12. - 16.07.2012: Weltraumwetter-Sturm



Zum Status des Weltraumwetter-Sturmes vom 12. Juli 2012 bis 16. Juli 2012

Mit der Eröffnung des DLR_School_Lab Bremen am DLR Institut für Raumfahrtsysteme ist auch die Weltraumwetter-Ampel in Betrieb genommen worden. Die Farben der Weltraumwetter-Ampel bedeuten:

Grün       Keine Sonnenstürme in Richtung Erde
Gelb      Sonnenstürme zwischen Sonne und Erde
Rot       Sonnensturm erreicht die Erde

Eine entsprechende Beschriftung wird am DLR_School_Lab demnächst angebracht.

Da die Weltraumwetter-Ampel primär nach den GMDN-Daten (siehe unten) geschaltet wird, war sie seit dem 12.7.2012 gelb und steht gegenwärtig auf rot.

Auswirkungen der solaren Aktivität

In Folge der unten skizzierten solaren Aktivitäten kam es am Wochenende zu einem moderaten geomagnetischen Sturm (Skala G2 (NOAA/SWPC Boulder), gegenwärtig verringert auf kleinere Skala G1). Deshalb sind gegenwärtig kleine Auswirkungen auf Satelliten und schwache Einflüsse auf Stromnetzwerke potentiell nicht auszuschließen.

Die „Neigungsgruppe“ Nachrichtentechnik im Hause bestätigt sehr schlechten Funkwellen- Ausbreitungsbedingungen: im Rahmen des 24h Wettbewerb der IARU (International Radio Amateur Union) am vergangenen Wochenende - bei dem weltweit Funkverbindungen gemacht werden müssen – waren Kurzwellenverbindungen in Europa nur noch mit schwachen Pegeln realisierbar und in Richtung USA – Asien waren sie nur noch sehr schwer aufzubauen.

Am 15./16. Juli 2012 traten Polarlichter in den USA - herunter bis z.B. Utah -, in Schottland aber auch in Neuseeland bzw. Tasmanien auf.

Ursachen der solaren Aktivität und Beiträge vom DLR in Bremen

Von der aktiven Region AR 1520 – größere Sonnenfleckengruppe im ersten Bild – wurde am 12.7.2012 ein solarer Röntgenburst der X-Klasse ausgesendet (GOES -15 Satellit). Nahezu gleichzeitig mit dem Röntgenburst stieg die Intensität der hochenergetischen solaren Protonen (10 MeV) in der Erdumgebung ab dem 12.7.2012 ca. 19 Uhr MESZ um den Faktor 1000 an (GOES-13 Satellit). Ein koronaler Massenauswurf (CME – Coronal Mass Ejection) löste sich am 12.7.2012 ca. 19 Uhr MESZ von der Sonne und flog in Richtung Erde als Plasmawolke (Bild rechts, ESA/NASA Satellit SOHO).

 SDO-Satelliten Aufnahme der Sonnenfleckenregion AR 1520 (unterhalb Bildmitte) vom 12.7.2012

SDO-Satelliten-Aufnahme der Sonnenfleckenregion AR 1520 (unterhalb der Bildmitte) vom 12.07.2012

 Der gewaltigen CME am 14.7.2000 (sogenannte Bastille-Event, SOHO)    12 Jahre später – am 12.7.2012 verlässt ein kleinerer CME die Sonne und erreicht die Erde am 14.7.2012 – ein zweites Bastille-Event!

Bild links:

Der gewaltige CME (Coronal Mass Ejection - koronaler Massenauswurf) am 14.07.2000 (sog. Bastille-Event, ESA/NASA Satellit SOHO)

Bild rechts:

12 Jahre später - am 12.07.2012 - verlässt ein kleinerer CME die Sonne und erreicht die Erde am 14.07.2012 - ein zweites Bastille-Event!

Erste Analysen der Daten von fünf Teleskopen (in Deutschland, Japan, Australien, Brasilien und Kuwait) für kosmische Strahlung des Globalen Myon Detektor Netzwerkes (GMDN) zeigen den CME am 14.7.2012 ab ca. 14:00 Uhr MESZ (Bild 2).

Rote Punkte entsprechen dem CME, auf der Tagseite der Erde gemessen. Er wurde Richtung Sonne in einen Halbraum von nahezu 180 ° beobachtet.

CME_Graphik_Teil1 
 

Rote Striche stellen Stärke und Einfallsrichtung der kosmischen Strahlung in Erdumgebung dar.

Obere Abbildung:

positive Ordinate entspriche Einfall aus Sonnenrichtung.

Untere Abbildung:

positive Ordinate entspricht Einfall aus Norden.

Zeitangaben hier in UT

 CME_Graphik_Teil2

Bild 2 Am DLR Institut für Raumfahrtsysteme Bremen erfolgte die Detektion des CME (rote senkrechte Pfeile) mittels kosmischer Strahlung über das GMDN seit dem 14.7.2012 etwa 5 Stunden vor seiner Ankunft auf SOHO bzw. in Erdnähe (schwarze senkrechte Pfeile).

Entsprechend dem Bild 2 wurde der CME im interplanetaren Raum mit dem GMDN - schon ca. 13 Millionen Kilometer von der Erde oder 11,5 Millionen Kilometer von SOHO entfernt - beobachtet. SOHO hat die Ankunft der Stoßwelle des CMEs am 14. Juli 2012 erst um 19:27 MESZ gemessen. Dabei stieg die Geschwindigkeit des Sonnenwindes von ca. 350 km/s auf 700 km/s an.


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