Der Flug ins Gewitter

Gewitter – geballte Energie. Bild: NOAA
Gewitter – geballte Energie. Bild: NOAA

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Um ein Gewitter machen Piloten normalerweise einen möglichst großen Bogen. Nicht so die Crew des DLR-Forschungsflugzeugs Falcon. Denn ihr Auftrag lautete, möglichst dicht an und ins Gewittergebiet zu fliegen. Warum? Weil ein Gewitter in der Atmosphäre wie ein „Fahrstuhl“ wirkt. Und warum man das aus der Nähe untersuchen wollte? Das erfahrt ihr, wenn ihr den Bericht zu diesem aufregenden „Flug ins Gewitter“ lest …

Los geht's: Die Falcon startet zum Rendezvous mit dem Gewitter. Bild: DLR
Los geht's: Die Falcon startet zum Rendezvous mit dem Gewitter. Bild: DLR

Wenn Gewitterwolken die Luftmassen aufsteigen lassen, werden damit auch Spurengase – wie etwa Fluorkohlenwasserstoffe – aus den unteren Luftschichten sehr schnell in höhere Regionen transportiert: eben wie in einem „Aufzug“, der rasend schnell nach oben saust. Dummerweise richten diese Substanzen mit dem komplizierten Namen dort oben nichts Gutes an: Sie beeinflussen vor allem die Ozonschicht, die so in den letzten Jahrzehnten immer dünner wurde. Kühlschränke, Spraydosen – in vielen Dingen waren die gefährlichen Chemikalien früher enthalten. Nach und nach gelangten diese Gase so in die Atmosphäre und stiegen bis ganz nach oben in die sogenannte Stratosphäre. Und dort „fraßen“ sie das Ozon, das uns vor der aggressiven Sonnenstrahlung schützt, auf. Zumindest sorgten sie dafür, dass die Ozonschicht immer durchlässiger wurde. Also dringt heute – je nach Jahreszeit und Bewölkung – mehr Sonnenstrahlung zum Erdboden vor, was bekanntlich unsere Haut schädigen kann, wenn man sich zu lange in die Sonne legt.

Die Gewitterwolke sieht aus wie ein Amboss. Bild: DLR
Die Gewitterwolke sieht aus wie ein Amboss. Bild: DLR

So viel zum Hintergrund. Aber zurück zu der Gewitter-Mission der Falcon, die übrigens von einem zweiten Flugzeug aus Russland begleitet wurde. Denn das Projekt zur Untersuchung der Atmosphäre fand in internationaler Zusammenarbeit mit vielen Ländern statt. Und zwar in Australien. Denn da gibt es Orte, an denen man nicht lange auf ein Gewitter warten muss. Und tatsächlich: Kaum waren die Forschungsflieger angekommen, konnten sie auch schon zum ersten Messflug starten.

Wie in einem „fliegenden Backofen“

Im Anflug auf das Gewitter. Bild: DLR
Im Anflug auf das Gewitter. Bild: DLR

Trotz einiger Turbulenzen und hoher Belastungen für die Piloten – die Flugzeugkabine verwandelte sich bei Temperaturen um die 40 Grad Celsius fast in einen „fliegenden Backofen“ – verlief alles nach Plan. Dabei waren die Flugzeuge mit Instrumenten nur so gespickt, um zum Beispiel Luftproben in verschiedenen Höhen einsammeln zu können.

Zuerst führten die beiden Flieger Messungen im Luv – also in der dem Wind zugekehrten Seite – des Gewitters durch, um die einströmenden Luftmassen zu untersuchen. Danach durchflogen sie den sogenannten „Gewitter-Amboss“, um die ausströmenden Luftmassen in großen Höhen zu vermessen. Und in den folgenden Tagen wurde bei weiteren sieben Messflügen wertvolles Datenmaterial gesammelt.

Gruppenbild nach dem letzten Messflug. Bild: DLR
Gruppenbild nach dem letzten Messflug. Bild: DLR

Mit der „Ernte“ befassten sich dann später zahlreiche Wissenschaftler, die die Ergebnisse auswerteten und auf internationalen Kongressen diskutierten. Am Ende standen viele neue Erkenntnisse über wichtige Vorgänge in der Atmosphäre und die Rolle, die Gewitter dabei spielen – und viele tausend geflogene Meilen mehr im Bordbuch der Falcon.