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Molkenprotein gegen Muskelschwund und Knochenabbau



Ab Mitte September beginnt die MEP-Studie im DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin: Zehn Probanden bekommen 21 Tage strikte Bettruhe verordnet.

In sogenannten Kopftieflage-Studien untersuchen Forscher die physiologischen Auswirkungen von simulierter Schwerelosigkeit auf den Menschen. Sie testen unter anderem verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, die den Abbau von Knochen und Muskulatur verringern sollen.

Denn schon ab dem zweiten Tag Bettruhe ist bei gesunden Menschen die Knochenabbaurate erhöht. Bei Astronauten, die auf Weltraummissionen deutlich länger ihre Muskulatur und Knochen nicht belasten, ist der Abbau noch stärker zu beobachten.

Molkenprotein, ein Stoff auch für Sportler

Martina Sagner, Mitarbeiterin des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin, ist verantwortlich für die Verpflegung der Probanden

 „In der MEP-Studie steht vor allem das Molkenprotein im Vordergrund“, sagt Dr. Petra Frings-Meuthen, beteiligte Wissenschaftlerin der MEP-Studie. Molkenprotein wird aus Molke gewonnen, ist ein Nebenprodukt der Käseherstellung und ein wichtiges Protein der Milch von Säugetieren. Aufgrund der proteinaufbauenden Wirkung im Muskel wird es in vielen Eiweißdrinks kombiniert mit hohen Vitamin und Mineralstoffzusätzen auch für Sportler verwendet. In der MEP-Studie wird das Molkenprotein den Probanden in isolierter Form verabreicht. Der erhöhten Säureproduktion, verursacht durch diese erhöhte Eiweißzufuhr, wird durch gleichzeitige Alkalisalzsupplementation entgegengewirkt.

Bereits 2010 ist vom Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin eine ähnliche Studie durchgeführt worden, erläutert Frings-Meuthen. Getestet wurde dabei, ob die alleinige Einnahme von Kaliumbicarbonat, einem alkalischen Mineralsalz, während Bettruhe Auswirkungen auf den Abbau von Muskeln und Knochen hat.

Die MEP-Studie wird im Auftrag der Europäischen Weltraumbehörde ESA unter Beteiligung von 19 weiteren internationalen Wissenschaftlern durchgeführt. Wissenschaftliche Leiterin der Studie ist Dr.  Judith Bühlmeier, Ernährungswissenschaftlerin vom DLR- Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin.

Strikte Bettruhe und strenge Auswahlkriterien

Die zehn ausschließlich männlichen Probanden müssen für die Teilnahme bestimmte Kriterien erfüllen. Sie müssen unter anderem körperlich gesund und zwischen 20 und 45 Jahre alt sein. Auch das Gewicht und die Körpergröße sind vorgegeben. Außerdem dürfen sie nicht rauchen oder Leistungssport betreiben.

Die Studie besteht aus zwei Kampagnen. In beiden Kampagnen müssen die Versuchspersonen jeweils 35 Tage im AMSAN leben. 21 Tage davon dürfen sie das Bett nicht verlassen. Die Betten der Probanden sind um sechs Grad in Kopfrichtung nach unten geneigt. Das soll zusätzlich zur Immobilisation die Flüssigkeitsverschiebung in Kopfrichtung simulieren, die bei Astronauten im Weltraum auftritt.

Der erste Teil der Kampagne beginnt im September. In diesem nehmen die Hälfte der Probanden die Nahrungsergänzungsmittel zu sich, beim zweiten stationären Aufenthalt im Februar dann die andere Hälfte der Probanden. Die Phase ohne Nahrungsergänzungsmittel dient der Kontrolle in alleiniger Bettruhe „Das Molkenprotein wird unter verschiedene Lebensmittel, wie Joghurt, Milchshakes, Salatsoßen oder Butter gemischt“, sagt Frings-Meuthen.

Auch für Osteoporosepatienten interessant

Während der Studie und in den Vor- und Nachuntersuchungen werden zahlreiche Tests an den Probanden durchgeführt. So werden Muskel und Knochen genau untersucht, aber auch das Kreislaufsystem und verschiedene andere physiologische Systeme des Menschen.

Auch Osteoporosepatienten und bettlägerigen Personengruppen kann die Entwicklung solcher Nahrungsergänzungsmittel helfen. Selbst wenn sie nicht der Schwerelosigkeit ausgesetzt sind, bauen diese Bevölkerungsgruppen ähnlich wie Astronauten verstärkt Muskel- und Knochensubstanz ab.

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