Insbesondere bei schnell und unvermittelt eintretenden Naturgefahren sind die für die Frühwarnung und den Katastrophenschutz verantwortlichen Entscheidungsträger vor die schwierige Aufgabe gestellt, auf Basis von noch unvollständigen Informationen und unter großem Zeitdruck Entscheidungen zu treffen (z.B. ob Gebiete zu evakuieren sind).
In diesem internationalen und interdisziplinären Anwendungsfeld konzentrieren wir uns auf Entscheidungsunterstützungssysteme (Decision Support Systems, DSS), welche unter Verknüpfung von Online-Sensorinformationen, Simulationsergebnissen, Risiko- und Vulnerabilitätsanalysen und umfangreichen Geodaten den Entscheidungsträgern Unterstützung bieten.
In der Abteilung Informationstechnik stellt derzeit die Tsunamifrühwarnung für Indonesien und die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans den Schwerpunkt im Bereich der Frühwarnsysteme dar. Im Rahmen des Deutsch-Indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems (GITEWS) wurde in den letzten Jahren ein Tsunamifrühwarn-DSS entwickelt, welches sich im Frühwarnzentrum in Jakarta im 24/7-Testbetrieb befindet.
Der verfolgte ganzheitliche Systemansatz umfasst neben der Softwareentwicklung auch die bedarfsgerechte Hardware- und Infrastrukturplanung einschließlich der Schulung der Entscheidungsträger und des technischen Personals. So wurde beispielsweise für den Projektpartner BMKG, der von der Zentrale in Jakarta aus die hoheitliche Aufgabe der Tsunamifrühwarnung für Indonesien wahrnimmt, die Gesamtsystemplanung und –umsetzung von der technischen und infrastrukturellen Ausstattung über die Warnraumgestaltung und –ausrüstung bis hin zu Hochverfügbarkeitskonzepten übernommen.
Besonderer Wert bei der systemtechnischen Konzeption und Umsetzung wird auf nachhaltige, standardbasierte Architekturen und Ansätze gelegt. Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit sind zwei Gesichtspunkte, die nicht nur bei der Verarbeitung von Geodaten und Sensordaten und dem internationalen Austausch von Warnmeldungen eine Rolle spielen. Hierbei werden auch projekt- und abteilungsübergreifende Synergien genutzt.
Desastermanagement macht nicht an Landesgrenzen halt. Im Fall der Tsunamifrühwarnung beteiligt sich das DFD aktiv an den Aktivitäten des International Oceanographic Committee der UNESCO (UNESCO/IOC), die im Indischen Ozean und anderen Regionen weltweit den Aufbau von fortschrittlichen und vernetzten Tsunamifrühwarnsystemen koordiniert. Ein ähnliches System ist auch für den Mittelmeerraum in Planung.
Zukünftig werden neben der Frühwarnung, die zur Preparedness-Phase des Disastermanagement-Zyklus zählt, auch Anwendungen aus anderen Phasen abgedeckt werden, wie z.B. auf Planungs- und Ressourcenmanagementebene. Die Systemkonzepte lassen sich ebenso im Bereich der Monitoring- und Umweltinformationssysteme anwenden, bei denen die Aspekte des Entscheidens unter Zeitdruck und die Schnelligkeit der beobachteten Prozesse nicht im Vordergrund stehen.
Im Bereich Krisen- und Umweltinformationssysteme werden neben dem Projekt GITEWS weitere modulare, konfigurierbare Systeme erstellt und Systemintegrationen vorgenommen. Projektbeispiele hierfür sind im Umfeld des Wasserinformationsmanagements die Projekte WISDOM (Mekongdelta) und CAWA (Zentralasien).