Der DLR-Wildretter: High-Tech für den Tierschutz



Abb. 1: Ein Rehkitz, versteckt im hohen Gras
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Abb. 2: Der tragbare Wildretter im Einsatz
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Abb. 3:Testaufbau für Wildrettersysteme am Traktor
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Abb. 4:Fliegender Wildretter bei der Suche

Rettung vor dem Mähwerk

Jährlich werden in Deutschland mehrere hunderttausend Wildtiere bei der Frühjahrmahd von Mähwerken erfasst, verstümmelt oder getötet - Rehkitze, Junghasen, Fasane, Rebhühner und andere Bodenbrüter gleichermaßen. Lange Zeit waren alle Versuche gescheitert, den Tieren dieses Leid zu ersparen. Seit 1999 wird ein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen entwickeltes Gerät in stetig steigender Zahl von Landwirten und Jägern mit Erfolg eingesetzt. Es spürt bei der Frühjahrsmahd mit Infrarot-Sensoren das Wild auf und sichert ihm Überleben und Unversehrtheit (Abb. 1). Dieser sogenannte Infrarot-Wildretter wird von der Firma isa industrieelektronik GmbH in Weiden vertrieben.

Die Forschungsarbeit schreitet voran

Der Infrarot-Wildretter (Abb. 2) ist als tragbare Variante äußert hilfreich bei der Suche von Rehkitzen. Für den Einsatz am Traktor ist er allerdings nur bedingt geeignet. Denn gemäht wird meist bei warmem, sonnigem Wetter. Dann aber hat sich die Wiese bereits an manchen Stellen stark erwärmt. Da der Infrarotwildretter auf Temperaturunterschiede reagiert, werden diese warmen Stellen im Gras ebenfalls gemeldet. Für den Landwirt bei der Arbeit sind häufige Fehlalarme aber nicht zumutbar. Aus diesem Grund startete im April 2008 ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungsprojekt. Das Projektteam umfasst neben dem DLR die Industriepartner Fa. CLAAS und Fa. isa industrieelektronik, sowie als assoziierte Partner die TU München, die Uni Hohenheim sowie den Jagdverband Bayern. Projektziel ist es, einen am Mähwerk montierten Wildretter zu entwickeln, der während der Mahd sehr zuverlässig nur Wild detektiert. Eine der zu untersuchenden Varianten sieht die Montage verschiedener Sensoren an einem Auslegerarm am Mähwerk vor (Abb. 3). Damit wird der nächste Mahdstreifen untersucht. Bei einem Alarm bleibt somit genügend Zeit, die Tiere in Sicherheit zu bringen, bevor dieser Streifen gemäht wird. Neben den bewährten Infrarotdetektoren wird u.a. an einem Radarsystem und an verschiedenen intelligenten Kamerasystemen (im sichtbaren Spektrum und im thermischen Infrarotbereich) gearbeitet. Die Kombination mehrerer Sensortechnologien verspricht eine deutlich höhere Erkennungswahrscheinlichkeit.

Kitzrettung auch aus der Luft: Der „Fliegende Wildretter“

Der rasante technologische Fortschritt der letzten Jahre im Bereich kleiner unbemannter Fluggeräte macht diese auch als Plattform für Wildrettungssysteme attraktiv. Zum Einsatz kommt beim IMF ein sog. Oktokopter, ein Drehflügler mit acht Rotoren, der ferngesteuert eine Nutzlast von bis zu 0,5 kg über eine Flugzeit von rund 16 Minuten tragen kann (Abb. 4). Ausgerüstet mit einer Infrarot- und einer Videokamera, deren Bilder in Echtzeit zur Bodenstation gefunkt werden, sucht der Wildretter aus einer Höhe von 50 m in dieser Zeit eine Fläche von etwa 4 ha ab. Die ersten Experimente mit dem Oktokopter haben 2011 die grundsätzliche Tauglichkeit des Systems nachgewiesen - bei Einsätzen in verschiedenen Regionen Bayerns und Österreichs wurden damit 16 Rehkitze gefunden.
Die anstehenden Folgearbeiten sollen nun zeigen, ob sich aus der Idee und dem ersten Funktionsmuster ein marktfähiges System entwickeln lässt.

Die Problematik der Wildrettung während der Frühjahrsmahd und eine Zusammenstellung der bisher untersuchten Lösungen zeigt das Video „Wildretter - Für Tierschutz und Landwirtschaft“ (siehe rechte Spalte)

Auszeichnungen und Preise

Die Arbeiten des Instituts für Methodik der Fernerkundung und seiner Partner auf dem Gebiet der Wildrettung wurden mehrfach ausgezeichnet:

Jahr Preis/Auszeichnung Gegenstand
07/2013 Innovationspreis 2013 der Gesellschaft von Freunden des DLR „Fliegender Wildretter“
04/2012 Ehrenpreis für Naturschutz 2012 (Jägervereinigung Oberhessen e.V.) Entwicklung und Erprobung eines Trägersystems mit Sensortechnik zur Auffindung wildlebender Tiere beim Mähen landwirtschaftlicher Flächen
01/2012 „Ausgewählter Ort 2012″ im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen″ „Fliegender Wildretter″
04/2011 Innovation Award der SIMA2011, Paris (internationale Fachmesse für Lieferanten der Landwirtschaft) „sensortechnisches System zur Auffindung wild lebender Tiere beim Mähen landwirtschaftlicher Flächen″
11/2000 Innovationspreis 2000 des DLR Erfolgreicher Technologietransfer für den tragbaren Infrarotwildretter


Kontakt
Dr.-Ing. Peter Haschberger
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

Institut für Methodik der Fernerkundung
, Experimentelle Verfahren
Tel: +49 8153 28-1336

Fax: +49 8153 28-1337

E-Mail: Peter.Haschberger@dlr.de
Martin Israel
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

Institut für Methodik der Fernerkundung
, Experimentelle Verfahren
Tel: +49 8153 28-3562

Fax: +49 8153 28-1337

E-Mail: Martin.Israel@dlr.de
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http://www.bauernzeitung.at/?id=2500%2C115829%2C%
http://www.jagd-bayern.de/fileadmin/_BJV/Jagd_In_Bayern/jib_2011_07/JiB_7_11_kitzrettung.pdf
http://www.wildretter.de
http://www.wildretter.de/forschung
Downloads zu diesem Artikel
Fliegender Wildretter: Erfahrungen 2012 (http://www.dlr.de/eoc/Portaldata/60/Resources/dokumente/3_imf_ev/Wimmer_Rehkitzrettung.pdf)
Wildretter, Status 04/2012 (http://www.dlr.de/eoc/Portaldata/60/Resources/dokumente/3_imf_ev/Wildretter_Projektinfo_2012.pdf)
Video: Wildretter (http://www.dlr.de/eoc/Portaldata/60/Resources/videos/Wildretter_DLR-Logo_320x180.wmv)