Die weltweite Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die Finanzkrise in den USA, führte in den Jahren 2008 und 2009 zu einem Einbruch der Nachfrage bei der weltweiten kommerziellen Luftfahrt. Global verringerte sich die Luftverkehrsleistung 2009 in Passagierkilometern um 0,7% gegenüber dem Vorjahr, jedoch gab es regional deutliche Unterschiede. Für 2009 hat sich der Nahe Osten als klarer Wachstumsmarkt herausgestellt: Der Luftverkehr in dieser Region wuchs um beachtliche 21%. Ähnlich dynamisch verhält es sich mit der Volksrepublik China, deren Wirtschaft in der Weltwirtschaftskrise wenn auch verlangsamt weiter wuchs, was sich auch in einem gegen den globalen Trend wachsenden Luftverkehrsaufkommen niederschlug. Dank der Verkehrsentwicklung in China verblieb die Luftverkehrsleistung im asiatisch-pazifischen Raum auf dem Vorjahresniveau.
Die von der Finanz- und der folgenden Wirtschaftskrise besonders hart getroffenen Regionen Europa und Nordamerika hingegen trugen das Gros der Verkehrsrückgänge. Die Luftverkehrsleistungen sanken den Angaben der ICAO zufolge um 2,4% (Europa) bzw. um 3,9% (Nordamerika).
Die Auswirkungen der Krise in 2009 konnte auch an den Flughäfen beobachtet werden. 16 der 20 größten Verkehrsflughäfen der Welt (gemessen an der Zahl der Passagiere, siehe Abbildung 1‑2) mussten Rückgänge zwischen 1,5% (London Heathrow) und 8,2% (Amsterdam Schiphol) hinnehmen. Und am Flughafen Frankfurt, dem einzigen deutschen Flughafen im Top-20 Ranking, wurden 50,6 Millionen Passagiere gezählt, knapp fünf Prozent weniger als noch im Jahr davor. Aber auch hier sind es die Flughäfen Asiens und des Nahen Ostens, die entgegen dem Trend der klassischen Industrienationen wuchsen: Peking (+16,9%), Dubai (+9,6%), Bangkok (+5,3%).
Auch der Blick auf die Fluggesellschaften zeigt ein ähnliches Bild. Die großen Gesellschaften aus Europa und Nordamerika wiesen überwiegend Verkehrsrückgänge oder im günstigsten Fall eine leichte Verkehrszunahme auf. Eine Ausnahme ist hier der irische Billigfluganbieter Ryanair. Mit 65 Mio. Passagieren (+13,2%) nutzten fast ebenso viele Flugreisende diesen Anbieter wie den im Airline-Ranking Erstplatzierten Air France-KLM (Tabelle 1‑1). Die französisch-niederländische Fluggesellschaft hat in 2009 die Spitze im Ranking übernommen, wobei als Referenz die verkauften Sitzplatzkilometer (RPK, Revenue Passenger Kilometres) dienen. Sie musste zwar Rückgänge in Höhe von 3,6% bei den verkauften Sitzplatzkilometern bzw. von 4,8% bei der Passagierzahl hinnehmen, übertraf mit knapp 200 Tausend RPK dennoch knapp den Vorjahresersten American Airlines. Im RPK-Ranking findet sich die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa mit 122,5 Tausend RPK (-2,7%) auf Rang sechs. Die großen asiatisch-pazifischen und arabischen Fluggesellschaften zeigen ein gemischtes Bild. Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich verzeichneten Emirates Airline und die chinesischen Fluggesellschaften China Southern Airlines, Air China und China Eastern Airlines. Gleichzeitig vermeldeten Fluggesellschaften wie Singapore Airlines oder Japan Airlines International Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich. Auch Cathay Pacific und Qantas mussten leichtere Verkehrsrückgänge hinnehmen.
Wie gewohnt bietet auch der diesjährige Luftverkehrsbericht wieder zahlreiche Informationen zum deutschen Luftverkehr in Deutschland, diesmal vor dem Hintergrund der Weltwirtschafts- und Luftverkehrskrise. Analysen zu den Luftverkehrsverflechtungen innerhalb Deutschlands sowie zwischen Deutschland und den Weltregionen finden sich in Kapitel 2. Die Entwicklung der in Deutschland beheimateten und der hier verkehrenden Fluggesellschaften steht im Fokus des Kapitels 3. Die Lage der deutschen Flughäfen wird im Kapitel 4 beleuchtet.