Aerosolretrieval



Als Aerosole werden feste und flüssige Partikel in der Luft mit Durchmessern von 0.001 bis 100 Mikrometern bezeichnet. Die Verweilzeit dieser Partikel in der Troposphäre ist mit wenigen Tagen bis Wochen vergleichsweise kurz, so daß ihre globale Verteilung starke Variationen aufweist. Aerosole haben einen deutlichen direkten Einfluß auf die Strahlungsbilanz der Erde durch ihre Eigenschaft, einen Teil des Sonnenlichts in den Weltraum zurückzureflektieren. Ein Teil der Aerosolpartikel mit dunkler Oberfläche (z.B. Ruß) kann aber auch sichtbares Licht absorbieren und als Wärme in der unteren Atmosphäre speichern. Außerdem wirken Aerosole indirekt durch ihre Rolle als Kondensationskeime für die Tröpfchenbildung. Je nach Partikeleigenschaften können sie daher die Wolkenbildung und die Eigenschaften der Wolken (Helligkeit, Lebensdauer) beeinflussen. Außerdem können sie so regional den Wasserkreislauf beeinflussen.

Das Wissen über die globale Aerosolverteilung, ihre Zusammensetzung und die Klimawirkung ist derzeit noch sehr unvollständig.  Am DFD werden neue Retrievalverfahren für die Fernerkundung von Aerosolen und ihren Eigenschaften entwickelt, durch Vergleich mit Bodenmessungen validiert und für die Assimilation in Atmosphärenmodelle aufbereitet. Eine neue synergistische Methode (SYNAER) zur Auswertung von Daten der gleichzeitig messenden Sensoren SCIAMACHY und AATSR, die beide auf dem europäischen Umweltsatelliten ENVISAT fliegen, ermöglicht so seit 2003 die Beobachtung der Aerosol-optischen Dicke (ein Maß für die optisch wirksame Gesamtmenge der Aerosole) und eine Beschreibung der Zusammensetzung des bodennahen Aerosolgemisches aus verschiedenen Partikelgruppen (Sekundäraerosole, Seesalz, Ruß, Mineralstaub). Weiterhin werden Daten der geostationären MSG-Plattform zur Ableitung eines bitemporalen Staubindex genutzt, der insbesondere auch über hellen Wüstenflächen eine regelmäßige Beobachtung erlaubt.

Die Abbildung zeigt für den Zeitraum Juli – Oktober 2003 eine Karte über Europa und Afrika für das gesamte atmosphärischen Aerosols (Bildmitte) und die Komponenten Ruß(links) und Mineralstaub (rechts), wie sie aus ENVISAT-Daten abgeleitet wurden.


 


Kontakt
Dr.rer.nat. Thomas Holzer-Popp
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

Deutsches Fernerkundungsdatenzentrum
, Atmosphäre
Tel: +49 8153 28-1382

Fax: +49 8153 28-1363

E-Mail: Thomas.Holzer-Popp@dlr.de
URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/eoc/desktopdefault.aspx/tabid-5455/11452_read-26609/