In Folge der weltweit immer häufiger werdenden Naturkatastrophen gewinnt die Modellierung des Risikos von Naturgefahren betroffen zu werden immer mehr an Bedeutung.
Primäres Ziel der Risikomodellierung ist dabei die Entwicklung von Werkzeugen zur Analyse der Risiken von (Natur-)Gefahren und die Bereitstellung von Informationen und Produkten, die im (Natur-)Katastrophenmanagement Einsatz finden.
Wir definieren den Begriff Risiko nach ISDR (2004) als "Die Wahrscheinlichkeit schädlicher Konsequenzen oder erwarteten Schäden (Tote, Verletzte, Besitz, Lebensgrundlage, ökonomische Aktivität oder Umweltschäden), die aus der Wechselwirkung zwischen Naturgefahren oder anthropogenen Gefahren sowie verwundbaren Gegebenheiten herrühren".
Um das Risiko von Natur- (oder anthropogenen) Gefahren zu modellieren, müssen zwei Komponenten analysiert werden: die Gefährdung (hazard) und die Verwundbarkeit (vulnerability).
Dabei wird in der Analyse der Naturgefahr(en)
- die Auftrittswahrscheinlichkeit und die Intensität
- sowie die räumliche Ausprägung und Verteilung
berücksichtigt. Die Verwundbarkeitanalyse an sich ist von der Naturgefahr unabhängig. Ihre Analyse umfasst folgende Komponenten:
- Analyse der Exposition und Anfälligkeit von verwundbaren Elementen (In welchem Ausmaß kann die Bevölkerung, Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt geschädigt werden)
- Analyse des Bewältigungspotentials von Mensch und Umwelt (Fähigkeit der Menschen, adäquat auf Naturgefahren zu reagieren sowie nach Eintreffen einer Naturgefahr die vorherige Lebensgrundlage / -qualität wiederherzustellen bzw. die Fähigkeit der Umwelt, sich zu regenerieren)
Für die vollständige Umsetzung dieser Aspekte erfordert die Risikoanalyse einen interdisziplinären Ansatz, der naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Forschung verbindet.
Unsere Arbeit ist darauf ausgerichtet, Konzepte und Methodiken zu entwickeln die diese Komponenten für eine Naturgefahr adäquat beschreiben und quantifizieren. Räumlich aufgelöste Risiko- und Verwundbarkeitsinformationen sind wichtige Elemente im Katastrophenschutz. Naturgefahrenvorsorge und Anpassungsstrategien können nur auf einer zielgerichteten Risikoanalyse basieren.
Die entwickelten Risikoprodukte bieten spezifische Informationen zu den jeweiligen Phasen im Katastrophenschutzzyklus. Eine gezielte Verwendung von Risikoinformationen und -produkten zur Minderung des Naturgefahrenrisikos vor einem Ereignis sowie zur Unterstützung der Krisenreaktion und -bewältigung wird dadurch ermöglicht. Hierbei sind folgende Phasen zu nennen:
Vor einer (Natur-)Katastrophe
- Erhöhung des Gefahrenbewusstseins und der Vorbeugung
- Entwicklung von Strategien zur Reduzierung des Risikos durch Anpassung und Minderung der Auswirkungen von Naturgefahren
- Verbesserung der Krisenmanagementkapazitäten
- Evakuierungs- und Notfallplanung
Während einer (Natur-)Katastrophe
Nach einer (Natur-)Katastrophe
- Katastrophenhilfe / Nothilfe
- Wiederaufbau, Wiederherstellung
Die zielorientierte Dokumentation in Form von technischen Anleitungen sowie Richtlinien stellt eine weitere wichtige Aufgabe dar, um Methodiken und Ergebnisse der Risikomodellierung in Strategien für das Katastrophenmanagements auf lokaler und nationaler Ebene umzusetzen (z. B. UNESCO-IOC Richtlinien Tsunami-Risikoanalyse)
Nicht zuletzt sind Capacity-Building-Maßnahmen (Training, Workshops) ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit, um das Wissen über die Risikomodellierung spezieller Naturgefahren in potentiellen Krisengebieten aufzubauen oder weiterzuentwickeln.