Leitung: Dr. Matthias Meier
Die Empfehlung der internationalen Strahlenschutzkommission ICRP (International Commission on Radiological Protection) aus dem Jahre 1990, Flugpersonal als „Strahlenarbeiter“ zu klassifizieren, zog eine Überarbeitung der grundlegenden Sicherheitsstandards der Europäischen Union nach sich. Die Richtlinie 96/29/EURATOM vom 13 Mai 1996 verpflichtet die Mitgliedstaaten, Maßnahmen für Luftfahrtunternehmen mit Flugpersonal, das einer möglichen Exposition von mehr als 1 mSv pro Jahr durch kosmische Strahlung unterliegt, zu ergreifen. Dies regte weltweit eine Reihe neuer Messungen in Reiseflughöhen und epidemiologische Studien an.
Neben einigen sehr seltenen solaren Teilchenereignissen wird die Strahlenexposition durch die galaktische kosmische uf die Erde einfällt, hervorgerufen. Durch Wechselwirkungen mit den Atomen der Atmosphärenbestandteile werden sekundäre Teilchen (z.B. Neutronen, Elektronen, Protonen, Myonen und Pionen) erzeugt. Da niederenergetische Teilchen vom Erdmagnetfeld abgelenkt werden, gibt es eine starke Breitengradabhängigkeit sowohl für das primäre als auch das sekundäre Strahlungsfeld, deren Intensitäten zu kleineren Breitengraden hin abnehmen. Effekte der Modulation des solaren Zyklus werden ebenfalls beobachtet und sind in größeren Höhen am auffälligsten (ca. um einen Faktor 2). Messungen der Strahlenexposition reichen in Flughöhen zwischen 11 und 13 km von 2 bis 10 µSv/h, abhängig vom Breitengrad und der Zeit innerhalb des solaren Zyklus. Die Expositionsniveaus sind deshalb um bis zu einen Faktor 100 höher als auf dem Meeresspiegel.
Da das Strahlungsfeld auf Reiseflughöhen sehr komplex ist, wurden mehrere Messkampagnen mit einer Vielfalt von Strahlungsdetektoren durchgeführt, wodurch gute Kenntnisse über die Strahlenexposition gewonnen wurden. Computerprogramme zur Dosisermittlung wurden entwickelt und mit diesen Messungen verglichen, wobei eine ausgezeichnete Übereinstimmung gezeigt wurde. Die Strahlenexposition von Flugpersonal kann deshalb durch den Gebrauch dieser Programme ermittelt werden. Weitere Messungen sind wegen der Modulation des Strahlungsfeldes auf Reiseflughöhen durch den solaren Zyklus notwendig.
Krebsinzidenz- und Krebsmortalitätsstudien, wie auch Untersuchungen von Chromosomenveränderungen wurden bereits von verschiedenen Institutionen weltweit durchgeführt. Keine dieser Studien konnte bisher mit hinreichender statistischer Signifikanz einen Anstieg schädlicher gesundheitlicher Effekte aufgrund von Strahlenexpositionen beim untersuchten Flugpersonal zeigen.
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