DLR-Forscher mit weltraumfähigem Radargerät aus Asien zurück



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Die an der Kampagne beteiligten Wissenschaftler vor dem DLR-Forschungsflugzeug Dornier 228 auf dem Sonderflughafen in Oberpfaffenhofen.

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Forstinventur im Fichtelgebirge mit dem Flugzeugradar: ein 3D Waldhöhenbild, das auf eine Höhenlinienkarte projiziert ist. Das Gebiet zeigt eine topographische Höhenvariation von 600 Meter und eine Waldhöhenvariation von 0 bis 30 Meter. Die Waldhöhen wurden mit der Technik der so genannten polarimetrischen SAR-Interferometrie bestimmt, die im DLR-Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme entwickelt worden ist. Diese Technik wird auch bei der INDREX-2-Flugkampagne in Indonesien über tropischem Regenwald erprobt werden.

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Ein Radarbild, aufgenommen mit einem langen Frequenzband (L-Band) und der horizontal polarisierten, elektromagnetischen Welle – dem E-SAR System des DLR. Das Bild zeigt ein Waldgebiet. Erkennbar sind auch einige Waldstraßen und ein kleines Gehöft.

Oberpfaffenhofen
– Von einer erfolgreichen Flugkampagne in Indien sind kürzlich Wissenschaftler des Instituts für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme (IHR) nach Oberpfaffenhofen zurückgekehrt. Im Auftrage der indischen Weltraumagentur ISRO (Indian Space Research Organisation) wurden im September und Oktober 2004 unterschiedliche Landschaftstypen mit SAR (Synthetic Aperature Radar) hochaufgelöst erfasst, um später aus den gewonnenen Daten umweltrelevante Parameter bestimmen zu können. Das vom IHR entwickelte E-SAR(Experimental Synthetic Radar)-System arbeitet in vier Frequenzbereichen (X-, C-, L- und P-Band-Radar, von 10 GHz bis 400 MHz), ermöglicht Tag- und Nachtabbildungen und ist von Wetterbedingungen unabhängig.

Mit diesem flugzeuggetragenen Radarsystem waren die DLR-Forscher erstmals in Asien unterwegs. Die Vorbereitung der Kampagne war nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine logistische Herausforderung, die der DLR-Flugbetrieb routiniert und perfekt handhabte. Das Mobile Labor bringt immerhin 2,5 Tonnen auf die Waage, was an Bord des Flugzeugs vom Typ Do228 zu einem extrem hohen Treibstoffverbrauch geführt und einige Zwischenlandungen mehr erforderlich gemacht hätte. Also flog die DLR-Maschine mit kleiner Mannschaft, und das Radarsystem wurde gesondert mit Luftfracht nach Ahmedabad geschafft. Vor Ort haben dann die DLR-Wissenschaftlern in kürzester Zeit das Radar ins Flugzeug eingebaut, im Flug getestet und kalibriert – bei Außentemperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius.

(Fast) pünktlich am 13. September konnte dann mit den eigentlichen Messflügen begonnen werden. Bodenmannschaft und Flugzeugbesatzung waren in den nächsten drei Wochen in Zentralindien unterwegs, um Agrarflächen, Kohleflöze und Überflutungsgebiete zu vermessen. Die gewonnen Radarbilder dienen unter anderem zur Erstellung von Geländemodellen und zur Bestimmung von Biomasse und sollen auch Informationen für den Reis- und Getreideanbau liefern.

Nach der Verarbeitung und Kalibrierung der Radardaten werden im Rahmen eines Kooperationsvertrags zwischen dem Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme und ISRO/SAC (Space Applications Centre) eine gemeinsame Datenauswertung und Untersuchungen der Ergebnisse erfolgen. Ein Aufenthalt von zwei Gastwissenschaftlern aus Ahmedabad in Oberpfaffenhofen ist für nächstes Jahr geplant.

Der Kampagne in Indien folgte eine noch laufende Kampagne in Indonesien. Bei dieser versuchen die DLR-Forscher stichprobenartig die Biomasse des Regenwaldes zu bestimmen und mit Bodenmessungen zu validieren. Das Experiment soll Erkenntnisse für eine spätere Weltraummission schaffen (auch darüber werden wir dann in einer der nächsten Ausgaben berichten).


Kontakt
Prof. Dr. rer. nat. Irena Hajnsek
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme
, Radarkonzepte
Tel: +49 8153 28-2363

Fax: +49 8153 28-1449

E-Mail: Irena.Hajnsek@dlr.de
URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/hr/desktopdefault.aspx/tabid-2326/3776_read-5696/