1984 wurde die Barokammer in Betrieb genommen, mit der u.a. Tauchversuche bis 1000 m Tiefe durchgeführt werden konnten (heutiger möglicher Druckbereich von 5 mbar bis 70 bar absolut). Durch die spezielle Konfiguration der Anlage ist es möglich, die beim Offshore-Tauchen charakteristischen Arbeitsbedingungen im Labor-Maßstab abzubilden. Bereits 1966 wurde in der alten Anlage des damaligen DFVLR-Instituts für Flugmedizin erstmalig in der Welt ein Sättigungstauchgang auf 220 m Tiefe durchgeführt.
Im Erdgeschoss der Versuchshalle steht die Wohnkammer A: 2.2 m Durchmesser und 6.6 m Gesamtlänge für den Daueraufenthalt von 4 Probanden. Im hinteren Teil befinden sich die Sanitäreinrichtungen (Waschbecken, Dusche und WC).
Die Personenschleuse im vorderen Teil ermöglicht den Zugang und dient als Experimentierraum. Durch den Sanitärteil erreichen die Versuchspersonen die Transferkammer B, die in ihren Abmessungen einer "Bell" von Offshore-Anlagen entspricht. Durch eine hydraulisch betätigte Bodenluke kann die Kammer C (wassergefüllt entspricht sie der offenen See; trocken stellt sie einen weiteren Experimentierraum dar) im Untergeschoss des Gebäudes erreicht werden. Alle Kammern können unabhängig voneinander betrieben werden. Das LSS (LIFE-SUPPORT-SYSTEM) als wichtigste Teilkomponente des geschlossenen Systems regelt die Temperatur, die Feuchte und den CO2-Anteil. Daraus ergeben sich interessante Parallelen zu Raumfahrzeugen, in denen ebenfalls ein geschlossener atmosphärischer Kreislauf erforderlich ist.
Die tauchspezifischen Versuche fanden einen vorläufigen Abschluss in einem 40-tägigen HELIOX-Sättigungstauchgang auf 615 m.
Abgesehen von der zwingend notwendigen Bereitschaft beim Unterwassertraining der Astronauten und der Behandlung von schweren Dekompressionsunfällen, konzentrieren sich die wissenschaftlichen Arbeiten seit 1991 auf Fragestellungen aus Luft- und Raumfahrt, wie Isolation, geänderte Gasgemische, Entwicklung von Raumanzügen, EVA-Probleme und Arbeiten in großer Höhe.
HelioxAls Heliox bezeichnet man ein Gemisch aus Sauerstoff und Helium, wobei der Sauerstoffanteil je nach Einsatzzweck über oder unter dem normalen Wert von 21% liegen kann. Helium dient in der Taucherei als Ersatz für den Stickstoff, welcher für den Narkoseeffekt (Tiefenrausch) in größerer Tiefe verantwortlich ist.
Helium wird als "Nebenprodukt" aus Erdgasquellen gewonnen und ist wie Stickstoff ein Inertgas. Helium hat eine deutlich geringere Dichte (=0.178 g/l) als Luft (=1.2 g/l) und die Schallgeschwindigkeit beträgt 1017 m/s bei 300 K (Luft 347 m/s). Bei der Spracherzeugung werden die im Kehlkopf auftretenden Schwingungen, durch Resonanz im Nasen-Rachen-Raum hervorgehoben, höherer Frequenz durch die höhere Schallgeschwindigkeit im Helium bevorzugt. Die daraus resultierende "Entenstimme" kann auch mit einem Unscrambler (elektronisches Gerät zur Sprachentzerrung) nur unvollständig kompensiert werden.
Das hat einerseits eine erhebliche Arbeitserschwernis zur Folge, wenn das Personal an Deck den/die Taucher nicht mehr richtig verstehen kann. Andererseits führt die schlechte Sprachverständigung der Taucher untereinander zu sozialen/psychologischen Problemen. Daneben hat das Helium einen stark auskühlenden Effekt, da die Wärmeleitfähigkeit viel größer (=0.143 W/mK) als in Luft (=0.024 W/mK) ist. Deshalb muss eine bewohnbare Helium-Atmosphäre trotz geringere Wärmekapazität des He stets auf ca. 32 °C aufgeheizt sein, um eine Auskühlung des Tauchers zu verhindern.