Erneuerbare Energien: Zahl der Beschäftigten sinkt 2013 um sieben Prozent

Montag, 26. Mai 2014

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Beschäftigungsentwicklung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie abgeschätzt

371.400 Menschen arbeiteten im Jahr 2013 in Deutschland im Bereich der erneuerbaren Energien, etwa sieben Prozent weniger als noch im Vorjahr. Einen regelrechten Einbruch der Beschäftigtenzahlen gab es im Bereich der Solarenergie, eine Zunahme dagegen in der Windenergie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Abschätzung, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und der Prognos AG im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) vorgenommen hat.

Photovoltaik: Installationsrückgang führt zu Rückgang der Beschäftigten

Der Umbau des deutschen Energiesystems kommt stetig voran. Die Erneuerbaren Energien konnten 2013 bereits mit über 25 Prozent zum deutschen Stromverbrauch beitragen. Sowohl die Investitionen in Deutschland als auch die Umsätze der deutschen Unternehmen waren dagegen das zweite Mal in Folge rückläufig. Verantwortlich für diese Entwicklung war im Jahr 2013 vor allem der Rückgang des Photovoltaik-Marktes. In Deutschland wurden Anlagen mit einer Leistung von 3,3 Gigawatt (-57 Prozent) neu errichtet. Gleichzeitig konnten die Systempreise erneut gesenkt werden. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Investitionen in diesem Bereiche damit in Summe um 62 Prozent zurückgegangen. "Der Rückgang der Installationen führte dazu, dass insbesondere Dienstleister wie Projektierer, Systemhäuser und Installateure, die den Aufbau der Anlagen übernehmen, Stellen abbauen mussten oder sich gar nicht mehr am Markt halten konnten", beobachtet Marlene O’Sullivan, Autorin der Studie beim DLR-Institut für Technische Thermodynamik. Im Bereich Photovoltaik führte dies zu einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen von 100.300 auf 56.000, also um 44 Prozent. Weniger stark ging die Zahl der Arbeitsplätze in den anderen Bereichen der Solarenergie, der Solarthermie und bei den solarthermischen Kraftwerken, zurück.

 
Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in den Erneuerbaren Energien von 2004 bis 2013, Quelle: DLR
  Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in den Erneuerbaren Energien von 2004 bis 2013, Quelle: DLR

Windenergie: Beschäftigung erreicht einen neuen Rekord

So schlecht das Jahr für die Photovoltaik verlief, die Windenergie hatte allen Grund zur Zufriedenheit. Der deutsche Markt hat - im Vergleich zur weltweiten Entwicklung - mit einem Zubau von knapp drei Gigawatt an seine besten Jahre anknüpfen können. Gleichzeitig ist es den deutschen Unternehmen gelungen ihre Exporterfolge aufrechtzuerhalten. Dementsprechend arbeiteten mit insgesamt 137.800 Menschen mehr denn je in diesem Bereich. Die Studie hat neben der Wind- und der Solarenergie auch die Entwicklungen im Bereich Wasserkraft, Geothermie, Biomasse sowie öffentlichen Forschungsaufträge untersucht. Für die meisten dieser weiteren Sparten der Erneuerbaren Energien beobachteten die Forscher Schwankungen im einstelligen Prozentbereich. "Interessant ist hierbei, dass die teilweise negative Entwicklung auf dem deutschen Markt in allen betroffenen Sparten durch erhöhte Exportaktivitäten abgemildert werden konnte", erläutert O’Sullivan.

Größter Arbeitsmarkt ist weiterhin der Anlagenbau

Der größte Teil der 371.400 Personen, die im Jahr 2013 direkt wie indirekt im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiteten, ist weiterhin im Anlagenbau für das In- und Ausland beschäftigt (62 Prozent). Mittlerweile arbeiten jedoch bereits 36 Prozent im Anlagenbestand, das heißt sie kümmern sich um den Betrieb und die Wartung von Anlagen sowie um die Brennstoff- und Kraftstoffbereitstellung. Der größte Teil der Arbeitsplätze war 2013 erstmals der Windenergie zuzuordnen. Der Bereich Biomasse hatte den zweiten Rang vor der Solarenergie inne. 70 Prozent der Beschäftigten konnten 2013 auf die Wirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zurückgeführt werden, was auch Exporterfolge der Sektoren mit einschließt, die ohne das EEG nicht entstanden wären.

Kurzfristige Perspektive ist uneinheitlich

Die Aussichten der erneuerbaren Energien-Branche in Deutschland sind in den kommenden Jahren eher schwierig einzuschätzen. "Die anvisierte Revision der Förderung sowie eine mögliche Neugestaltung des Marktes lassen vermuten, dass vorerst kein nennenswertes Beschäftigungswachstum zu beobachten sein wird. In vielen Firmen werden Themen wie die Stärkung der Exportaktivitäten sowie die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen im Vordergrund stehen", blickt O’Sullivan in die Zukunft. Wachstum im Bereich der Erneuerbaren Energien erwarten die Forscher in den kommenden Jahren vor allem im Ausland. Dabei nimmt die Relevanz von Regionen außerhalb Europas für die Erneuerbaren Energien ständig zu. In den kommenden Jahren werden insbesondere China, Japan sowie die USA die weltweite Entwicklung anführen. O’Sullivan geht davon aus, dass aber auch neue Zukunftsmärkte in Lateinamerika, Afrika sowie dem nahen Osten besondere Exportmöglichkeiten für die deutsche Industrie bieten werden.

Im Abschlussbericht des Forschungsprojektes, Beschäftigung durch erneuerbare Energien in Deutschland: Ausbau und Betrieb - heute und morgen, der voraussichtlich im November 2014 vorliegt, werden die Forscher einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland bis 2050 geben sowie die wichtige Frage der Nettobeschäftigung erneut beleuchten.

Den vollständigen Bericht zur Bruttobeschäftigung durch erneuerbare Energien in Deutschland im Jahr 2013 finden Sie veröffenlticht beim BMWi.

 

Zuletzt geändert am:
26.05.2014 15:34:47 Uhr

Kontakte

 

Dorothee Bürkle
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Redaktion Energie, Verkehr

Tel.: +49 2203 601-3492

Fax: +49 2203 601-3249
Marlene O Sullivan
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

DLR-Institut für Technische Thermodynamik, Systemanalyse

Tel.: +49 711 6862-667