News-Archiv

TerraSAR-X-Bild des Monats: Walderkundung in Gabun für die Vereinten Nationen

30. November 2010

 TerraSAR-X-Aufnahme von Gabun, 60 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Libreville
zum Bild TerraSAR-X-Aufnahme von Gabun, 60 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Libreville

Wie viel Waldfläche ist noch vorhanden? Und wie sieht die Landoberfläche aus - besteht das Gebiet aus Wald, Gebüsch, Wasser oder anderen Landschaftsformen? Ist wohlmöglich der bestehende Wald bereits von den Menschen für andere Zwecke zerstört worden? Für den Waldzustandsbericht der Vereinten Nationen ist jedes Detail wichtig. Doch die Bestandsaufnahme ist für Feldforscher mühsam. Bei Beobachtungen aus der Luft stört oftmals eine dichte Wolkendecke, die das Gebiet verhüllt. "Zum ersten Mal werden jetzt Radaraufnahmen von TerraSAR-X herangezogen", sagt Ralf Knuth von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Seit 2008 läuft das Projekt FRA-SAR 2010 (Forest Resources Assessment with Synthetic Aperture Radar), mit dem die Vereinten Nationen in Zukunft die Lücken in ihrem Waldzustandsbericht füllen wollen. Der Radarsatellit kann die Erde unabhängig von Wolken und Tageszeit abtasten. "Für die Testphase wurden als Stichproben gerade Gebiete mit einer starken Wolkenbedeckung ausgewählt", erklärt Knuth, der mit seinen Kollegen die Daten auswertet. "Beispielsweise innerhalb der Tropen."

Die TerraSAR-X-Aufnahme des Monats zeigt ein Gebiet im westafrikanischen Staat Gabun. 210.000 Quadratkilometer und damit 70 Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt. Etwa 60 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Libreville in der Nähe der Mündung des Flusses Komo hat der Radarsatellit auf unbewohntes Gebiet geblickt. "Sehr wahrscheinlich handelt es sich im zentralen Bildteil um Mangroven-Wald, an den sich tropischer Regenwald anschließt." Die glatte Oberfläche des Flusslaufs reflektiert dabei die Radarpulse des Satelliten vom Satelliten weg und erscheint daher dunkel. Die Waldfläche hingegen hat aus dem Weltall gesehen eine raue Textur, die die gesendeten Radarsignale unterschiedlich stark an TerraSAR-X zurückgeben.

Zunächst geschieht die Auswertung der TerraSAR-X-Aufnahmen durch Ralf Knuth, Robert Eckardt, Nicole Richter und Christiane Schmullius der Universität Jena. Dazu vergleichen die Wissenschaftler die Radaraufnahmen mit bisherigen optischen Aufnahmen der Landsat-Satelliten. Durch diesen Vergleich kann genau analysiert werden, wie der Radarsatelliten bestimmte Landschaftsformen wiedergibt. Diese Erfahrungswerte bilden anschließend die Basis für ein Analyseprogramm, mit dem die Radarbilder automatisiert ausgewertet werden. Das Ergebnis könnten dann Karten sein, die die Landschaftstypen klassifiziert und als Wasser, Wald oder Gebüsch ausweist.

"Die eigentliche Feldforschung vor Ort und die Auswertung optischer Aufnahmen aus der Luft werden natürlich weiterhin stattfinden, mit den Aufnahmen von TerraSAR-X können zusätzlich unzugängliche Gebiete auch unter einer Wolkendecke aus dem Weltall erkundet werden", sagt Knuth. Alle Daten zusammen genommen sollen dann ein vollständiges Bild der momentanen weltweiten Waldsituation liefern. 2011 soll das Projekt mit der Auswertung der Fernerkundungsdaten abgeschlossen sein. Dann entscheiden die Vereinten Nationen, wie man die Analyse von Radardaten in zukünftigen Bestandsaufnahmen einsetzen kann.


Kontakt
Manuela Braun
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Redaktion Weltraum

Tel: +49 2203 601-3882

Fax: +49 2203 601-3249

E-Mail: manuela.braun@dlr.de
URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/eo/desktopdefault.aspx/tabid-5731/9295_read-27762/
Texte zu diesem Artikel
TerraSAR-X-Bild des Monats: Das Auge des Taifuns "Megi" (http://www.dlr.de/eo/desktopdefault.aspx/tabid-11/129_read-27445/usetemplate-print/)
TerraSAR-X-Bild des Monats: Auf den Spuren der Ölkatastrophe (http://www.dlr.de/eo/desktopdefault.aspx/tabid-11/129_read-25786/usetemplate-print/)
TerraSAR-X-Bild des Monats: Die Nasca-Linien in Peru (http://www.dlr.de/eo/desktopdefault.aspx/tabid-11/129_read-25333/usetemplate-print/)
TerraSAR-X-Bild des Monats: Mexico City (http://www.dlr.de/eo/desktopdefault.aspx/tabid-4237/6774_read-24560/usetemplate-print/)
TerraSAR-X-Bild des Monats: Die Osterinsel - die einsamste Insel der Welt (http://www.dlr.de/eo/desktopdefault.aspx/tabid-11/129_read-23474/usetemplate-print/)
TerraSAR-X-Bild des Monats: Die Internationale Raumstation ISS als Radarbild (http://www.dlr.de/eo/desktopdefault.aspx/tabid-1/86_read-22539/usetemplate-print/)
Downloads zu diesem Artikel
Nutzungsbedingungen für wissenschaftliche Anwender (http://www.dlr.de/eo/Portaldata/1/Resources/forschung_und_entwicklung/missionen/terrasar_x/TSX_User_Licence_1.1.pdf)