ROTEST im DNW
Steuerpult des Rotorversuchsstandes
Hauptbestandteil beider hydraulisch angetriebener Systeme ist eine 6-Komponenten-Rotorwaage auf Basis von Dehnungsmessstreifen und Piezoaufnehmern zur Messung aller am Rotorkopf angreifenden statischen und dynamischen Kräfte und Momente. Beide Systeme bieten die Möglichkeit, mit verschiedenen Rotorköpfen (gelenkig, gelenklos) versehen zu werden und sind sowohl für Rechts- als auch Linkslauf ausgelegt. Weiterhin können beide Stände je nach Anforderung auch mit unterschiedlichen Waagen für Rumpf, Heckrotor oder Leitwerke erweitert werden, so dass nicht nur Rotoren, sondern auch Gesamtkonfigurationen vermessen werden können.
Mit Hilfe einer einzigartigen Datenerfassungsanlage können gleichzeitig bis zu 350 Kanäle aus dem drehenden und festen System (Waagendaten, Beschleunigungssensoren, Drucksensoren, Dehnungsmessstreifen, Temperaturen etc.) aufgezeichnet, weiterverarbeitet und zur Überwachung des Betriebszustandes des Modells verwendet werden. Zur Steuerung und Überwachung der Modelle dient ein modular aufgebauter Steuercontainer, welcher die Datenerfassungsanlage, ein Steuerpult und die Regelung der Hydraulik beinhaltet.
In den vergangenen Jahren wurden im DNW eine Reihe von Windkanaltests mit zahlreichen internationalen Partnern durchgeführt. In der Kampagne HELIFLOW (2000) stand die Erforschung der Strömungsphänomene, die bei der Interaktion zwischen Haupt-, Heckrotor und Rumpf entstehen, im Vordergrund.
2001 wurde im Rahmen des Projekts HART-II der Einfluss einer höherharmonischen Steuerung (HHC) mittels elektro-hydraulischer Aktuatoren auf das Vibrationsund Lärmverhalten eines BO 105 Rotors untersucht. Als zusätzliche Messtechnik kamen 3-Komponenten-PIV (Particle Image Velocimetry) zur Untersuchung der Blattwirbelstrukturen, eine Mikrofontraverse zur Messung der Akustik unterhalb des Rotors und eine optische Vermessung der Blattdeformation durch SPR (Stereo Pattern Recognition) zum Einsatz.
HeliNoVi
2004 fanden innerhalb des EU-Projekts HeliNoVi Versuche zum Einfluss verschiedener Konstruktionsparameter wie Heckrotorposition, -drehzahl und -drehrichtung, Abstand zwischen Hauptrotor und Rumpf auf das Lärm- und Vibrationsverhalten eines kompletten BO 105 Modells statt.
Für die Entwicklung eines zivilen europäischen Kipprotorflugzeuges wurden zwischen 2006 und 2007 drei Windkanalkampagnen mit einem Halbmodell im DNW durchgeführt, an denen das Team des Rotorversuchsstandes mit der Datenerfassung und Steuerung der Modelle beteiligt war. Die Besonderheiten des Modells sind unabhängig voneinander verstellbare Innen- und Außenflügel, deren Belastungen mit je einer Waage gemessen werden können und die jeweils mit einer zusätzlichen Hinterkantenklappe ausgerüstet sind. In TILTAERO wurde die Rotor-Flügel-Interaktionsaerodynamik untersucht, in ADYN der Einfluss eines optimierten Rotors auf die Akustik und in ADYN II das Flatterverhalten der Flügel-Motorgondel-Kombination.
GOAHEAD