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In-Flight-Simulator VFW 614 ATTAS



VFW 614 ATTAS

Der Flugversuchsträger ATTAS („Advanced Technologies Testing Aircraft System“) auf der Basis des zweistrahligen Kurzstreckenjets VFW 614 wird seit 1985 beim DLR gemeinsam von den Instituten FL und FT und dem Flugbetrieb in Braunschweig betrieben. Zuvor wurde er von den genannten Einrichtungen in Zusammenarbeit mit dem Flugzeughersteller mit einer Versuchsgrundausrüstung ausgestattet.

Diese umfasst neben Messanlage mit Datenaufzeichnung, Zusatzsensorik und Versuchsavionik insbesondere ein experimentelles elektro-hydraulisches Fly-by-wire/Fly-by-light-Flugsteuerungssystem, das es in Verbindung mit der als Backup verbliebenen mechanischen Flugsteuerung ermöglicht, mit sehr geringem Nachweisaufwand die Software für die Flugsteuerung zu modifizieren. Dadurch kann ATTAS zum Beispiel unter Einsatz der so genannten Modellfolgeregelung als fliegender Simulator ("In-flight-Simulator) eingesetzt werden, also als ein Flugzeug, das während des Fluges die Flugeigenschaften anderer Flugzeuge abbilden kann. Ebenso können bestimmte Umweltbedingungen wie beispielsweise Böen oder Wirbelschleppen simuliert werden. Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Erprobung automatisierter Anflugverfahren. Über bidirektionale Datenverbindungen ist auch die Fernführung des Flugzeugs möglich.

 

Fly-by-wire-Steuergrößen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während des gesamten Einsatzzeitraumes sind die Systeme des ATTAS ständig modernisiert und erweitert worden. So ist seit 2000 dank zusätzlich implementierter zertifizierter Hard- und Software der Fly-by-wire-Betrieb bis zur Landung zugelassen. Im Zeitraum von 2000 bis 2003 wurde im Rahmen einer DLR-Großinvestition eine technische Aufwertung des ATTAS durchgeführt. Es wurden wesentliche Basissysteme erneuert oder ergänzt, das Versuchssystem wurde modernisiert. Ziel des Upgrades war eine Attraktivitätssteigerung im Hinblick auf einen effektiven Einsatz bis in das Jahr 2010 oder darüber hinaus.

ATTAS Quicklook

Ein neues leistungsfähiges Datenmanagement- und Aufzeichnungssystem ermöglicht seither neben datensynchroner Audio- und Videoaufzeichnung vielfältige Quicklook-Darstellungen an Bord und stellt Netzwerkanbindungen für die Experimentatoren zur Verfügung. Nachgerüstete moderne Rechner ermöglichen den Einsatz von Software-Entwicklungswerkzeugen wie Matlab/Simulink zur zeitgemäßen Entwicklung von Experimentprogrammen. Zur Entwicklung und Erprobung der experimentellen Software steht ein Hardware-in-the-loop-Simulator mit Festsitzcockpit zur Verfügung.

Der Betrieb des ATTAS wurde von Beginn an von den Einrichtungen FT, FL, FB und seit 2007 MPL organisiert. Der Betriebsausschuss (BA) ATTAS setzt sich zusammen aus Vertretern dieser vier Einrichtungen. Der Vorsitz des Betriebsausschuss liegt beim Institut für Flugsystemtechnik. Die Zusammenarbeit im BA-ATTAS und auf Arbeitsebene funktioniert sehr gut und pragmatisch.

Wissenschaftliche Nutzung

In der über zwanzigjährigen Nutzung wurde ATTAS in zahlreichen Technologieprojekten eingesetzt und hat damit wesentlich zum Renommee des DLR beigetragen. ATTAS wird etwa 130 Stunden pro Jahr primär durch die DLR-Institute FT, FL und AS im genutzt, so dass insgesamt eine gute Auslastung des Systems vorliegt. Die Mehrzahl dieser Projekte setzt auf die Möglichkeiten der frei programmierbaren Flugsteuerung. Einer der Höhepunkte war sicherlich in 2002 die fliegende Simulation der Fairchild/Dornier DO 728 als Industrieunterstützung im Rahmen der Zulassung der Flugsteuerung der DO 728 einschließlich aller nichtlinearen Effekte. Dabei wurde die Technik der nichtlinearen Modellfolgeregelung im Flugversuch eingesetzt - weltweit einmalig.

ATTAS Sense & Avoid Sensorintegration

Sense & Avoid Sensorintegration

Weitere Beispiele aus den letzten Jahren: Direkt nach Erlangung der Fly-by-wire-Landefähigkeit im Jahr 2000 wurde ATTAS intensiv zur Erprobung und Optimierung automatisierter Entwurfsverfahren zur Entwicklung von Autoland-Reglern im Projekt REAL genutzt.

Mehrere ineinander greifende Projekte befassen sich mit der Wirbelschleppenforschung: Hierbei wurden von ATTAS selbst erzeugte und mit Hilfe eines auf der Tragflächen installierten Rauchgenerators markierte Wirbelschleppen mit der bordseitigen Sensorik genau vermessen Die so gewonnenen Daten dienten als Basis für die Generierung mathematischer Modelle, die dann in weiteren Schritten zunächst im Fluge simuliert wurden und gegenwärtig für die Auslegung und Erprobung von Reglern zur Verminderung der Flugzeugreaktion heran gezogen werden.

Verfahren zur Abmilderung von Böenlasten wurden in den Projekten AWIATOR (2003 bis 2005) und ACFA (seit 2008) erprobt. Ebenfalls seit 2008 werden neue Algorithmen zur Rekonfiguration des Steuerungssystems im Flug untersucht.

In verschiedenen Programmen wird ATTAS als „fliegendes Klassenzimmer“ eingesetzt: Seit mittlerweile acht Jahren werden Flugversuchsingenieurschüler der britischen Testpilotenschule Empire Test Pilots’ School (ETPS) auf ATTAS ausgebildet, und Studenten der Technischen Universität Berlin führen regelmäßig Praktika durch. Themenschwerpunkt ist hierbei jeweils die Modifikation und anschließende Bewertung von Flugeigenschaften. Mit der Bewertung von Flugeigenschaften befassten sich auch zahlreiche andere Projekte wie SCARLET (2000), AIDA (1997 bis 2008) und SAIFE (2006 bis 2007). Diese Aufstellung berücksichtigt nur Projekte unter maßgeblicher Beteiligung des Instituts FT; auf die zahlreichen Anwendungen anderer Institute sei hier nur verwiesen.


Großanlagen
In-Flight-Simulator VFW 614 ATTAS
In-Flight-Simulator EC 135 FHS
System Simulations ATTAS and FHS
Model Helicopter Test Stands ROTOS and ROTEST
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