2003 - Ankunft von ATV in Bremen
Der Cargo Carrier des ATV Jules Verne kam im Oktober 2003 aus Turin bei EADS Space in Bremen an.
Quelle: ESA..
ATV im Thermal Vakuum Test
Beim Thermal Vakuum Test werden die extremen Umgebungsbedingungen in der Erdumlaufbahn simuliert. Dabei erzeugen Xenon-Hochdruck-Lampen (blaue Wabenstrukturen im Bild) die entsprechende Solarstrahlung in einer evakuierten und tiefgekühlten Testkammer. Das ATV und seine Komponenten werden dadurch unter annähernd realen Weltraumbedingungen getestet.
Test der ATV-Flugsensoren
Auf der 120 Tonnen schweren mobilen Plattform (rechts) ist die ATV-Andockstelle auf der ISS nachgebaut. Gegenüber, auf der linken Seite sind die Flugsensoren auf den Arm eines Industrie-Roboters montiert. Die Relativgeschwindigkeit zwischen den beiden Geräten ist genau so hoch, wie sie beim Andockmanöver zwischen Jules Verne und der ISS erwartet wird.
Wiederaufbau am Raumfahrtbahnhof Kourou
Das ATV, bestehend aus Antriebssegment (Equipped Propulsion Bay EPB) und Avioniksegment (Equipped Avionics Bay EAB) musste nach dem Transport zum Raumfahrtbahnhof Kourou wieder zusammengebaut werden.
Bereits 1987 führte die Europäische Weltraumorganisation ESA erste Untersuchungen zu einem ATV-ähnlichen Fahrzeug durch. Nachdem die ESA-Ministerratskonferenz 1992 in Granada beschlossen hatte, das Programm des europäischen Raumgleiters HERMES nicht fortzuführen, erfolgte eine inhaltliche Neuausrichtung der europäischen Beiträge zur Raumstation. Unter dem politischen Namen FREEDOM wurde diese seinerzeit als Kooperation zwischen den USA, Europa und Japan geplant. Losgelöst von der Frage eines eigenen bemannten europäischen Transportsystems, bestand unter den Fachleuten kein Zweifel an der Notwendigkeit, in Europa über bestimmte eigene Schlüsselkapazitäten für die Raumstation, so genannte Servicing-Elemente, zu verfügen.
1995: Der Raumtransporter ATV ist beschlossene Sache
Zu diesen Schlüsselkompetenzen zählte unter anderem das Automated Rendezvous and Capturing, also die Fähigkeit, selbstständig einen anderen Raumflugkörper im All anzusteuern und an ihm andocken zu können. Eng verbunden hiermit war die Idee eines Automated Transfer Vehicles für den automatischen Frachtverkehr zur Station. Aufgrund der seinerzeit definierten logistischen Anforderungen der Raumstation FREEDOM strebte die ESA bis zu zwei ATV-Flüge pro Jahr an. Für die mit Russland ab 1993 kontinuierlich neu angepasste Internationale Raumstation ISS sind jetzt bis zum Jahr 2013 mindestens fünf ATV-Flüge vorgesehen.
Nachdem die ISS-Betriebskosten ausgemacht worden waren, wurde ein so genanntes Barter-Abkommen mit der NASA verhandelt. Dieses regelt den Ausgleich der Betriebskosten durch Sachleistungen, so dass die Raumstationspartner möglichst keine Devisen untereinander austauschen müssen. Nach dem Beschluss der ESA-Ministerratskonferenz 1995 in Toulouse über die europäische Beteiligung an der ISS ging ATV in die Entwicklungs- und Konstruktionsphase.
Umfangreiches Testprogramm absolviert
Seit Mitte 2004 wurde der Prototyp Jules Verne umfangreichen Tests in den Hallen des europäischen Technologiezentrums ESTEC im niederländischen Noordwijk unterzogen. Bei Weltraummissionen muss alles glatt laufen, denn eine Reparatur im All ist nicht möglich. Daher werden alle Manöver, Prozeduren und Funktionen in aufwändigen und teils langwierigen Kampagnen getestet. Dabei werden die extremen Umgebungsbedingungen in der Erdumlaufbahn mit dem so genannten Thermal Vakuum Test simuliert. Xenon-Hochdruck-Lampen erzeugen bei diesen Tests die entsprechende Solarstrahlung in einer evakuierten und tiefgekühlten Testkammer. Ingenieure testen das ATV und seine Komponenten dadurch unter annähernd realen Weltraumbedingungen. Beim elektromagnetischen Verträglichkeitstest prüfen sie das Zusammenspiel aller elektrischen und elektronischen Komponenten. Unerwartete Störungen, die ein elektrisches Bauteil bei anderen verursachen könnte, lassen sich dadurch aufspüren.
Durchgeschüttelt vor dem Flug ins All
Weiterhin wird ATV einem mechanischen Belastungstest auf einem Rütteltisch, dem so genannten Shaker, unterzogen. Hier erfährt das Raumfahrzeug alle mechanischen Belastungen, die während der Start- und Aufstiegsphase auf die Raketennutzlast einwirken. Dazu gehören neben den Vibrationen, die von den Raketentriebwerken erzeugt werden, auch die Abwurfvorgänge von Stufen oder der Nutzlastverkleidungen ebenso wie zufällig auftretende Windböen oder Steuermanöver.
Andockmanöver am Boden
Spektakulär waren die Andocktests auf dem Testgelände der französischen Behörde für Wehrtechnik und Beschaffung DGA (Délégation Générale pour l'Armement) nahe Versailles. In einer normalerweise von der Marine genutzten, langen Halle wurden die letzten 300 Meter des autonomen ATV-Anflugs an die ISS mehrfach erfolgreich getestet. Hierfür wurden die Annäherungssensoren des ATV auf einen Roboterarm angebracht. Auf der anderen Seite wurde die Andockstelle des russischen Servicemoduls Swesda als Anflugziel für den Robotarm nachgebildet.
Ankunft in Kourou
Mitte Juli 2007 wurde ATV-1 Jules Verne in Rotterdam in Richtung Französisch Guyana verschifft. Am 31. Juli erreichte das Frachtschiff MS Toucan mit dem sorgfältig verpackten ATV-1 den Hafen von Kourou. Von dort aus gelangten die Frachtcontainer per Sattelschlepper zum europäischen Weltraumbahnhof.
In den Hallen des Startgeländes wurden die Container von den Ingenieuren entladen. In den Reinräumen bauten sie das ATV zunächst wieder zusammen. Noch ausstehende Tests wurden ebenfalls in Kourou durchgeführt. Im Dezember 2007 begann dann die Startkampagne, das heißt ATV-1 Jules Verne wurde mit der Nutzlast beladen und im Januar 2008 betankt. Gleichzeitig wurde die Trägerrakete Ariane-5 samt der Oberstufe für das ATV integriert und bereitgestellt.
Zuletzt geändert am:23.06.2011 16:39:36 Uhr