Als am 1. Juni 1990 der Röntgensatellit Rosat ins Weltall startete, nahm damit eine Mission ihren Anfang, mit der die Wissenschaftler zum ersten Mal den gesamten Himmel mit einem abbildenden Teleskop auf Röntgenquellen untersuchten. Röntgenstrahlen entstehen im Universum bei besonders heißen und energiereichen Prozessen. Dabei sind oft auch extreme Materiezustände wie Schwarze Löcher oder Neutronensterne beteiligt.
Um diese Prozesse zu verstehen, ist es wichtig, die Energieverteilung der Röntgenstrahlen zu bestimmen. Außerdem muss die Position der Röntgenquelle am Himmel möglichst genau abgeleitet werden, um ausgedehnte Strukturen zu untersuchen, aber auch um durch Beobachtungen bei anderen Wellenlängen ergänzende Informationen über die Röntgenquelle zu bekommen. Eine Beobachtung von der Erde aus ist nicht möglich, denn die Erdatmosphäre absorbiert Röntgenstrahlung - sie ist damit vom Boden aus nicht nachweisbar. Die Konsequenz: Um die Strahlungsquellen am Himmel untersuchen zu können, musste ein Teleskop außerhalb der Erdatmosphäre seine Bahnen ziehen.
Projektleiter und Auftraggeber für den deutschen Anteil des deutsch-amerikanisch-britischen Gemeinschaftsprojekts Rosat war die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (heute Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR).
Rosat, das bis dahin größte Röntgenteleskop, sollte in einer Missionszeit von 18 Monaten zwei Aufgaben erfüllen: In den ersten sechs Monaten wollten die Forscher des Max-Planck-Instituts für Extraterrestrische Physik (MPE) in Garching bei München systematisch den gesamten Himmel wie mit einem Scanner "durchmustern" und einen Himmelsatlas im Röntgenstrahlenbereich erstellen. Anschließend sollte der Röntgensatellit Rosat als Observatorium ein Jahr lang ausgewählte Röntgenquellen detaillierter untersuchen.
Da der Satellit jedoch auch nach Ablauf der offiziellen Missionsdauer noch funktionierte und Röntgenquellen aufzeichnete, wurde die Mission mehrfach verlängert. Etwa 80.000 kosmische Röntgenquellen wurden registriert, dazu mit einer weiteren Weitwinkelkamera auf dem Satelliten 6.000 Quellen im extremen Ultraviolettbereich. Über 4.000 Wissenschaftler aus 24 Ländern nutzten die Möglichkeit, in den acht Jahren Satellitenbetrieb Messungen in Auftrag zu geben und auszuwerten. Jeweils ein Jahr nach der Beobachtung wurden diese Daten in ein öffentliches Archiv gegeben.
Bereits im Januar 1991 waren einer der beiden PSPC-Detektoren (Position Sensitive Proportional Counter) sowie ein Filter der britischen Weitwinkel-Kamera durch Überhitzung zerstört worden. 1994 war der Gasvorrat des zweiten PSPC erschöpft, die Beobachtungen mit diesem Detektor mussten daraufhin eingestellt werden. Die Röntgenbeobachtungen konnten aber mit dem amerikanischen High Resolution Imager (HRI) fortgeführt werden.
Der Ausfall eines Sternsensors führte schließlich 1998 dazu, dass der HRI in Sonnenrichtung schaute und dabei irreversibel beschädigt wurde. Daraufhin, mehr als achteinhalb Jahre nach dem Start, wurde am 12. Februar 1999 der Röntgensatellit Rosat aufgegeben und abgeschaltet.
Missionsparameter
| Start | 1. Juni 1990 |
| Startort | Cape Canaveral, Florida, USA |
| Trägerrakete | Delta-II-Rakete |
| Missionsende | 12. Februar 1999 |
| Kontrollzentrum | Deutsches Raumfahrt-Kontrollzentrum des DLR, Oberpfaffenhofen (German Space Operations Center GSOC) |
| Bodenstation | Empfangsstation Weilheim des DLR |
| Masse des Satelliten | 2426 Kilogramm |
| Äußere Abmessungen | 2,20 Meter x 4,70 Meter x 8,90 Meter |
| Erdumlaufbahn | ursprünglich in ca. 580 Kilometer Höhe |
| Ausstattung | a) Röntgenteleskop: 4 Wolter-Spiegel: Größter Durchmesser 83 Zentimeter, Brennweite 2,4 Meter, Winkelauflösung besser als fünf Bogensekunden. Empfindlichkeitsbereich des Teleskops ca. 0,1 bis 2,4 keV. Detektoren: zwei Vieldrahtproportionalzähler (Position Sensitive Proportional Counter, PSPC); ein Kanalplattendetektor (High Resolution Imager, HRI); b) Weitwinkelkamera für Beobachtungen im extremen Ultraviolettbereich (WFC) |