Mars Express

In die Zukunft geschaut: Der bemannte Flug zum Mars - medizinische und psychologische Probleme

Interview mit Prof. Dr. Rupert Gerzer vom 23. Dezember 2003, Leiter des Institutes für Luft- und Raumfahrtmedizin, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln-Porz.

Frage: Herr Prof. Gerzer, seit Jahren beschäftigen Sie sich mit medizinischen Fragestellungen, die Einfluss auf einen potenziellen bemannten Flug zum Mars haben könnten. Wie realistisch ist ein solcher Flug aus Ihrer Sicht, gibt es bereits Planungen?

  Prof. Dr. med. Rupert Gerzer

Prof. Gerzer: Bemannte Flüge zum Mars liegen noch weit vor uns. Trotzdem beschäftigen sich weltweit Raumfahrtagenturen und Wissenschaftler bereits heute - zum Teil sehr intensiv - mit diesem Thema.

Für solche Flüge müssen eine Reihe medizinischer und psychologischer Fragen geklärt und eine Reihe von Sicherheitsproblemen gelöst werden. Außerdem beschäftigt uns die Frage, wie eine Mond- oder Marsstation aussehen soll, in die nicht permanent Nachschub gebracht werden kann, sondern die autonom unter Wiederverwendung mitgebrachter Ressourcen existieren muss und in der Menschen für Monate oder Jahre leben sollen.

Frage: Was bringt das für uns hier auf der Erde?

Prof. Gerzer: Interessanter Weise zählen solche Fragen nach dem Funktionieren solcher "autonomer bioregenerativer Lebenserhaltungssysteme" heute zu wichtigen Fragestellungen des nachhaltigen Schutzes unserer Erde. Deshalb schließen wir im DLR uns bei den Vorarbeiten für diese Themenstellung mit Wissenschaftlern zusammen, die heute aktuelle Probleme beispielsweise der Abwasserreinigung, der Nutzung und Speicherung von Sonnenenergie, der Vermeidung und biologischen Regeneration von Abfall oder der ressourcensparenden Produktion von Nahrungsmitteln bearbeiten. Zu solchen Fragen gehören in der Medizin – in unserer immer älter werdenden Gesellschaft - auch Fragen der Rehabilitation, der Vermeidung von Osteoporose oder die Stärkung der körpereigenen Abwehr zum Schutz vor Krebs.

Frage: Worauf konzentrieren Sie sich bei den Forschungen: Auf die Erde oder den Weltraum?

Prof. Gerzer: Wir verfolgen im Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR dabei die Strategie: Lösung heute sowohl auf der Erde als auch für die bemannte Raumfahrt wichtiger Fragen, um morgen die Handlungsspielräume des Menschen zu erweitern und um dadurch der Realisierbarkeit von Zukunftsvisionen der bemannten Raumfahrt näher zu kommen.

Frage: Und wie geht es im Weltraum weiter?

Prof Gerzer: Ich selbst hoffe, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte zumindest die Rückkehr des Menschen auf den Mond erleben zu können.

Hinweis: Der Abdruck des Interviews, auch in Auszügen, ist erwünscht. Der Abdruck des Bildes ist honorarfrei mit der Copyright-Zeile DLR.

Zuletzt geändert am:
24.06.2011 10:40:43 Uhr