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DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin testet antimikrobielle Materialien in der Antarktis




Concordia-Station in der Antarktis 

Die Erforschung von extremen und isolierten harschen Umgebungen (Arktis, Antarktis, Weltraum, Tiefsee, Gebirgshöhen, Wüsten) erfordert häufig spezielle, kleinformatige Lebensräume für die Crewmitglieder. Bewohner einer solchen Einheit erfahren häufig Stressfaktoren, die ihre Gesundheit und ihre Leistungsfähigkeit einschränken und somit die Ausführung ihrer Tätigkeit beeinträchtigen können. Eine der größten Herausforderungen ist der Schutz des Menschen vor biologischen Kontaminationen, die Infektionen und Krankheiten verursachen könnten. Abgeschlossene Lebensräume haben Begrenzungen im Bereich des Abfalls, der Wasser- und der Frischluftversorgung sowie bei der persönlichen Hygiene, außerdem entstehen unweigerlich spezielle Mikroorganismen (hauptsächlich mikrobielle Biofilme) innerhalb des Lebensraums.

Seit Anfang März testen Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Astrobiologie des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin antimikrobielle Materialien wie Oberflächen, Textilien und Folien in der Concordia-Station in der Antarktis. Concordia ist die abgeschiedenste europäische Forschungsstation in der Antarktis, mehr als 1.000 Kilometer von der Küste entfernt.

Probenträger mit antimikrobiellen Materialien wie Oberflächen, Textilien und Folien in der Concordia-Station (Antarktis).
Die Concordia-Forschungsstation bietet in punkto Isolation ähnliche Bedingungen wie z. B. ein Raumschiff auf dem Flug zum Mars: Die Concordia-Crew ist vielen Faktoren ausgesetzt, die psychologisch extrem sind und den Bedingungen und Herausforderungen einer Marsmission sehr ähneln. Die Stationsbesatzung besteht etwa zur Hälfte aus Wissenschaftlern (wie z. B. Glaziologen, Atmosphärenforscher, Meteorologen) und zur anderen Hälfte aus Servicepersonal (wie z. B. Koch, Mechaniker, Arzt). Im Rahmen des ESA-Projekts ANTIBACS („Antimicrobial materials, surfaces and textiles on-board the Concordia Antarctic Research Station as a test-bed approach for the reduction of the microbial contamination on future human space missions“ ESA project No. AO-11-Concordia-022), dessen Projektleiter der Institutsmitarbeiter Dr. Ralf Möller ist, wird die Funktionalität verschiedener anorganischer sowie organischer, antimikrobiell-wirkender Beschichtungen und Additive untersucht. Dafür wurden verschiedene Probenträger am DLR in Köln zusammengestellt und zur Concordia-Forschungsstation versandt. Die Proben werden dort für den Zeitraum des antarktischen Winters (Mitte Februar bis November) in den Räumen der Station exponiert. Damit sollen verschiedene antimikrobielle Materialien in Bezug auf Keimbelastung und Biofilmbildung charakterisiert werden können. Mit diesen Informationen wäre es möglich, bestehende antimikrobielle Materialien zu verbessern und ggf. neue Beschichtungen und Additive für zukünftige (humane) Weltraummission zu entwickeln.

Betreiber der Concordia-Station sind das französische Polarinstitut Paul Emile Victor (Institut polaire français) und die im italienischen Antarktisprogramm (Consorzio per l’Attuazione del Programma Nazionale di Ricerche in Antartide) zusammengefassten Forschungseinrichtungen.

Einblicke in das tägliche Leben in der Concordia-Forschungsstation können unter: > http://blogs.esa.int/concordia < nachgelesen werden.


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