Ariane - Europas Zugang zum All

Um Europa einen eigenen Zugang zum Weltraum zu ermöglichen, beschlossen die europäischen Staaten 1973 das Ariane-Programm, eines der insgesamt erfolgreichsten europäischen Technologieprogramme. Deutschland war von Anfang an ein wichtiger Partner. Im Rahmen der europäischen wie der deutschen Weltraumstrategie spielt der Raumtransport auch heute eine zentrale Rolle. Übergeordnetes Ziel ist die Bereitstellung eines zuverlässigen, flexiblen und wettbewerbsfähigen europäischen Trägersystems. Das Ariane-Programm erfüllt diesen Zweck seit 35 Jahren und stellt mit der Ariane 5 eine leistungsstarke Trägerrakete zur Verfügung. Flankiert wird das Angebot heute durch den Vega-Kleinträger und die russischen Sojus-Raketen, die wie Ariane ebenfalls von Europas Raumflughafen in Französisch-Guayana aus starten.

Ariane 5 - die zuverlässigste Trägerrakete der Welt

Die Ariane 5 verbucht die weltweit beste Bilanz aller regelmäßig eingesetzten Trägersysteme. Seit 1996 im Einsatz, ist Ariane 5 speziell darauf ausgelegt, im Doppelstart schwere Nutzlasten bis zu zehn Tonnen Gewicht in eine Erdumlaufbahn zu transportieren. Im Marktsegment der Startdienstleistungen für Telekommunikationssatelliten hat das europäische Trägersystem heute einen Anteil von über 50 Prozent. Sie brachte nicht nur über 100 Satelliten und Raumsonden ins Weltall, sondern befördert auch die europäischen Raumfrachter ATV (Automated Transfer Vehicle) zur Internationalen Raumstation ISS. Und sogar für eine der prestigeträchstigsten Weltraummissionen aller Zeiten, das James Webb Space Telescope von NASA, ESA und CSA, ist die Ariane vorgesehen: 2018 soll der Nachfolger des berühmten Hubble-Weltraumteleskops mit der europäischen Ariane 5 starten.

Ariane 5 ME "Midlife Evolution" für langfristige Wettbewerbsfähigkeit

Damit das Ariane-Trägersystem im internationalen Wettbewerb dauerhaft erfolgreich bleibt, muss es in regelmäßigen Abständen technisch angepasst werden. Ziel des aktuellen "Ariane 5 Midlife Evolution"-Programms der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist eine Anhebung der Nutzlastkapazität der Ariane 5 auf zwölf Tonnen. Unter Einsatz des vom DLR in Lampoldshausen getesteten neuen Vinci-Oberstufentriebwerks und einer höheren Treibstoffzuladung in der Oberstufe soll die Ariane 5 mit mehr Leistung und größerer Missionsflexibilität ausgestattet werden. Diese Leistungssteigerung um 20 Prozent ermöglicht, das Doppelstartprinzip auch bei stetig anwachsendem Startgewicht der Satelliten beizubehalten. Die Produktionskosten der Träger können unterdessen konstant gehalten werden. So stellen die proportional zur Nutzlastkapazität der Rakete steigenden Mehreinnahmen in Aussicht, die bislang erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen der europäischen Staaten obsolet zu machen.

Neben diesen am Markt und an der Wirtschaftlichkeit orientierten Aspekten erlaubt die neue Konfiguration der Ariane 5 auch wichtige Schritte hin zu einem ökologischeren Weltraumzugang: Die Ariane 5 ME kommt gänzlich ohne die giftigen hydrazinbasierten Treibstoffe aus und vermeidet Weltraumschrott durch gezieltes Entfernen der Stufe aus dem Orbit nach erfolgreicher Mission.

Perspektive Ariane 6 - Satelliten im Einzelstart

Das Betriebsmodell der Ariane 5 ist fokussiert auf Satellitenstarts im Doppelpack. Dieses wirtschaftlich interessante Doppelstartkonzept ist allerdings logistisch aufwändig, da es die Koordination zweier Kunden erfordert. Wünschenswert ist eine europäische Trägerrakete, die auch im Einzelstartbetrieb kostendeckend wäre. Aktuell sind die Preise für Startdienstleistungen auf dem Weltmarkt zu gering, um eine nach den bisherigen Prinzipien und den hohen Qualitätsstandards in Europa gefertigte Trägerrakete im individuellen Einzelstart wirtschaftlich betreiben zu können.

Hier soll das "Ariane-6"-Programm den Durchbruch bringen. Das auf Beschluss auf der ESA-Ministerratskonferenz 2012 in einer Vorbereitungsphase befindliche Projekt soll untersuchen, ob eine neu zu entwickelnde Trägerrakete Potenzial besitzt, auf dem Weltmarkt kostendeckend betrieben zu werden. Zahlreiche Studien haben unterdessen gezeigt, dass für einen wirtschaftlich erfolgreichen Einzelstartbetrieb die Startkosten pro Rakete gegenüber heute um mehr als Faktor zwei reduziert werden müssten, was ein überaus ambitioniertes Entwicklungsziel ist.

Untersucht wird eine Trägerkonfiguration, die in der Unterstufe eine Architektur aus gleichartigen Raketenmotoren auf Feststoffbasis nutzt, und die in der Oberstufe auf der Technologie der Ariane 5 ME aufbaut. Damit sollen sowohl die Entwicklungs- als auch Herstellungskosten minimiert werden. Ob die Ziele des Ariane 6 Projekts erreichbar sind und - wenn ja - wie die europäische Raumfahrtindustrie angepasst werden müsste ist Gegenstand der laufenden Untersuchung.

Ausblick

Ein wichtiger Meilenstein für die Zukunftsfähigkeit des europäischen Raumtransports sind die Entscheidungen, die im Rahmen der ESA-Ministerratskonferenz im Dezember 2014 in Luxemburg gefällt werden. Zur Absicherung der europäischen Marktposition bis ins nächste Jahrzehnt ist es von essenzieller Bedeutung, dass auf der Konferenz Mittel freigegeben werden, um die Entwicklung der Ariane 5 Midlife Evolution abzuschließen. Gleichzeitig müssen die Vorbereitungen zur Entwicklung der nächsten Trägerraketen-Generation Ariane 6 weiterlaufen, um mittelfristig das Konzept eines sich selbst tragenden, wettbewerbsfähigen Trägersystems zu konsolidieren. Der Ariane 6-Entscheidungsprozess braucht ausreichend Spielraum und Zeit, um alle technischen, wirtschaftlichen und raumfahrtpolitischen Realitäten und Randbedingungen zu berücksichtigen. So könnte mit Ariane 6 am Ende ein zukunftsfähiges Produkt entstehen, dem ebenso viel Vertrauen wie der Ariane 5 heute geschenkt werden könnte.

Zuletzt geändert am: 05.08.2014 10:34:41 Uhr

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65. Ariane-Mission

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65. Start der Ariane 5 am 28.09.2012 vom Europäischen Raumflughafen in Kourou.

Downloads

  • Broschüre: Trägerraketen - Europas Tor zum Weltraum (16,01 MB)
    (http://www.dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/documents/2014/Broschuere_Launcher_hires.pdf)