Flugversuche für automatisch gestaffelte, parallele Anflüge



Aufnahme des DLR-Fliegers ATTAS aus der ebenfalls beteiligten Hawker
Im Rahmen von Grundlagenforschungen has das DLR-Institut für Flugführung in Kooperation mit der Flight Calibration Services GmbH, kurz FCS, Flugversuche am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg durchgeführt. Bei den Versuchen wurde ein neues Anflugverfahren auf Flughäfen mit einem parallelen Landebahnsystem erprobt. Dabei kamen der Flugversuchsträger ATTAS (Advanced Technologies Testing Aircraft System) des DLR sowie eine Hawker Beech King Air 350 der FCS zum Einsatz.

Normalerweise müssen parallel liegende Landebahnen über einen gewissen Mindestabstand verfügen, um als unabhängig angesehen zu werden. Ist der Abstand kleiner, muss ein definierter Staffelungsabstand zwischen anfliegenden Luftfahrzeugen eingehalten werden, auch wenn sie die verschiedenen Landebahnen des Flughafens anfliegen. Grund dafür ist die Gefährdung des nachfliegenden Luftfahrzeugs durch Wirbelschleppen, also unsichtbaren Luftverwirbelungen.

Da sich Wirbelschleppen hinter einem fliegenden Luftfahrzeug bilden, wird bei dem erprobten Verfahren das nachfliegende Flugzeug mittels hochgenauer 4D-Führung durch einen gekrümmten (Kreissegmente enthaltenden) Anflugweg (siehe Abbildung) direkt neben bzw. sehr kurz hinter das voraus fliegende Flugzeug gebracht. Die 4D-Führung bezeichnet dabei eine Flugführung, die die drei Dimensionen des Raums sowie die Zeit einbezieht. So werden die Wirbelschleppen umgangen und es können pro Zeiteinheit mehr Luftfahrzeuge auf dem Flughafen landen.

Die Staffelung des parallel anfliegenden Verkehrs erfolgt heutzutage manuell durch Lotsen und Piloten nach Sicht, so etwa am Flughafen San Francisco. Das DLR-Institut für Flugführung hat ein System entwickelt, das diese Staffelung automatisiert.

Vereinfachte Darstellung eines Standardanflugwegs (rot) und eines parallelen Anflugwegs (blau). Die Ankunftszeit des blauen Flugzeugs wird dabei an die des roten angepasst

Das nachfliegende Flugzeug muss dabei über ein komplexes, 4D-fähiges Flight-Management-System verfügen. Das voraus fliegende Flugzeug benötigt nur eine Standard-Ausrüstung, bei der automatisch zwei Mal pro Sekunde die eigene Position an andere Flugzeuge übertragen wird. Das 4D-Flight-Management-System des nachfliegenden Luftfahrzeuges kann diese empfangenen Informationen verarbeiten und berechnet damit exakt die voraussichtliche Ankunftszeit an dem Punkt, an dem sich die Luftfahrzeuge direkt nebeneinander befinden sollen.

Im Flugversuch am 6. Juni 2011 wurde bei mehreren Anflügen nachgewiesen, dass eine automatische Staffelung mit dem im DLR-Institut für Flugführung entwickelten System realisierbar ist.


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