Aktuelles

Luftverkehrsbericht 2011 ist erschienen

15. Januar 2013

Seit 2004 informiert der jährlich erscheinende Luftverkehrsbericht des DLR über aktuelle
Entwicklungen im deutschen, europäischen und weltweiten Luftverkehr. Aus dem
umfangreichen Datenmaterial, das dem Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr
mittlerweile aus amtlichen Statistiken, Erhebungen und Daten der Luftverkehrswirtschaft
vorliegt, werden grundlegende Kennziffern zur Struktur und zu Entwicklungen im
Luftverkehrsbereich zusammengetragen und aufbereitet. Im Vordergrund steht dabei zwar
der Luftverkehr Deutschlands, aufgrund seiner internationalen Verflechtung wird jedoch auch
der europäische und globale Luftverkehr in seinen Mengen und Veränderungen beschrieben.
Der Bericht folgt auch in diesem Jahr der bewährten Struktur, nach der zunächst die
Verkehrsströme im innerdeutschen und grenzüberschreitenden Verkehr beschrieben
werden; danach folgen die Darstellungen der Entwicklungen der Fluggesellschaften und der
Verkehre auf den Flughäfen in Deutschland und der Luftverkehrsentwicklungen in Europa
und der Welt. In zwei weiteren Beiträgen wird zum einen über die Business Aviation auf den
Flughäfen und –plätzen in Deutschland und zum anderen über Aufkommen und Strukturen
der Luftfracht in Deutschland informiert. Letztlich wird in einem Sonderbeitrag das DLR-Luftfrachtmodell
beschrieben, mit dem ein einsatz- und ausbaufähiges Modellwerkzeug zur
Analyse und Prognose des deutschen und globalen Luftfrachtgeschehens erarbeitet wird.
Damit wird über die eigentliche Aufgabe des Luftverkehrsberichts, der Kommentierung von
Daten zum Luftverkehr, hinausgehend über ein methodisches Vorgehen berichtet, das
wegen des Mangels an strukturierten Daten in der Luftfracht auch dazu dienen soll, ein
möglichst vollständiges Bild der Luftfrachtströme zu ermitteln.

In der folgenden Übersicht sind die wichtigsten Kennziffern des Luftverkehrs Deutschlands,
Europas und der Welt im Jahre 2011 zusammengestellt. (Um Vergleichbarkeit zwischen den
Daten Deutschlands, Europas und der Welt zu erzielen, weichen die Werte teilweise von den
im entsprechenden Berichtsteil ausgewiesenen Werten ab.) Nach dem Krisenjahr 2009, in
dem das Passagieraufkommen Deutschlands um 4,6 % zurückgegangen ist, hat sich der
Luftverkehr in den Folgejahren erholt und hat in 2011 ein Volumen von 103 Mio. Einsteigern
auf den deutschen Flughäfen erreicht. Damit hat der Luftverkehr in den zwei Jahren (2009:
92 Mio. Einsteiger) um 11 Mio. Einsteiger bzw. um 12 % zugenommen. In gleichem Zeitraum
ist der Passagierverkehr in Europa um 9,5 % auf 822 Mio. beförderte Personen und im
globalen Luftverkehr um 14,8 % auf 2.738 Mio. Passagiere gestiegen.

Weitaus dynamischer als der Passagierverkehr hat sich der Frachtverkehr seit dem Jahr
2009 erholt, nachdem dieses Segment im Krisenjahr 2009 stärker als der Passagierbereich
zurückgegangen war. Allerdings hat die Wachstumsdynamik im Jahr 2010/11 deutlich
nachgelassen, so dass weltweit das Frachtaufkommen in dem Jahr nur noch um 1,4 %
gestiegen ist, in Deutschland dagegen noch um 8,0 %. Dagegen ist das Flugaufkommen
recht stabil geblieben, das Flugaufkommen in und von und nach Deutschland ist um 0,6 %
auf 1.743 Tsd. Flüge gesunken. Im Netz von weltweit ca. 2.500 Flughäfen wurden über
30 Mio. Flüge von den Fluggesellschaften durchgeführt, davon im Verkehr mit und in Europa
7,6 Mio. Flüge.

Die Verkehrsleistung im Passagierverkehr, gemessen in Pass-km, ist insbesondere im
globalen Luftverkehr eine wichtige Kenngröße, die noch direkter als das Passagieraufkommen
den Konsum an angebotenen Verkehrsleistungen der Fluggesellschaften
wiedergibt. Im Mittel sind die ca. 2,7 Mrd. Passagiere in 2011 nahezu 1.850 km weit pro
Strecke geflogen und haben damit eine globale Verkehrsleistung von 5.062 Mrd. Pass-km
erbracht, 6,5 % mehr als im Vorjahr.

Die weltweit größten Fluggesellschaften sind in den USA beheimatet. War es im Jahre 2009
noch Southwest mit über 100 Mio. Passagieren, so ist nach der Fusion mit Northwest in
2010 Delta Air Lines die größte Fluggesellschaft. Im Jahre 2011 beförderte Delta Air Lines
164 Mio. Passagiere, gefolgt von Southwest Airlines mit 135 Mio. und American Airlines mit
86 Mio. Passagieren. An vierter Stelle folgt bereits der größte europäische Low Cost-Carrier
Ryanair mit 76 Mio. Passagieren. Ryanair ist damit auch die größte Fluggesellschaft in
Europa, knapp gefolgt von dem Airlineverbund von Air France und KLM mit 75 Mio.
Passagieren und der Lufthansa mit 65 Mio. Passagieren. In Deutschland bleibt die Lufthansa
unangefochten die größte Fluggesellschaft. Vergleicht man die Fluggesellschaften nach den
Flügen, ergibt sich ein ähnliches Bild, allerdings ist hier Air France-KLM mit 748 Tsd. Flügen
die größte Airline Europas.

Ähnlich wie die Fluggesellschaften finden sich auch die größten Flughäfen in den USA. Unter
den zehn größten Flughäfen weltweit befinden sich vier US-Flughäfen, nämlich Atlanta,
Chicago, Los Angeles und Dallas/Fort Worth. Der seit Jahren größte Flughafen ist Atlanta
mit über 90 Mio. Passagieren (Ein- und Aussteigern). Er ist der Heimat- und Hubflughafen
von Delta Air Lines, dem größten Carrier weltweit. Allerdings ist der zweitgrößte Flughafen
nicht ein US-Flughafen, sondern Peking mit fast 79 Mio. Passagieren, gefolgt von dem
größten europäischen Flughafen London-Heathrow. Atlanta ist mit 924 Tsd. Starts und
Landungen auch der Flughafen mit dem höchsten Flugaufkommen, gefolgt von Chicago und
Los Angeles. In Europa ist, wie bereits festgestellt, London Heathrow mit 69 Mio.
Passagieren der verkehrsreichste Flughafen, bzw. Paris Charles de Gaulle mit 514 Tsd.
Flügen der Flughafen mit dem höchsten Flugaufkommen. In Deutschland ist Frankfurt seit
langem der größte Flughafen, sowohl nach Passagieren (56,4 Mio.) wie auch nach Flügen
(487 Tsd.).

Dem Wesen nach ist der Luftverkehr im Gegensatz zu den Bodenverkehrsträgern in den
meisten Ländern sowohl im Passagebereich wie auch im Frachtbereich international
ausgerichtet. Die große Ausnahme bilden die USA, wo mehr als 90 % des Luftverkehrs
binnenländischer Verkehr ist. Bezogen auf Deutschland fliegen drei Viertel aller Passagiere
im grenzüberschreitenden Verkehr. Weltweit beträgt der Anteil der Verkehrsleistung, die auf
internationalen Strecken erbracht wird, über 60 %. Den mit Abstand größten Verkehrsstrom
zwischen den Weltregionen findet man auf der Nordatlantikroute zwischen den USA und
Europa, im Jahre 2011 nutzten hier fast 65 Mio. Passagiere das Flugzeug. Der Strom
zwischen Europa und dem Fernen Osten ist mit über 40 Mio. Passagieren der zweitgrößte
Strom, es folgen die Ströme zwischen dem Nahen und dem Fernen Osten mit 35,9 Mio., den
USA und Mittelamerika mit 33,2 Mio. und zwischen Europa und Afrika mit fast 30 Mio.
Passagieren. Der stärkste Luftverkehrsstrom in Europa ist der durch den Urlaubsverkehr
gekennzeichnete Verkehr zwischen dem Vereinigten Königreich und Spanien mit 31,5 Mio.
Flugreisenden. Es folgt der entsprechende Strom zwischen Deutschland und Spanien mit
22 Mio. Passagieren, der damit auch den stärksten internationalen Verkehrsstrom
Deutschlands darstellt.

Der Low Cost-Verkehr hat in den letzten 10 Jahren in Deutschland und Europa infolge seiner
niedrigen Preise für ein dynamisches Wachstum dieses Segments gesorgt. Zudem hat der
Low Cost-Verkehr den Wettbewerb zwischen etablierten Netzcarriern und den Low Cost-
Carriern verschärft, so dass sich die Geschäftsmodelle der Fluggesellschaften annähern.
Nach Jahren des starken Wachstums ist seit 2008 eine Saturierungstendenz des Low Cost-
Verkehrs zu beobachten, zumindest haben sich die Wachstumsraten denen des klassischen
Linienverkehrs angenähert und der Netzausbau hat sich deutlich verlangsamt. Sind in den
Jahren von 2002 bis 2007 jährlich ca. 100 neue Strecken im Low Cost-Markt Deutschlands
hinzugekommen, um auf ein Netz von insgesamt 550 Strecken zu wachsen, so ist seit 2008
dieses Wachstum auf ca. 50 neue Strecken reduziert und seit 2010 absolut rückläufig. Mit
dem ca. 650 Strecken umfassenden Netz der Low Cost-Carrier in Deutschland scheint der
weitere Netzausbau zu einem Stillstand gekommen zu sein, mehr Strecken werden erst
durch eine beabsichtigte Umwandlung der Flüge im eigenständigen Netz der europäischen
Strecken der Lufthansa in Low Cost-Flüge von Germanwings hinzukommen. Für den
Rückgang des Low Cost-Verkehrs Deutschlands im Jahre 2011 ist u. a. die Einführung der
Luftverkehrsabgabe zu Beginn des Jahres verantwortlich. Es scheint, dass mit dem Jahr
2010 das überproportionale Wachstum des Low Cost-Verkehrs zu einem Ende gekommen
ist und abgelöst ist durch ein normales Wachstum, wie es den Linienverkehr schon seit
Jahren prägt.

 

> Luftverkehrsbericht 2011

 


Kontakt
Dr.phil. Peter Berster
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

DLR Flughafenwesen und Luftverkehr

Tel: +49 2203 601-4554

Fax: +49 2203 601-2377

E-Mail: Peter.Berster@dlr.de
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Luftverkehrsbericht 2010 (http://www.dlr.de/fw/Portaldata/42/Resources/images/luftverkehrsbericht2009/Luftverkehrsbericht2010.pdf)