capabilities

Forschungsgebiet:Humanphysiologie: Neurophysiologie
Zeitraum:Dezember 2006 bis Juli 2007
Einsatzbereich:US-Lab
Partner:Canadian Space Agency (CSA)
Status:abgeschlossenes Experiment
Ansprechpartner: Prof. Dr.med. Otmar Bock, Deutsche Sporthochschule Köln

Zuletzt geändert am: 16.06.2011 16:34:28 Uhr

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NASA-Astronautin Sunita Williams beim Training für das Experiment PMDIS/TRAC

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Die amerikanische NASA-Astronautin Sunita Williams beim Training für das in deutsch-kanadischer Kooperation stattfindende Experiment PMDIS/TRAC (Perceptual Motor Deficits in Space/Test of Reaction and Adaptation Capabilities) während der Mission STS-116.

Links

  • DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
    (http://www.dlr.de/me)
  • Deutsche Sporthochschule Köln
    (https://www.dshs-koeln.de/wps/portal)