NDMC (Network for the Detection of Mesopause Change) ist gegenwärtig auf die Beobachtung der oberen Mesosphäre (ca. 80-100 km Höhe) ausgerichtet; mittelfristig soll der Fokus auf die gesamte Mesosphäre ausgeweitet werden. Beteiligt sind gegenwärtig 47 wissenschaftliche Einrichtungen aus 21 Staaten. NDMC ist assoziiert mit dem WMO-GAW-Programm und dem Network for the Detection of Atmospheric Composition Change, NDACC, und ist zwischenzeitlich bereits als offizieller Bestandteil von GEO im Themenbereich „Climate“ akzeptiert. NDMC wurde 2007 gegründet und wird von der Abteilung AT mit Unterstützung des Freistaates Bayern und in Absprache mit der Universität Buenos Aires, Argentinien, koordiniert.
Betrieben und weiterentwickelt wird das in NDMC eingebundene bodengebundene Infrarot-Spektrometer GRIPS (Ground-based Infrared P-branch Spectrometer). Derzeit ist jeweils ein GRIPS Instrument in der UFS und im DLR-DFD in Oberpfaffenhofen stationiert. Weitere GRIPS- und damit NDMC-Messstationen sollen in den kommenden Jahren aufgebaut werden. GRIPS misst mit großer Präzision und hoher zeitlicher Auflösung jede Nacht berührungslos und vollautomatisch die OH*-Temperatur in der Mesopausenregion (ca. 80-90 km Höhe). Ausgenutzt wird das Phänomen des Luftleuchtens („Airglow“), das durch photochemisch angeregte Hydroxylmoleküle (OH) erzeugt wird. Ein O2-Photometer namens TANGOO (Tilting-filter spectrometer for Atmospheric Nocturnal Ground-based Oxygen & hydrOxyl emission measurements) wird GRIPS durch die zusätzliche Erfassung des Höhenbereichs von etwa 90-100 km ergänzen. Auch soll dieses System an eine leistungsfähige Infrarotkamera („All-Sky Airglow-Imager“) gekoppelt werden.
Ein Ziel der Messungen ist die frühe Erkennung von Klimasignalen z.B. für die Überprüfung der Wirksamkeit des Kyoto-Protokolls. Klimaveränderungen sollten dort frühzeitig erkennbar sein, da der vom Menschen verursachte zusätzliche Treibhauseffekt nach neuesten Berechnungen in der Mesosphäre wegen der dort sehr effektiven Strahlungskühlung („cooling-to-space“) um etwa ein bis zwei Größenordnungen stärker ausgeprägt und damit früher nachweisbar sein sollte als in den unteren Atmosphärenschichten. Auch die Untersuchung grundlagenwissenschaftlicher Fragestellungen ist Teil der im Team WDC-RSAT/NDMC laufenden Arbeiten mit GRIPS und TANGOO. Der Standort Zugspitze bietet die Möglichkeit, atmosphärische Schwerewellen am Ort ihrer Entstehung zu studieren. Die Arbeiten werden zur Verbesserung der Schwerewellenparametrisierung in Klimamodellen beitragen und so deren Projektionsgüte verbessern helfen. Eine Weiterentwicklung von GRIPS wird die Erfassung von Infraschallwellen ermöglichen, wie sie z.B. aktive Vulkane, Tsunamis oder auch Stürme erzeugen; Naturgefahren können so schnell erkannt werden. Hierzu wird insbesondere ein leistungsstarkes Mustererkennungsverfahren entwickelt. Das System ist – in Kooperation mit der Industrie – vorgesehen für den Einsatz in so genannten Multi-Hazard-Frühwarnsystemen der nächsten Generation, wie sie gegenwärtig etwa von der WMO im Auftrag der Vereinten Nationen konzipiert werden. GRIPS wird in Zukunft verstärkt eingesetzt zur Validierung satellitenbasierter Messungen z.B. von ENVISAT-SCIAMACHY oder TIMED-SABER sowie zur Verifikation von Klimamodellen z.B. HAMMONIA durch Vergleiche zwischen GRIPS- und modellbasierten Daten. Weitere Forschungsschwerpunkte im Team WDC-RSAT/NDMC ist die Untersuchung des Einflusses solarer Signale auf die Atmosphäre sowie der großräumigen Dynamik der Mesopausenregion, insbesondere die Untersuchung der Aktivität planetarer Wellen.