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Wirkung von Nachtfluglärm auf psychische Stressindikatoren



Erika Rey
DLR-Forschungsbericht 2002-14, 2002, 325 Seiten, 24 Bilder, 90 Tabellen, 240 Literaturstellen

Abstract:

Im Rahmen des DLR-Projektes „Leiser Flugverkehr“ wurden in drei im Design identischen Laborstudien die Auswirkungen von nächtlichem Fluglärm auf das Erleben untersucht. Dazu verbrachten insgesamt 96 Versuchspersonen, davon 16 Personen als Kontrollgruppe, jeweils 13 Nächte im Labor. Für die Experimentalgruppe wurde nach zwei Gewöhnungsnächten an neun Nächten hintereinander in Häufigkeit und Lautstärke variierender Fluglärm eingespielt.
In Anlehnung an die kognitive Copingtheorie wurde ein Modell zur Erkundung der psychischen und physiologischen Auswirkungen von nächtlichem Fluglärm entwickelt, i n dem die Belästigung nicht mehr als Reaktionsvariable, sondern als kognitiver Bewertungsprozess aufgefasst wird, der vermittelnd zwischen den physikalischen Lärmparametern und den psychischen Stressindikatoren eingreift. Darüber hinaus dienten verschiedene relevante soziodemographische und psychologische Variablen als Moderatoren. Die psychischen Stressindikatoren wurden aus modernen biopsychologischen Ansätzen und der Beanspruchungs- und Erholungsforschung operationalisiert . Als Stressindikatoren wurde die Befindlichkeit mit dem Mehrdimensionalen Befindlichkeitsfragebogen (MDBF) morgens und abends sowie die Beanspruchung und die Erholung mit dem Belastungs- und Erholungsfragebogen (EBF) als Prozesse über den Tag eingeschätzt. Darüber hinaus wurden die Beziehungen mit Indikatoren der Verhaltensebene (Leistungstests), der physiologischen Ebene (Hormonstatus im Morgenurin) sowie der Erlebensebene (Einschätzungen des Schlafes) untersucht.

Als Ergebnis der Untersuchung konnte eine geringe Beeinträchtigung der Befindlichkeit (in den Dimensionen Stimmung und Wachheit) – und Erholung (insbesondere des erholsamen Schlafes) sowie eine leichte Zunahme der Beanspruchung (im Leistungsbereich und im körperlichen Bereich) vor allem mit steigender Anzahl der Flugereignisse und ferner mit zunehmendem Dauerschallpegel nachgewiesen werden. Von den Fluglärmparametern war der Maximalpegel der unbedeutendste Prädiktor für die untersuchten psychischen Nacheffekte. Für längeranhaltende Fluglärmeffekte ergeben sich aus den Resultaten keine Hinweise, allerdings hat die eingeschätzte Vorbelastung durch nächtlichen Fluglärm als Moderator eine leicht verstärkende Wirkung auf die psychischen Nacheffekte.

Auch konnte eine geringfügige Bedeutung der anderen demographischen und psychologischen Moderatorvariablen belegt werden. Bei Kontrolle aller Moderatoren blieb der Zusammenhang zwischen den untersuchten psychischen Stressindikatoren und den Fluglärmparametern bestehen.
Mit den anderen Stressindikatoren ergaben sich nur schwache Zusammenhänge mit dem Cortisolspiegel und den Leistungsparametern, sowie mittelstarke Beziehungen zu den Einschätzungen des Schlafes.

Als wesentliches Ergebnis dieser Arbeit zeigte sich, dass die unmittelbaren Wirkungen des nächtlichen Fluglärms auf die psychischen Stressindikatoren marginal sind und sich erst unter Vermittlung der Belästigung deutliche Effekte zeigen, die zudem übergreifender und überdauernder als die direkten der akustischen Parametern sind. Daraus kann gefolgert werden, dass sich nächtlicher Fluglärm erst dann deutlich auf die Befindlichkeit, die Beanspruchung und die Erholung auswirkt, wenn die Personen sich dadurch belästigt fühlen. Weiterhin können durch die Einbeziehung der Belästigung als Mediator klarere Aussagen zu Dosis-Wirkungs-Beziehungen gemacht werden.

Über eine änderungssensitive, mehrdimensionale und valide Erhebung der Konstrukte 'Befindlichkeit’, 'Beanspruchung’ und 'Erholung’ konnten psychische Stressreaktionen als relativ kurzzeitige Nacheffekte von nächtlichem Fluglärm nachgewiesen werden. Daraus ergeben sich weiterführende Aussagen hinsichtlich der Aufklärung von psychischen Wirkmechanismen als es allein durch die Erhebung der Belästigungsreaktion möglich ist. Allerdings müssen sich die Ergebnisse noch durch die Resultate der Feldstudien bewähren. Darüber hinaus sollten an Hand einer größeren Datenbasis nach einer weiteren Laborstudie die im Modell dargestellten Zusammenhänge vertiefend untersucht werden.

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