SOLO: Wie kommt es zum Knochenschwund in der Schwerelosigkeit?

SOLO (Sodium Loading in Microgravity) hat Anfang Oktober 2008 begonnen und gehört damit zu den ersten im Cardiolab durchgeführten Experimenten. Das Cardiolab ist eine Anlage zur Herz-Kreislauf-Forschung, die in deutsch-französischer Kooperation entwickelt wurde. Sie ist Teil der European Physiology Modules (EPM) im Columbus-Labor. Beim Experiment SOLO untersuchen Mediziner den Zusammenhang zwischen Ernährung, Salz- und Flüssigkeitshaushalt sowie Knochen- und Muskelstoffwechsel beim längeren Aufenthalt des Menschen in Schwerelosigkeit.

Hintergrund dieser Forschung ist die Tatsache, dass Astronauten im Weltraum mit ganz ähnlichen Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben wie der alternde Mensch auf der Erde: Aufgrund der fehlenden Schwerkraft und der fehlenden Bewegung und Belastung kommt es zu Herz-Kreislauf-Problemen, Störungen des Gleichgewichts- und des Immunsystems, zu Muskelschwund und Knochenabbau (Osteoporose). Diese Veränderungen laufen beim Astronauten im Weltraum aber gewissermaßen im Zeitraffer ab und können deswegen hervorragend studiert werden, und – im Gegensatz zum Alterungsprozess – sind sie zum Glück für die Astronauten reversibel.

Ausgehend von früheren Untersuchungen auf der russischen Raumstation MIR konnte in Isolationsstudien und bei Experimenten mit unterschiedlicher Kochsalzzufuhr in Stoffwechsellabors ein bislang unbekannter Mechanismus der Salzspeicherung in der Haut entdeckt werden. Etabliertes Lehrbuchwissen über die strenge Kopplung zwischen Salz- und Wasserhaushalt war mit diesem Befund hinfällig geworden. Dieser Mechanismus scheint auch einen Effekt auf das Skelettsystem zu haben: Hohe Kochsalzzufuhr steigert demnach den Knochenabbau. Ein wesentliches Ziel des SOLO-Experimentes auf der ISS ist daher herauszufinden, ob eine hohe Kochsalzzufuhr im All den durch die Schwerelosigkeit ohnehin schon stattfindenden Knochenabbau noch intensiviert. Wegen des Zusammenhangs zwischen Salz, Ernährung und Bewegung mit Muskel-/Knochenstoffwechsel und Bluthochdruck sind diese Ergebnisse nicht nur für die Astronauten wichtig, sondern besonders für die Therapie dieser Erkrankungen beim Menschen auf der Erde.

Bei den kommenden ISS-Experimenten wird die Nahrung der Astronauten streng kontrolliert, Ausscheidungen, Bewegungen und Training genauestens erfasst und eine Vielzahl von physiologischen Daten erhoben, um zu einem möglichst umfassenden Bild der Physiologie des Menschen zu gelangen (so genannte "Integrative Humanphysiologie").

SOLO:

Sodium Loading in Microgravity

Forschungsgebiet:Humanphysiologie
Zeitraum:

Oktober 2008

Einsatzbereich:Columbus
Partner:ESA
Status:laufendes Experiment
Ansprechpartner: Dr. Martina Heer, DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin

Zuletzt geändert am: 27.06.2011 09:44:26 Uhr

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SOLO: Sodium Loading in Microgravity

SOLO: Sodium Loading in Microgravity

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  • DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
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