Astrolab-Mission - 4. Juli bis 22. Dezember 2006



Thomas Reiter als erster Deutscher auf der Internationalen Raumstation ISS

 Thomas Reiter während des Trainings im Neutral Buoyancy Laboratory
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Der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter ist der erste Europäer, der sich zu einem Langzeitaufenthalt auf die Internationale Raumstation ISS begeben hat. Gleichzeitig ist er der erste Deutsche, der die ISS besuchte. Reiter startete am 4. Juli 2006 mit dem amerikanischen Space Shuttle Discovery (STS-121) zu seiner fünf Monate dauernden Mission.

Im April 2001 startete der Italiener Umberto Guidoni als erster Europäer mit einem Space Shuttle zur Internationalen Raumstation. Ihm folgten weitere Missionen europäischer Astronauten von durchschnittlich zehntägiger Dauer. Die Langzeit-Mission von Thomas Reiter stellt einen wichtigen europäischen Meilenstein in der Nutzung der ISS dar.

Erstmals wird ein Europäer Mitglied der ISS Expedition Crew

Zwei Tage nach der Ankunft auf der ISS übernahm Reiter seine Aufgabe als zweiter Flugingenieur der Expedition Crews 13 und 14. Seine Tätigkeiten umfassten unter anderem: Kontrolle und Wartung der Raumstation, Überwachung der Umwelt- und Lebenserhaltungssysteme, Gesundheit und Sicherheit der Crew, Außenbordaktivitäten (Extra Vehicular Activity, EVA, so genannte "Weltraumspaziergänge") und Logistikhandling der Progress-Transporter.

Erstes europäisches Programm für Langzeitforschung auf der ISS

Logo der Mission Astrolab
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Reiter führte rund 30 wissenschaftliche und technologische Experimente an Bord der ISS durch. Acht Experimente kamen hierbei aus Deutschland, an weiteren waren deutsche Forscher beteiligt. Es war das erste Mal, dass europäische Wissenschaftler ein auf die Möglichkeiten der ISS ausgerichtetes, umfangreiches Experiment-Programm erstellen und über eine längere Zeit durchführen konnten. Hierzu zählten auch die Installation und Inbetriebnahme von drei eigens für die ISS entwickelten Forschungseinrichtungen. Bisherige europäische Experimente wurden von amerikanischen oder russischen Astronauten betrieben oder von ESA-Astronauten auf nur wenige Tage langen Taxi-Missionen zur ISS durchgeführt. Mit der Astrolab Mission aber konnte erstmals intensiv, wie in einem irdischen Labor, mit unterschiedlichsten Versuchsreihen und Parametervariationen geforscht werden.

Rückkehr zur Drei-Mann-Besatzung der ISS

Seit dem Absturz der amerikanischen Raumfähre Columbia am 1. Februar 2003 wurde die Besatzung der ISS auf zwei Astronauten begrenzt. Mit der Mission Astrolab verrichten erstmals wieder drei Astronauten ihren Dienst im All, was insbesondere der Forschung auf der ISS zu Gute kommt.

Erste Langzeitmission für das Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen

 Columbus-Kontrollzentrum
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Die Mission Astrolab war die erste Mission, bei der ein europäisches Kontrollzentrum für eine astronautische Langzeitmission verantwortlich war. Astrolab wurde vom DLR im Auftrag der ESA vom Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen aus gelenkt. Von hier aus wurden die Tätigkeiten von Thomas Reiter koordiniert und beobachtet. Dies geschah in Zusammenarbeit mit den Missionskontrollzentren in Houston, Moskau und dem Europäischen Astronauten Zentrum in Köln sowie diversen Nutzungszentren in Europa. Durch Astrolab erhielt Europa wichtige Erfahrungen in der Durchführung astronautischer Langzeitmissionen wie die 2008 folgende Missionsführung des europäischen Forschungslabors Columbus, das am 11. Februrar 2008 dauerhaft an die ISS montiert und in Betrieb genommen wurde.

Die Mission Astrolab wurde aus dem laufenden Haushalt der ESA finanziert. Zusätzlich beteiligte sich Deutschland mit weiteren 2,2 Millionen Euro an der Mission. Astrolab lief im Rahmen einer europäisch-russischen Vereinbarung, die den Flug des ESA-Astronauten auf einem ursprünglich russischen Kosmonautenplatz regelte. Diese Vereinbarung erfolgte in trilateralem Einverständnis zwischen ESA, Roscosmos und NASA.

Die wichtigsten Meilensteine der Mission Astrolab in der Zusammenfassung:

  • Erster ESA-Astronaut als Mitglied einer Langzeit-Mannschaft (Expedition Crew) auf der ISS
  • Erster ESA-Astronaut, der Außenbordaktivitäten von der ISS aus durchführte
  • Erstes Europäisches Langzeit-Experimentalprogramm auf der ISS
  • Übergabe und Inbetriebnahme von europäischen Experimenteinrichtungen
  • Rückkehr zum Aufenthalt von drei Astronauten auf der ISS. Seit 2003 war die Anzahl auf zwei Astronauten begrenzt. 
  • Erstes europäisches Kontrollzentrum für Langzeitmissionen auf der ISS

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